Menschen zum Mithelfen animieren

Sulinger Lutz Kordes: „Beeindruckender Zusammenhalt“

Ein Schutthaufen neben einem Fluss.
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Nur ein Schutthaufen blieb von drei Häusern und einem Hotel am Ufer der Ahr.

Sulingen – Die Bilder aus den Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen beherrschten im Juli die Nachrichten. Mittlerweile sind andere Ereignisse in den Vordergrund getreten, doch die Menschen vor Ort benötigen weiter Hilfe, weiß Lutz Kordes. Der Sulinger kehrte kürzlich zurück von einem Hilfseinsatz in Mayschoß, einem Ort in der Verbandsgemeinde Altenahr südwestlich von Bonn.

Initiiert von Manuel Bartels, der schon mehrere Fahrten zu Hilfseinsätzen in die Region unternommen hat, sei er zusammen mit anderen Helfern aus der Crew des Sulinger „Reload“-Festivals und eines anderen Festivals für eine Woche im Katastrophengebiet im Einsatz gewesen. Die Gruppe habe, zusammen mit anderen Freiwilligen, sich um das Wirtshaus einer Familie und das dazugehörige Wohnhaus gekümmert. Beide Gebäude seien durch die Flut vom Keller bis unter die Fenstersimse im ersten Obergeschoss vollgelaufen mit einer Mischung aus Wasser, Schlamm, Heizöl, Fäkalien und Unrat. Nun müssten sie komplett, bis auf die Grundmauern entkernt werde: Der Putz müsse von den Wänden gestemmt werden, der Estrich müsse hinaus, die Decken würden bis auf die Balkenlage entfernt und alle elektrischen oder sanitären Installationen kämen hinaus. Zweieinhalb Tage lang habe er als Heizungsbaumeister zudem mit einem anderen Heizungsbauer in Ort Heizungsanlagen und Wasserleitungen begutachtet, um zu entscheiden, „was bleiben kann und was wegmuss.“ Dieser Heizungsbauer habe davon auch ein Video bei Youtube veröffentlicht auf „Scotty ´s Maschinisten Channel“.

Wie ein Kriegsgebiet sei ihm der Ort vorgekommen, so Kordes. Einfach alles, was die Menschen nicht schnell genug hätten auf den Dachboden bringen können, sei weg oder zerstört. Inzwischen seien die Löcher im Boden mit dem Schutt der Häuser aufgefüllt worden, und für die Fahrzeuge seien unbefestigte Schotterwege angelegt worden, aber „ich kann mir vorstellen, dass erst im Frühjahr die ersten Wohnungen wieder in Richtung bezugsfertig gehen in den massiv betroffenen Gebieten.“ Die Menschen seien oft bei Bekannten oder Verwandten untergekommen, und die Familie, der er geholfen habe, habe auf einem Campingplatz einen Wohncontainer bezogen, der aber nicht winterfest sei. Für die meisten Menschen sei noch gar nicht geklärt, wie es weitergehen soll, und nur etwa 20 Prozent der Einwohner hätten eine Elementarversicherung gehabt.

Die Überreste einer Eisenbahnbrücke, die über den Fluss Ahr führt.

„Die Eindrücke wird man tagelang nicht los“, räumt Kordes ein, aber „helfen zu können ist ungeheuer befriedigend.“ Von den Einheimischen habe er eine wahnsinnige Dankbarkeit erfahren, die vom Einsatz der Helfer zum Weitermachen motiviert würden. „Es ist ein großer Zusammenhalt entstanden, weil alle gleich betroffen sind, das ist beeindruckend.“

Wichtig sei ihm aber, dass die Not nicht in Vergessenheit gerate: „Hilfe jeder Art wird noch gebraucht.“ Von Unternehmen aus dem Ahrtal sei dafür das „Helfer Shuttle“ aufgebaut worden, eine Internetseite (www.helfer-shuttle.de), auf der sich Hilfswillige anmelden könnten, um zu erfahren, wo sie benötigt werden. Mehr als 50 000 Menschen haben sich dort bereits als Helfer registrieren lassen.

Selbst Schiffscontainer waren der Wucht der Flut nicht gewachsen.

„Jetzt geht es immer noch um körperliche, handwerkliche Arbeit“, berichtet Kordes, „aber nach einer gewissen Trocknungszeit werden Fachhandwerker wie Elektriker in den Häusern gebraucht.“ Die registrierten Helfer würden vom Shuttle zu ihren Einsatzgebieten gebracht, Werkzeuge und Maschinen seien vorhanden, übernachtet werde auf einem Campingplatz, und für Verpflegung und Versorgung werde durch kirchliche und private Initiativen gesorgt.

Das sei vielleicht auch eine Idee für die Herbstferien, um im Ahrtal eine Art „Arbeitsferien“ zu verbringen. „Es gibt noch viel zu tun, und es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich da runtergefahren bin.“  hab

Ein unterspültes Gebäude in Mayschoß wartet darauf, wegen Einsturzgefahr abgerissen zu werden.

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