Neue Ziele für ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden

Gerd Beich: „Eine Menge Lebensqualität gewonnen“

Gerd Beich in seinem früheren Büro.
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Von den Kollegen erhielt der passionierte Angler Gerd Beich zum Abschied ein passendes T-Shirt.

Sulingen – Dass Gerd Beich ein passionierter Angler ist, war auch seinen Kollegen bei Lloyd Shoes in Sulingen bekannt, und so erhielt er von ihnen zum Abschied ein passendes T-Shirt. Allerdings wird er im Unternehmen nicht nur als Petrijünger in Erinnerung bleiben, sondern vor allem durch sein Wirken als Vorsitzender des Betriebsrats.

„Es war nie meine Lebensplanung, dass ich Betriebsrat werde“, sagt der 61-Jährige, und auch zur Schuhherstellung sei er auf Umwegen gekommen. Als ausgebildeter Elektriker sei er viel auf Montage gewesen, auch im Ausland. 1984 war er jedoch für ein paar Wochen ohne Anstellung. Seine Tante, die damals bei der Firma Lloyd beschäftigt war, habe ihm gesagt: „Arbeitslos gibt’s nicht.“ Und Hubert Hanfeld aus der damaligen Geschäftsführung gefragt, ob es nicht für ihren Neffen Arbeit im Unternehmen gebe. Nach einem persönlichen Gespräch habe er wenige Tage später anfangen können. Eingesetzt wurde er in der Abteilung „Ausputz“ beim Aufrauen der Sohlen: „Das war ganz anders als meine vorige Arbeit, aber schnell zu erlernen, und nach zwei Tagen hatte ich den Akkord voll.“

Vorsitzender des Betriebsrats war damals Willi Sieber, der bald darauf in Rente ging, Nachfolger wurde Heinrich Ostermann. „Er ist im Dezember 1986 tragisch verunglückt, und im Februar 1987 haben mich die Kollegen auf die Wahlliste gesetzt, ohne mich zu fragen.“ Dabei habe er vorher nichts mit dem Gremium zu tun gehabt und eigentlich auch keine guten Erfahrungen mit Betriebsräten gemacht – „ich war als Mitarbeiter nicht sehr pflegeleicht und habe immer gesagt, was ich denke.“ Als Neuling habe er jedoch die zweitmeisten Stimmen erhalten, und bei der konstituierenden Sitzung des neunköpfigen Betriebsrats sei er mit acht zu eins Stimmen zum Vorsitzenden gewählt worden; seine Stellvertreterin sei Ursel Hameister gewesen, die zugleich die Angestelltenvertreterin war.

Erste Jahre waren „echte Knochenarbeit“

Die erste Wahlperiode bezeichnet Beich als „echte Knochenarbeit“, weil er eine andere Form des Vorsitzes gepflegt habe als seine Vorgänger: „Ich habe uns immer als Anwälte der Arbeitnehmer verstanden.“ Schon bei der Gratulation nach der Wahl habe ihm Dieter Meyer von der Geschäftsführung gesagt, dass er „nicht immer mit dem Gesetzbuch unter dem Arm herumlaufen“ solle, aber daran habe er sich nicht gehalten: Gleich vier Mal habe sich der Betriebsrat in dieser Zeit mit der Geschäftsführung vor Gericht auseinandersetzen müssen und alle vier Verfahren gewonnen. „Wir mussten erst die Grenzen feststecken, aber seitdem haben wir immer Kompromisse gefunden“, zieht Beich Bilanz.

Über die Gewerkschaft Leder, die später in der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) aufging, habe er zahlreiche Schulungen besucht zur Fortbildung als Betriebsrat. Daraus hätten sich auch weitere Ehrenämter ergeben. So sei er aktuell noch Mitglied im Vorstand des Landesbezirks Nord der IG BCE, er sei ehrenamtlicher Lehrer für Fachmathematik der Schuhfertiger an der Berufsschule gewesen und fungiere noch als ehrenamtlicher Richter am Landessozialgericht in Celle und am Landesarbeitsgericht in Hannover.

Lloyd Shoes weiter begleiten

Als größte Erfolge in seiner Amtszeit sieht Beich den Bau der neuen Schuhfabrik an der Hans-Hermann-Meyer-Straße 1999 / 2000, für den Unterstützung aus der Landespolitik gewonnen werden konnte, sowie die Umstellung von der Akkord- auf die Team- und Gruppenarbeit im selben Jahr, durch die die Produktivität um 20 Prozent gesteigert werden konnte. „Lloyd war immer die Spitze in der Tarifbewegung, wir haben malocht und zusammengehalten als Lloydianer.“

Seinen Abschied habe er lange vorbereitet, denn „ich wollte ohnehin mit 63 aussteigen.“ Deswegen habe er Katja Paschke und Silvia Klenke an die Aufgaben herangeführt: „Ich bin davon überzeugt, dass die beiden einen guten Job machen und die Arbeitnehmer gut vertreten werden.“ Sein Wunsch sei, dass Lloyd Shoes wieder wächst und die Geschäftsführung bei ihren schweren Entscheidungen das Glück des Tüchtigen und den Willen zu notwendigen Veränderungen habe. Gerd Beich ist sicher: „Mit dem starken Team wird Lloyd eine tolle Zukunft haben.“ Mit dem Ruhestand habe er eine Menge Lebensqualität gewonnen, etwa durch mehr Zeit zum Angeln oder die Sanierung seines Resthofes. Beich verspricht: „Ich werde Lloyd begleiten, aber mich nicht von außen einmischen.“

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