Schuhfertiger unter Zugzwang

Keine Perspektive mehr in Sulingen: Lloyd-Azubis suchen nach Plan B

An seinem Arbeitsplatz als Schuhfertiger überprüft Lion Clausing das Produkt.
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An seinem Arbeitsplatz als Schuhfertiger überprüft Lion Clausing das Produkt.

Sulingen – Die Ankündigung der Sulinger Firma „Lloyd Shoes“, die Schuhproduktion in Sulingen einzustellen, hat viele Menschen in der Region überrascht. Zu ihnen zählen nicht zuletzt auch die jungen Menschen, die gerade im Unternehmen eine Ausbildung zum Schuhfertiger absolvieren. Laut Gerd Beich, Vorsitzender des Lloyd-Betriebsrats, legen vier Auszubildende im dritten Lehrjahr jetzt ihre Abschlussprüfung ab; im ersten und zweiten Lehrjahr befinden sich aktuell 14 Auszubildende. Vier von ihnen beantworteten die Fragen unserer Zeitung.

Wie führte für sie der Weg in diese Ausbildung? Noch im ersten Jahr ist Lion Clausing. Der 18-jährige Sulinger erklärt, er habe sich für die Ausbildung entschieden, weil er „einen kleinen Schuhtick“ habe – er besitze selbst so einige Schuhe und interessiere sich für das Thema.

„Ich wollte immer gerne etwas Handwerkliches machen“, sagt Jacqueline Berndt aus Bassum. Die 18-Jährige durchläuft aktuell das zweite Lehrjahr. Das Handwerkliche war auch für Becky Rußmann, ebenfalls im zweiten Lehrjahr, wichtig. Sie habe nach einer Ausbildung in der Nähe gesucht, sagt die 20-jährige Twistringerin, und sei von Bekannten auf die Ausbildung beim Sulinger Schuhhersteller aufmerksam gemacht worden.

Die Nähe spielte auch eine Rolle für Daniel Albers (21) aus Oerdinghausen, ebenso im zweiten Lehrjahr. Er habe sich auch für Schuhe interessiert, aber vor allem habe ihn das handwerkliche Arbeiten gereizt – „am Ende etwas in der Hand zu haben, was ich selbst gemacht habe.“

Über ihre Zukunft machen sich die Auszubildenden Daniel Albers (von links), Becky Rußmann, Jacqueline Berndt und Lion Clausing Gedanken.

Wie gehen die vier um mit der Aussicht, einen Beruf zu erlernen, den sie hier nicht mehr werden ausüben können? „Wir haben trotzdem gute Perspektiven in der Schuhbranche“, findet Jacqueline Berndt. Mit einer neuen kaufmännischen Ausbildung im Einzelhandel könnten sie in Einkaufszentren arbeiten, auch eine Weiterbildung in Richtung Design oder Technik sei möglich: „Wir haben das Wissen zum Schuh.“ Bei einem Blick in die Jobbörse auf den Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit finden sich am Mittwoch 15 freie Arbeitsstellen für Schuhfertiger – allerdings vorwiegend in Süd- und Ostdeutschland.

„Für mich persönlich sehe ich nicht mehr viele Perspektiven“, sagt Lion Clausing. Technik und Design seien mit viel Büroarbeit verbunden, und er habe ohnehin festgestellt, dass der Beruf des Schuhfertigers für ihn nicht der Richtige ist. Stattdessen habe er sich entschieden, die Ausbildung abzubrechen und eine Lehre im Handwerk zu beginnen, „weil ich keine Zukunft mehr in dieser Branche sehe.“

Wie wichtig ist das Argument der Nähe noch für den weiteren Berufsweg? „Wir müssen jetzt auf jeden Fall deutschlandweit suchen oder im Ausland, wenn man so flexibel ist“, ist sich Daniel Albers sicher.

Die Nähe zum Wohnort sei für sie dagegen vorher schon unwichtig gewesen, so Jacqueline Berndt, denn sie wolle gerne in Richtung Design gehen, und dafür müsse sie ohnehin für zwei Jahre nach Pirmasens an die Deutsche Schuhfachschule gehen.

„Ich möchte überhaupt nicht weg“, bekennt Becky Rußmann. „Zwei Jahre in Pirmasens wäre schon schwer, aber das würde ich in Kauf nehmen, wenn es nicht anders geht.“ Berndt wünscht sich weiterhin eine Begleitung ihres Ausbildungsbetriebes: „Ich hoffe auch nach der Ausbildung auf die Unterstützung von Lloyd in Richtung Design, denn es gibt ja weiterhin die Modellentwicklung hier.“

Zumindest bis zum Ende der Ausbildung steht die Perspektive fest: „Alle bekommen das Angebot, hier ihre Ausbildung zu beenden“, versichert Gerd Beich, „und wir arbeiten gerade an weiteren Lösungen.“

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