Arbeit der Flüchtlingsinitiative Sulingen wandelt sich

Lieber Zeit- als Sachspenden

Die Sprecher der Flüchtlingsinitiative Sulingen: Gunda Bielefeldt und Gunther Stein vertreten seit Anfang 2019 die Gruppe.
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Die Sprecher der Flüchtlingsinitiative Sulingen: Gunda Bielefeldt und Gunther Stein vertreten seit Anfang 2019 die Gruppe.

Sulingen – Seit Monaten beherrscht das Coronavirus die Nachrichten, während andere Themen in den Hintergrund gedrängt werden. „Die Menschen sind trotz Corona noch da und haben sich nicht in Luft aufgelöst“, stellt Gunda Bielefeldt fest: Sie und ihr Ehemann Gunther Stein vertreten seit Anfang 2019 die Flüchtlingsinitiative Sulingen als Sprecher, unterstützt von Petra Albers. Die Arbeit mit den Geflüchteten habe sich verändert – nicht zuletzt durch die Pandemie.

„Die Geflüchteten empfinden die Situation als bedrohlich und haben – wie wohl alle Menschen – große Angst entwickelt.“ Zum Teil liege das an der Sprache, aber sie lebten auch unter erschwerten Bedingungen, beispielsweise, wenn sich viele Personen eine kleine Wohnung teilen müssen.

Eine wichtige Aufgabe sei gewesen, den Geflüchteten die Hygiene-Maßnahmen zu vermitteln, ergänzt Gunther Stein. Dabei sei man sehr vom Team des Sozialpsychiatrischen Tageszentrums „Taff“ von Bethel im Norden unterstützt worden. Auch die große Spende an Masken, die die Flüchtlingsinitiative von Lloyd Shoes erhalten habe, sei über die Einrichtung verteilt worden. „Es ist unglaublich hilfreich, dass wir einen so guten Draht zum ,Taff‘ haben, aber auch zur Stadt Sulingen, zur Diakonie mit der Schuldner- und der Suchtberatung und zur Polizei – das Netzwerk funktioniert.“

Die aktuell rund 30 Paten, die sich in der Initiative engagieren, hätten in der Zeit des Lockdowns die Geflüchteten nur im Notfall aufgesucht, stattdessen Taschen gepackt mit Spielzeug und Leckereien und sie an die Wohnungstüren gehängt, berichtet Gunda Bielefeldt. Ohnehin seien die Paten für die Menschen „ein Notnagel, wie Eltern oder Großeltern – wir können nicht alles auffangen.“ Generell sei vieles durch Corona ins Stocken geraten: Kurse oder Schulunterricht habe es nicht mehr gegeben oder nur noch online, was aber auf dem Smartphonebildschirm nur schwer nachzuverfolgen gewesen sei.

Aber auch insgesamt habe sich die Situation für die Geflüchteten und die ehrenamtlichen Helfer verändert, erläutert Gunther Stein: Vor drei Jahren sei es darum gegangen, für die Menschen „ein bisschen Normalität“ zu schaffen, während sie auf ihren Status als Asylbewerber oder Schutzberechtigte warteten. „Jetzt haben alle ihren Status, deswegen geht es darum, ihnen zu zeigen, wie sie sich hier in den sozialen und ökonomischen Strukturen zurechtfinden.“ Vor allem gehe es den Menschen darum, einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle zu finden, was aber oft wegen der Sprache schwierig sei. „Praktisch sind sie immer top“, weiß Gunda Bielefeldt, aber die Theorie bereite Schwierigkeiten. Auch, weil Maße und Einheiten zu lernen seien – Dinge, die hier schon in der Schule als Grundlage vermittelt werden. Daher suche die Flüchtlingsinitiative nun vermehrt „Zeitspender“, die bereit sind, Nachhilfe in Mathematik, Naturwissenschaften und Deutsch zu geben.

Kleiderkammer und Werkstatt geschlossen

Ohnehin würden keine Sachspenden mehr angenommen – das Möbellager bestehe noch, aber die Kleiderkammer und die Fahrradwerkstatt seien geschlossen, denn die Geflüchteten gingen bei Bedarf gerne im DRK-Shop einkaufen. „Die Sprache ist und bleibt das Hauptproblem“, bekräftigt die Sprecherin. Daher sei ein Wunsch vieler Geflüchteter, dass sie mehr Kontakt zu den Einheimischen bekommen – das Alltagsdeutsch funktioniere, aber sie wollten die Sprache besser lernen, und das gehe am besten im persönlichen Gespräch. Daher sei es besonders schade, dass inzwischen das „Sprachcafé“ im „Taff“ eingestellt werden musste, „weil keine Deutschen mehr kamen“. Die Hoffnung sei, dass im Sommer des kommenden Jahres das Begegnungsfest wieder gefeiert werden kann.

Wichtig sei die medizinische Betreuung, die Dr. Ernst Funck leistet, sagt Gunther Stein: „Viele Geflüchtete sind traumatisiert, entweder, weil in ihren Herkunftsländern Krieg herrscht oder weil sie auf der Flucht schreckliche Erlebnisse hatten.“ Stein betont, dass den Menschen „nichts in den Popo geschoben“ werde, sie müssten „harte Bewältigungsarbeit“ leisten. Dabei seien sie in der Lage, ihr aktuelles Leben gut zu meistern, auch, weil sie sich untereinander arrangierten und Zusammenhalt zeigten. Aber es fehle ihnen an einer klaren Perspektive für die Zukunft.

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