Debatte um neue Orgel für die Sulinger Sankt-Nicolai-Kirche geht weiter

„Leuchtturmprojekt“ birgt Zündstoff

Die Orgel der Sankt-Nicolai-Kirche in Sulingen beschäftigt Christian Jost (links) und Hans-Rudolf Kalus. Foto: Bartels

Sulingen – Die Beschlüsse für eine neue Orgel in der Sulinger Sankt-Nicolai-Kirche sind längst gefasst, an der Finanzierung wird gearbeitet, doch zur Ruhe kommen die Beteiligten noch nicht: „Wir müssen sehen, dass wir wieder auf eine Linie kommen“, fordert der Kirchenvorstandsvorsitzende Hans-Rudolf Kalus gemeinsam mit Christian Jost, dem Vorsitzenden des Orgelbau-Fördervereins.

Bereits vor fünf Jahren habe es erste Überlegungen zum Thema Orgel gegeben, erinnert sich Kalus. 2017 entschied sich der Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen einstimmig für eine neue Orgel. Im Jahr 2018 setzte die Landeskirche Hannover eine Expertenkommission ein, bestehend aus Professor Hans Christoph Becker-Foss, Orgelsachverständiger und Professor für Orgelmusik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Professor Martin Böcker, Orgelsachverständiger und Professor für Orgelbaukunde, Orgelliteraturspiel und Orgelimprovisation an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg sowie Kreiskantor Kai Kupschus. Dessen Berufung ist nicht nur darin begründet, dass er die neue Orgel auch spielen soll: „Er ist sehr gut vernetzt in Musikerkreisen und hat unter anderem an dem Papier mitgeschrieben, mit dem 2017 der deutsche Orgelbau und die Orgelmusik in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde“, erläutert Jost.

Die Experten entwickelten für Sulingen das Konzept einer dreimanualigen Orgel in französischer Bauweise mit 46 Registern. Sie soll nicht nur als Instrument für Gottesdienste und Konzerte dienen, sondern ist auch gedacht als Ausbildungsorgel, zumal die Stelle des Kreiskantors in Sulingen angesiedelt ist. „Es ist ein Leuchtturmprojekt“, sagt Jost. Und ein Alleinstellungsmerkmal in der Landeskirche und im Sprengel Osnabrück, ergänzt Kalus.

Der Kirchenvorstand entschied, dem Experten-Konzept zu folgen, das auf einer Gemeindeversammlung der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Von drei Orgelbauunternehmen wurden Angebote dafür eingeholt, die sich zwischen 980 000 und 1,5 Millionen Euro bewegten. Der Kirchenvorstand entschied sich für das günstigste, von einem Betrieb aus der Region Hannover – unter der Voraussetzung, dass die Finanzierung gelingt.

Bereits zugesagt ist ein Zuschuss von 250 000 Euro von der Landeskirche, auch Spenden von zusammen mehreren tausend Euro sind schon eingegangen; weitere Mittel sollen eingeworben werden. Während sich die vom Kirchenvorstand eingesetzte Orgel-Arbeitsgruppe unter der Leitung von Pastorin Juliane Worbs um Mittel von kirchlicher Seite kümmert, spricht der im Juni gegründete Förderverein Kontakte aus Wirtschaft und Politik an. „Wir haben noch viele Ideen und Gedanken, die wir in den nächsten anderthalb Jahren angehen wollen“, versichert Jost. Geplant ist, bis zum Sommer 2021 Mittel zu sammeln und dann über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Demnächst zeige auf der Internetseite des Fördervereins (www.orgel-sulingen.de) ein Spendenbarometer den aktuellen Stand.

Der Weg zur neuen Orgel scheint klar, doch im Hintergrund herrscht weiter Unruhe: „Es ist ein Thema, das im Kirchenvorstand und in der Gemeinde weiter kontrovers diskutiert wird“, weiß Kalus.

Im Kirchenvorstand gebe es Gegner des Projektes, die immer noch Punkte infrage stellen, die längst beschlossen seien, beklagt Christian Jost, auch zwei Klausurtagungen zu diesem Thema hätten keine Ergebnisse gebracht. Es werde mit Gerüchten und Lügen agiert, beispielsweise sei von einem zweiten Orgelkonzept die Rede, das es aber nie gegeben habe.

Die Gegenseite wolle eine kleinere Orgel für weniger Geld, erläutert Kalus, aber dann gäbe es weniger Zuschüsse, sodass der Aufwand für die Kirchengemeinde gleich bleibe. Die könne außerdem nicht einfach ohne Zustimmung der Landeskirche einen Vertrag mit einem Orgelbauer schließen. Für ihn als Vorsitzenden sei es schwierig, mit dem Thema umzugehen: „Ich kenne es so von meiner Arbeit, dass ein Thema durch ist, wenn die Entscheidung gefallen ist. Das müssen wir noch lernen, und wir arbeiten daran, die Sachlichkeit wieder hinzubekommen.“

Aus der Situation hat Jost hingegen bereits Konsequenzen gezogen und seinen Rücktritt aus dem Kirchenvorstand erklärt: „Es ist im Kirchenvorstand mittlerweile keine gedeihliche Zusammenarbeit mehr gewährleistet – freiwillige Arbeit soll immer noch Spaß machen, aber ich weiß auch von anderen Mitgliedern, dass sie nur noch mit Magengrummeln zu den Sitzungen gehen.“ Er hoffe, dass durch diesen Schritt wieder Bewegung in die Sache komme. „Ich bedaure das sehr“, stellt Kalus fest, „aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren.“ Wer Jost als Mitglied nachfolgt, legt der Kirchenvorstand bei seiner nächsten Sitzung am 21. Januar fest.

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