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Leon von der Sulinger Paul-Moor-Schule ist jetzt veröffentlichter Autor

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Von: Harald Bartels

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Ein Junge an einem Tisch präsentiert ein Buch, und zwei Frauen stehen hinter ihm.
Stolz zeigt Leon Lober das Buch, in dem er vertreten ist; im Hintergrund: Jennifer Franzke-Lober (rechts) und Imke Oetker. © Bartels

Zwei Schüler der Paul-Moor-Schule in Sulingen beteiligen sich an einem Kunstprojekt des Bielefelder Vereins „Die Wortfinder“.

Sulingen / Bielefeld – Viele Menschen träumen davon, ihren Namen als Autor eines Buches veröffentlicht zu sehen. Für Leon Lober hat sich der Traum erfüllt: Er gehört zu den Autoren des nun erschienenen Werks „Heraus mit den Sprachen!“.

Das Buch ist das Ergebnis eines Kunstwettbewerbs, den der Bielefelder Verein „Die Wortfinder“ veranstaltete. Die Grundlage bildeten Zeichnungen und Malereien von zehn Menschen, die selbst nicht schreiben und nur wenig sprechen können. Zu diesen Arbeiten sollten sich die Teilnehmer schriftlich äußern, darunter auch eine Klasse der Grundstufe der Paul-Moor-Schule in Sulingen, Tagesbildungsstätte der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz.

Texte zu Arbeiten von zehn Künstlern

Die Klasse, die der heute zehnjährige Leon aus Mellinghausen besuchte, befasste sich 2019 mit einer schwarz-weißen Kohlezeichnung des mit Trisomie 21 geborenen Schweizers Benjamin Abgottspon. Die Kinder hätten sich das Bild angesehen, erinnert sich Heilerziehungspflegerin Imke Oetker, und Leon und sein Freund Jayden-Kian Logemann aus Ströhen hätten dazu ihre Gedanken geäußert, die nun als Text in das Buch mit aufgenommen wurden.

Am liebsten spiele Leon draußen oder knete, verrät seine Mutter Jennifer Franzke-Lober, sehe sich auch gerne Bücher an – vor allem, wenn es um die Feuerwehr geht. Aber als Antwort auf die Frage, was denn sein Lieblingsbuch ist, zeigt er sofort auf „Heraus mit den Sprachen!“ und lacht.

Buch im Mai in Bielefeld vorgestellt

Leon habe auch die Einladung erhalten, als einer von 100 Beteiligten an der Buchpräsentation im Mai in der Stadtbibliothek Bielefeld teilzunehmen. Dort seien alle Texte des Buches vorgelesen worden, und die anwesenden Autoren seien jeweils nach vorne gerufen worden, wenn ihr Beitrag an der Reihe war, hätten eine Blume bekommen, berichtet Jennifer Franzke-Lober.

Zustande gekommen sei die Teilnahme, weil der Verein die Schule angeschrieben hat, berichtet Imke Oetker. „Wir haben gerne mitgemacht, weil es etwas Besonderes im Schulalltag ist – und Leon ist ganz stolz!“

Rund 700 Menschen nahmen am Projekt teil

Der Verein „Die Wortfinder“ befasst sich damit, kreatives Schreiben und Literatur sowie Kunst von Menschen mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen oder in besonderen Lebenslagen zu fördern. Seit 2011 gibt der Verein jährlich einen Kalender heraus, und im Sommer 2019 begann das dem Buch zugrunde liegende Projekt mit einem Kunstwettbewerb für Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung, die selbst nicht schreiben können. Für das Buch habe man den Teilnehmerkreis im Vergleich zum Kalenderwettbewerb deutlich erweitert, sagt Projektleiterin Sabine Feldwieser, Vorsitzende des Vereins. Dafür seien Senioreneinrichtungen oder logopädische Praxen angeschrieben worden, aber auch Volkshochschulen, die Kurse wie Deutsch als Fremdsprache, Alphabetisierungskurse oder kreatives Schreiben anbieten. Zudem habe es eine Ausschreibung auf Homepages, in Zeitungen und Fachzeitschriften gegeben.

Ein inklusives Kunstprojekt

„Ich arbeite seit 25 Jahren in dem Feld“, so Sabine Feldwieser, „und ich wollte alle Menschen zusammenbringen, um etwas Inklusives zu schaffen, das aus der Kunst heraus lebt.“ Beteiligt hätten sich rund 700 Menschen mit und ohne Behinderung im Alter von acht bis 99 Jahren und aus mehr als 30 Herkunftsländern.

Insgesamt seien mehr als 1 000 Texte eingegangen, aus denen eine zehnköpfige Fachjury die Preisträger auswählte – in einem „langwierigen Prozess“, wie die Projektleiterin betont. Das Buch, ergänzt um Texte von renommierten Schriftstellern wie Jenny Erpenbeck, Vea Kaiser, Peter Stamm und Stephan Thome und versehen mit einleitenden Worten, unter anderem von Schauspielerin Christine Urspruch und Literaturkritiker Volker Weidermann, sei eine höchst anregende Mischung von Gedanken, Gedichten und Geschichten: „Texte zum Lachen und Texte zum Weinen. Das Buch ist ein Kaleidoskop sprachlicher Vielfalt.“ Seit der Veröffentlichung stoße das Werk auf große Resonanz: „Es steigert die Lust auf den Umgang mit Vielfalt, die Wertschätzung von Andersartigkeit und den Mut, darauf kreativ zu reagieren.“

Informationen zum Buch „Heraus mit den Sprachen!“

Das Buch „Heraus mit den Sprachen!“ versammelt sowohl die preisgekrönten Texte der Teilnehmer und Beiträge von namhaften Schriftstellern als auch die Kunstwerke, zu denen die Texte entstanden. Zusätzlich finden sich auf 496 Seiten biografische Informationen zu den Beteiligten. Das Hardcoverbuch erschien in einer Auflage von 1 700 Exemplaren. Es kann zum Preis von 29,80 Euro (zuzüglich Versand) ausschließlich beim Verein „Die Wortfinder“ bestellt werden (E-Mail: diewortfinder@t-online.de).

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