Lebenshilfe: Annette Lüneburg wird Geschäftsführer Michael Lensing ablösen

Nachfolgerin stellt sich vor

+
Die künftige Geschäftsführerin, Annette Lüneburg.

Sulingen - „Das hörte sich an wie eine Antrittsrede“, kommentierte Vorsitzender Claus-Wilhelm Vocke den Bericht von Michael Lensing, der bei der Mitgliederversammlung des Vereins Lebenshilfe Grafschaft Diepholz am Donnerstagabend in Sulingen über das vergangene Jahr Rechenschaft ablegte. Es war sein letzter „Auftritt“ als amtierender Geschäftsführer: Ende des Jahres verabschiedet er sich in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin, Annette Lüneburg, stellte sich den Mitgliedern vor.

Lensing bezeichnete die Belegung der Einrichtungen in Sulingen und Diepholz als durchweg sehr gut, das gesetzlich verankerte Recht auf Inklusion habe hier nicht zu Einbrüchen geführt. Einzige Ausnahme sei die Frühförderung, durch zunehmende Konkurrenz von privaten Anbietern, Krippen und Kitas sowie nicht zuletzt die Restriktionen des Kostenträgers: „Es werden weniger Anträge bewilligt, das Verfahren ist aufwändig und zeitintensiv.“ Lensing appellierte an die Politik: „Doppelbegutachtungen müssen vermieden werden.“

Die Inklusion gelinge in den vorschulischen Betreuungseinrichtungen hervorragend, in Sulingen seien die 200 Plätze von jeweils 100 Kindern mit und ohne Förderbedarf besetzt. „Wir verstehen uns als Dienstleister nicht nur für Menschen mit Behinderungen.“ Von der Umsetzung der Inklusion im schulischen Bereich sei man, trotz positiver Ansätze in Sulingen und Diepholz, noch weit entfernt. „Erfolgsgeschichte“ schreibe man mit der Qualifizierungsstufe Rehden, die elf von 22 Absolventen in den Ersten Arbeitsmarkt vermitteln konnte, aber auch mit den differenzierten Wohnangeboten für Menschen mit Behinderungen. Ein Dorn im Auge seien die sozialpolitischen Rahmenbedingungen, sagte Lensing mit Blick auf das Niedersächsische Schulgesetz oder das Bundesteilhabegesetz: „Es wurden Hoffnungen geschürt, aber so manche in Aussicht gestellte Reform ‚startete wie ein Tiger und landete wie Bettvorleger‘.“

Claus-Wilhelm Vocke nannte Michael Lensing einen „Macher“, einen „Innovator“ und einen „Bauherrn“, der kleine und große Experimente wagte: „Sie hatten Erfahrung. Und Sie hatten Haltung.“ Er dankte Michael Lensing für seine 26-jährige Tätigkeit als Geschäftsführer. Er sei ein guter Mannschaftsführer gewesen und vor allem ein Anwalt der Klienten: „Die Klienten haben Sie geliebt und verehrt, Vorstand und Mitarbeitern haben Sie sehr geschätzt.“

Michael Lensing bekam von Claus-Wilhelm Vocke einen edlen Tropfen überreicht.

„Wir haben jemanden gesucht, der aus der pädagogischen Arbeit kommt“, erklärte Claus-Wilhelm Vocke die Zielvorgabe des Vorstands bei der Suche nach einer neuen Führungspersönlichkeit. Im Rahmen der Versammlung stellte sich Annette Lüneburg vor, die zum 1. Januar die Nachfolge des Geschäftsführers antritt. „Die Stellenausschreibung hat mich sehr angesprochen: Ich bin kein ‚Nadelstreifenanzug-Träger‘ und ‚Rollkoffer-Schieber‘, ich bringe mich vor allem als Mensch ein.“ Die 43-Jährige, die aus dem Landkreis Wolfenbüttel stammt, war schon in ihrer Jugend in der evangelischen Stiftung Neuerkerode ehrenamtlich tätig. Sie hatte sich zunächst für den Beruf der Heilerziehungspflegerin entschieden, arbeite als Wohngruppenleiterin, engagierte sich in der Nachwuchs-Ausbildung. Im Alter von 30 Jahren nahm sie das Studium der Wirtschaftswissenschaften auf. „Ich habe mich auf das strategische Management im Nonprofit-Sektor fokussiert“, sagte die Diplom-Kauffrau, die zurzeit als „Bereichsleiterin Wohnen“ im Hamburger Lebenshilfe-Werk arbeitet.

„Qualität hängt nicht von modernen Konzepten ab, sondern in erster Linie von verbindlichen, kontinuierlichen Angeboten, vom Vertrauen der Angehörigen in unsere Einrichtungen und von der Inspiration der Mitarbeiter“, befand Annette Lüneburg. Sie freue sich auf die neue Aufgabe – trotz des „großen Mantels“, den Michael Lensing ihr hinterlasse. Annette Lüneburg ist verheiratet, hat zwei Kinder. Nach einem schweren Freizeitunfall habe sie für ihre Tochter die Frühförderung der Lebenshilfe in Anspruch nehmen müssen: „Das gibt einen anderen Blick aufs Leben...“

mks

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Frühlingsmarkt lockt Besucher

Frühlingsmarkt lockt Besucher

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Kommentare