Vorwurf: Versuchter Totschlag

Mehrfach auf Ehefrau eingestochen: 32-jähriger Sulinger vor Gericht

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Der Verteidiger spricht mit dem Angeklagten.

Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen ist am Freitag am Landgericht Verden der Prozess um einen versuchten Totschlag in Sulingen gestartet.

Verden/Sulingen – Der 32 Jahre alte Angeklagte soll am 19. August 2019 im Streit mehrfach auf seine Ehefrau eingestochen haben. Als er durch die Schreie der zweijährigen Tochter abgelenkt gewesen sei, habe seine Frau auf den Balkon flüchten und durch Schreie Nachbarn alarmieren können, heißt es in der Anklageschrift.

Das Messer mit einer sieben Zentimeter langen Klinge soll der Mann auf dem Schlafzimmerschrank aufbewahrt haben. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Verden stach er gezielt auf Brust und Oberkörper der ebenfalls 32-Jährigen ein und „versuchte, das Herz zu treffen“. Nach der Tat sei er zu Fuß geflüchtet, habe sich aber kurz darauf „blutüberströmt“ gestellt.

Messerattacke in Sulingen: Sieben Stichverletzungen dokumentiert

Im August hatte die Sulinger Polizei berichtet, dass der Ehemann ebenfalls verletzt gewesen sei. Er wurde vom Sulinger Krankenhaus in die Medizinische Hochschule Hannover verlegt. Die Ehefrau sei mit einem Hubschrauber in eine Bremer Klinik geflogen worden.

In der Anklageschrift werden sieben Stichverletzungen in Rücken, Bauch, Brust und Hand beschrieben. Die Stiche wurden von dem Angeklagten in einer sechsseitigen Erklärung, verlesen von seinem Verteidiger Dr. Holger Nitz, eingeräumt. Es sei eine „Spontan-Tat aus der Situation heraus“ gewesen. „Wahllos“ habe er zugestochen, nicht gezielt in Richtung Herz. Als er erkannte, was er getan habe, da habe er das „Messer fallengelassen und aufgehört“.

Täter aus Sulingen zeigt Reue vor Landgericht Verden

Aktiv habe er sich dann um Hilfe für die Mutter seiner drei Kinder bemüht, und es mache ihm schwer zu schaffen, dass sie das alles miterleben mussten. „Als sicher war, dass seine Frau versorgt werde“, habe er den Tatort verlassen. „Um erst mal zu Sinnen zu kommen.“ Nach einer Zigarette habe er sich gestellt. Er sei „heilfroh, dass sie die Stiche überlebt hat“.

Der Angeklagte schildert aber auch, dass seine Frau ihn zuvor mit dem Messer verletzt und massiv beleidigt habe. Auslöser des Streits soll eine Anzeige der Frau gegen den Bruder des Angeklagten vom selben Tag gewesen sein. Davon erfahren haben will der Angeklagte von seinem Bruder. Er sei dann selbst zur Polizei und habe seine Frau dort angetroffen. Auf der Wache soll sie von ihm verlangt haben, dass er „seiner Schwester die Haare abschneide und den Bruder umbringe, weil er sonst kein Mann mehr sei“.

Prozess vor Gericht in Verden: Häufig Streit in der Familie

Streit habe es häufiger gegeben. Seine Frau habe sich wiederholt über seine Geschwister beschwert. Bei dem Streit am Tattag habe sie verlangt, dass er ihre Ehre wieder herstellen solle, ihn aber auch beleidigt. Es sei auch um 5.000 Euro gegangen, die er für einen Urlaub zur Seite gelegt habe. Das Geld sei nicht mehr da gewesen, und seine Frau habe ihm erklärt, dass sie sich davon Schmuck gekauft habe. Diesen sollte sie ihm zeigen. Daraufhin habe sie in den Kleiderschrank gegriffen und das Messer hervorgezogen.

In der Einlassung werden Nachbarn benannt, die er nach der Tat um Hilfe gebeten habe. Insgesamt zehn Zeugen will die Schwurgerichtskammer hören und hat für den Prozess sechs weitere Verhandlungstage bis zum 21. April 2020 eingeplant. Am 2. März wird der Prozess fortgesetzt, Beginn ist um 9 Uhr.

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