Landgericht mindert Strafe/ 78-Jährigem fehlt Einsicht

Bewährung statt Haft für Pädophilen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden - Keine Einsicht zeigte ein 78 Jahre alter Angeklagter aus Stuhr, der sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Verden verantworten musste. Der Rentner hatte eine 13-Jährige bei Sexspielen, die er mit einer 15-Jährigen praktizierte, zusehen lassen. In der Berufungsverhandlung wurde eine vom Amtsgericht Syke verhängte achtmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt.

Der zum Tatzeitpunkt 76-Jährige hatte sich mit einer 15-Jährigen auf dem Parkplatz am Stadtsee in Sulingen verabredet. Ein Bett befand sich im hinteren Bereich seines Vans, der häufiger für einvernehmliche sexuelle Handlungen mit der Jugendlichen genutzt worden sein soll. Am Tattag im November 2013 brachte das damals in einer Jugendhilfeeinrichtung lebende Mädchen, eine ebenfalls dort wohnende 13-Jährige mit zu dem Treffen. Das jüngere Mädchen beobachtete und fotografierte die Sexspielchen.

Strafbar machte sich der Mann nur, weil er die 13-Jährige zusehen ließ. Paragraf 176 des Strafgesetzbuches umfasst sexuelle Handlungen an, mit oder vor einem Kind unter 14 Jahren. Bei der 15-Jährigen wäre dies nur strafbar gewesen, wenn es sich um seine Schutzbefohlene gehandelt, er eine Zwangslage der Jugendlichen ausgenutzt, sie bezahlt oder in einem Erziehungs- oder Betreuungsverhältnis gestanden hätte. Das war nicht der Fall.

Das Amtsgericht hatte das saubere Strafregister des Angeklagten berücksichtigt und dass den Mädchen durch sein Geständnis Aussagen vor Gericht erspart hatte. Zudem sei er zwar sehr rüstig, aber dennoch bestehe in seinem Alter eine höhere Haftempfindlichkeit und im Gefängnis habe er angesichts der Tat Repressalien zu fürchten.

Dennoch wurde die Haftstrafe verhängt, denn erschwerend fiel laut dem Syker Jugendrichter ins Gewicht, dass beim Angeklagten „Unrechtsbewusstsein nicht mal im Ansatz“ zu erkennen war. Außerdem war bei einer Durchsuchung im Januar 2014 in dem Van neben eindeutigen Fotos ein Plastikbehälter mit Gummibärchen gefunden worden, „wie sie bei Kindern beliebt sind“.

Ziel der Berufung war die Strafaussetzung zur Bewährung. Beim Amtsgericht sei total aus dem Blick geraten, dass es um das Zusehen des Kindes ging und nicht um die Handlungen mit der 15-Jährigen, argumentierte der Verteidiger.

„Dem stimme ich zu, es geht um die 13-Jährige“, so Staatsanwältin Regina Steinebach in ihrem Plädoyer. „Nicht alles, was widerwärtig und moralisch höchst verwerflich ist, ist strafbar“, merkte die erfahrene Juristin kritisch an. Die Intensität der sexuellen Handlungen vor den Augen des Kindes seien aber schon eine heftige Nummer gewesen. Eine Bewährungsstrafe plus die Zahlung von 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung seien angemessen. Dem folgte das Gericht.

Im Schlusswort des Angeklagten wurde deutlich, dass es ihm immer noch an Einsicht mangelt. „Das Kind hat den Wunsch geäußert“, „sie konnte jederzeit gehen“, „sie wollte das ja“, so der Angeklagte. Und sogar Richter Joachim Grebe warf ein: „Sie sind ein alter und erfahrener Mann. Das war ein Kind.“

wb

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