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„Lachen, grübeln und genießen“

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Von: Martina Kurth-Schumacher

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Matthias Brodowy freut sich auf Zuschauer bei seinem Gastspiel am 11. Februar im Sulinger Stadttheater. Programmtitel: „Keine Zeit für Pessimismus“.
Matthias Brodowy freut sich auf Zuschauer bei seinem Gastspiel am 11. Februar im Sulinger Stadttheater. Programmtitel: „Keine Zeit für Pessimismus“. © Tomas Rodriguez

Sulingen – Der Kulturverein Sulingen lädt für Freitag, 11. Februar, zu einem Kabarettabend mit Matthias Brodowy ein. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Künstler aus Hannover, selbst ernannter „Botschafter des gehobenen Blödsinns“, nahm sich im Vorfeld Zeit für ein Interview. Die Fragen stellte Martina Kurth-Schumacher.

Sie waren vor sieben Jahren zusammen mit Ihrem Kollegen Detlef Wutschik alias Werner Momsen in Sulingen. Haben Sie Erinnerungen an die Sulestadt?

Matthias Brodowy: Ich erinnere mich daran, dass Herr Momsen sich natürlich ein paar Schuhe kaufen musste. Sehr heiße Treter übrigens. Und an den Auftritt kann ich mich auch gut erinnern, weil Sulingen für mich eine ganz persönliche, lustige Bedeutung hat: In den 90er Jahren bin ich hier mit meinem Ensemble „Profilachticker“ aufgetreten. Allerdings nicht unter unserem Namen Profilachticker, sondern, wegen eines Fehlers, als „Kabarett Brodowy“. Ich war damals der Vertragspartner, und das wurde deswegen versehentlich so übernommen. Sehr zur Unbill meiner Kollegen. Es war eine andere Bühne als heute, aber irgendwie war es auch visionär. Jetzt stimmt „Brodowy“ jedenfalls.

Ihr Programm heißt „Keine Zeit für Pessimismus“. Setzen Sie auf Durchhalteparolen oder ist es Zeit, ein Apfelbäumchen zu pflanzen?

Da das Programm weit vor Corona entstanden ist, ist es tatsächlich eher das Apfelbäumchen. Wenn nicht gar ein massiver Baum. Es geht um Optimismus. Aber um gut begründeten. Ansonsten ist befreites Lachen und Schmunzeln in diesen Zeiten aber auch so was wie eine unausgesprochene Durchhalteparole. Über allem schwebt Martin Luthers berühmter Ausspruch: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz!“

Wie halten sich die Kulturschaffenden in Corona-Zeiten bei Laune?

Durch Auftritte und durch das Publikum. Die schlimmste Zeit war, das kann ich nicht verhehlen, als gar nichts mehr möglich war. Ich habe in dieser Zeit sehr viele gute Gespräche mit der Politik geführt und dort ein offenes Ohr gefunden. Sicherlich auch eine Folge meines Programms, in dem ein Kerngedanke ist: Nicht auf dem Sofa sitzen und meckern, sondern anpacken und konstruktiv daran arbeiten, dass es besser wird! Ein paar Erfolge hatten wir, aber eine Pandemie ist eine Pandemie und da kann man keine Wunder erwarten. Auch das viele Schreiben hat mich bei Laune gehalten. Nichtstun ist für mich keine Option, selbst als wir zum Nichtstun verdonnert waren.

In welcher Weise hat sich die Kulturszene in den letzten zwei Jahren verändert?

Ich nehme schon deutlich wahr, dass wir alle ernster geworden sind. Was nicht heißt, dass es nichts mehr zu lachen gäbe. Aber manche Banalität wurde inzwischen als solche erkannt und die Themen sind „tiefer“ geworden. Und wir sind zusammengerückt. Ich hatte noch nie so viel Kontakt zu Veranstaltern und Künstlern wie zurzeit. Da sind über die Monate Freundschaften entstanden.

Es gab wenige Möglichkeiten für Live-Auftritte. Ist Streaming eine Alternative?

Nein. Aber es war und ist eine phantastische Notlösung und bleibt für die Zukunft eine spannende Option, regelmäßig Veranstaltungen live zu streamen und denen eine Möglichkeit zu geben, dabei zu sein, die aus Krankheitsgründen nicht zu Veranstaltungen gehen können. Oder bei schnell ausverkauften Auftritten können sich Zuschauer dazuschalten. Wenn Publikum im Saal ist, macht das auch zu Hause durchaus Spaß. Ich habe beim Streaming viel gelernt. Kameraspiel und auch eine gewisse Anarchie. Denn eigentlich war es immer eine ziemlich absurde Situation, in einem leeren Theatersaal in Kameras reinzuquatschen. Da wird man automatisch anarchischer.

Sie sind Kabarettist, Theologe, Kirchenmusiker und erklärter Metal-Fan. Lernen wir am 11. Februar all Ihre Seiten kennen?

Meine Metal-Band lasse ich zu Hause. Aber ich denke, dass viele Seiten sichtbar werden.

Auf was genau kann sich das Sulinger Publikum freuen?

Zum Beispiel auf einen Abend, an dem das Wort „Corona“ nicht fallen wird; an dem es um vieles anderes geht. Auch wenn der Blick auf diese Gesellschaft natürlich durch gewisse Phänomene geprägt ist, die im Kabarett auf die Bühne gehören. Ich habe aber die Hoffnung, dass das Publikum mal für zwei Stunden entspannt sein kann, lachen und grübeln und schmunzeln und genießen darf. Ich werde alles dafür geben.

Kartenverkauf

Der launige Kabarettabend mit Matthias Brodowy beginnt um 20 Uhr im Sulinger Stadttheater. Karten sind online im Ticketshop des Kulturvereins (https://kulturverein-sulingen.reservix.de/events), im Sulinger Rathaus, in den Geschäftsstellen der Mediengruppe Kreiszeitung, in der Sulinger Buchhandlung Eulenspiegel sowie an der Abendkasse erhältlich. Es gelten die aktuellen Corona-Sicherheitsvorgaben.

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