Sulingen: Corona-Einschränkungen machen den Geschäften zu schaffen

Kurzarbeit, Online-Shop, Schließung

Verschlossene Ladentüren sind jetzt ein häufiger Anblick. Foto: Bartels

Sulingen – Zu den ersten Maßnahmen, mit denen die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden sollte, zählte am Dienstag die Allgemeinverfügung des Landkreises, wonach eine Vielzahl von Geschäften und Einrichtungen – zunächst bis zum 18. April – geschlossen wurde. Wie gehen die betroffenen Betriebe damit um? Eine Stichprobe in Sulingen.

Grundsätzlich sind die Geschäfte nur für den Publikumsverkehr geschlossen; ihre Arbeit müssen sie deswegen nicht einstellen. So weisen in einigen Schaufenstern Aushänge darauf hin, dass zwar das Ladengeschäft nicht geöffnet werden dürfe, aber dennoch Reparaturen oder ähnliches durchgeführt werden. Zu diesen Betrieben zählt auch der Goldshop Sander, der unter anderem weiter Gravuren und Reparaturen anbietet. Seine vier Mitarbeiter habe er zwar in Kurzarbeit schicken müssen, sagt Inhaber Mathias Sander, aber die Goldschmiede- und die Uhrmacherwerkstatt seien weiter besetzt und für Anfragen per Telefon oder E-Mail erreichbar. Bislang werde das aber kaum nachgefragt – „das wird eine Nullnummer in diesem Monat.“ Trotz der angekündigten Unterstützung erwartet er vom Staat keine Hilfe: „Wir sind auf uns alleine gestellt.“

Vor verschlossenen Türen stehen Kunden auch bei der Buchhandlung Hermann Meyer, doch für Inhaber Burkhard Meyer ist die Situation nicht ganz so kritisch. „Ich bin froh, dass es das Internet gibt.“ Er habe schon vor Corona einen Onlineshop eingerichtet; die Kunden könnten dort bestellen und sich die Artikel vom Großhandel direkt nach Hause liefern lassen.

Anders sieht es im Tui Travelstar Reisecenter Reimann aus: Eigentlich müsse sie auch Kurzarbeit anmelden, sagt Inhaberin Sinje Landwehr, aber „wir sind nach wie vor in voller Belegschaft da, und wir haben gut zu tun.“ Das liege an den Reisen, die alle storniert werden, und weil man von den Provisionen lebe, sei damit auch die Arbeit der letzten Wochen und Monate dahin. Man wolle aber weiter für die Kunden da sein und informiere sie über Stornierungen oder die Möglichkeiten zur Umbuchung. Die Lage ändere sich laufend, und bereits seit mehr als einer Woche könne man auch gar nicht mehr alle Reiseanbieter telefonisch erreichen; anders als viele Onlineanbieter könne man aber noch über die Softwarelösungen der Veranstalter Kontakt aufnehmen. „Es ist schwer; wir wollen nichts unversucht lassen, aber ich habe auch andere Momente.“ Die wirtschaftliche Situation für die Branche sei extrem – der Deutsche Reiseverband habe am Freitagnachmittag alleine für Reisebüros und Reiseveranstalter mit Ausfällen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro gerechnet.

Von Ausfällen betroffen sind auch Gastronomie und Hotellerie. Am Samstag ergänzte der Landkreis die Allgemeinverfügung für Restaurants und Speisegaststätten dahingehend, dass nur noch Außer-Haus-Verkauf und Lieferungen erlaubt sind. Während manche Restaurants – ähnlich wie Kneipen – bereits Anfang der Woche den Betrieb einstellten, schloss beispielsweise das griechische Restaurant Hellas bereits Anfang der Woche den Gastraum und nahm die am Samstag verfügte Regelung vorweg. Die Mitarbeiter habe man, bis auf einen Koch, nach Hause geschickt, so das Inhaberehepaar Tsetoulidis. Nun werde man aber das Restaurant ganz schließen, denn „von zwei Bestellungen am Abend können wir nicht leben.“

Unter Einbußen leidet auch Gerd Melloh, Inhaber des Imbissunternehmens „Curryknaller“. Bereits Anfang der Woche mit dem Ausbleiben der Schüler sei es weniger geworden, und mit dem Schließen der umliegenden Geschäfte sei der Umsatz weiter zurückgegangen. Besserung sei kaum in Sicht, da nun auch die Veranstaltungen wegfielen. „Es ist eine schwierige Zeit.“

„Initiative“: Keine aktive Hilfe möglich

Viele der betroffenen Geschäfte sind auch Mitglied der Initiative Sulingen, doch von dieser Seite sei keine aktive Hilfe möglich, so der Vorsitzende Philipp Leymann: „Die Initiative Sulingen ist eine Interessenvertretung der ortsansässigen Unternehmen, zudem ein eingetragener Verein. Wir sind kein Dienstleister in Sachen Fördermittel oder Krisenmanagement.“ Man dürfe aus dem Vereinsvermögen keinem Mitglied weiterhelfen, und als Verein sei man derzeit auch gar nicht als Ansprechpartner der Unternehmen gefragt. Da empfehle man, die entsprechenden Steuerberater, Rechtsanwälte und Banken zu kontaktieren. Allerdings überlege man, auf der Internetseite der Initiative Informationen der Wirtschaftsförderung zu veröffentlichen und auf zulässige Einzelbesuche nach Anmeldung, Abholungen und Lieferungen hinzuweisen.

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