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Verein „Kunst in der Provinz“ kürt Beiträge aus Bassum und Twistringen

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Von: Simone Brauns-Bömermann

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Preisträger.
Die Preisträger des diesjährigen Kunstpreises und ihre Werke (v.l.): Eduard Müller, Gudrun Pape, Ingrid Kemnade, Heidemarie Schulz-Dué, Berend Schoke und das Werk von Bianca Hardemann, das Vorsitzender von Kunst in der Provinz Manfred Evensen in Vertretung präsentierte. © Simone Brauns-Bömermann

70 Kunstwerke zum Thema „Spuren“ – „da wollten wir lieber sechs als drei Preisträger küren“: Dazu hat sich die Jury für den Kunstpreis 2022 des Vereins Kunst in der Provinz entschieden und am Wochenende je zweimal den ersten bis dritten Preis vergeben.

Sulingen – „Lassen wir die Katze aus dem Sack“, eröffnete Manfred Evensen, Vorsitzende des Vereins Kunst in der Provinz, die offizielle Verleihung in der Alten Bürgermeisterei in Sulingen. Der dritte Platz ging an Gudrun Pape, Bremen, und Eduard Müller, Lemförde. Platz zwei teilen sich Ingrid Kemnade, Bremen, und Heidemarie Schulz-Dué, Sulingen. Den ersten Preis verlieh die Jury an Bianca Hardemann, Bassum, und Berend Schoke, Twistringen. Das Preisgeld in Höhe von 2500 Euro teilte die Jury auf (600 Euro je Platz eins, 400 je Platz zwei, 250 Euro je Platz drei).

Sulingens Bürgermeister Patrick Bade ließ sich entschuldigen, sein Grußwort zitierte Evensen: „Spuren durchziehen unser Leben, ob in der Natur, im täglichen Leben oder in der Geschichte und Politik.“ Was sich beim Durchgang durch die Ausstellung zeigte, beschrieb Evensen in seiner Laudatio: „Unser Planet ist mit Spuren überzogen: Verkehrswege, Bauwerke, kultivierte Flächen. Kriege, Zerstörung, Verfolgung. Stolpersteine, Industriebrachen, Ruinen.“ Er nannte die Künstler Spurenleger, die Betrachter Spurenleser und erläuterte rückblickend die Grundüberlegungen zum diesjährigen Kunstpreis: „Wir haben uns bewusst gegen Titel entschieden. Die Emotionen sollen sich beim Betrachter frei entfalten können.“ Um Schwellenängste abzubauen für den Besuch der öffentlichen Ausstellung vom 19. bis 26. Juni, plane der Verein ein Schild am Eingang: „Vorsicht! Diese Ausstellung kann Spuren von Kunst enthalten!“ soll darauf stehen.

Blick in die Ausstellung in der Alten Bürgermeisterrei in Sulingen.
Blick in die Ausstellung in der Alten Bürgermeisterrei in Sulingen. © Simone Brauns-Bömermann

Wie es zur Entscheidungsfindung der fünfköpfigen Jury kam, erklärte Jurymitglied Sabine Lüers-Grulke: „Wir haben je einen Rundgang der eingereichten Arbeiten allein, dann zusammen begangen. Rote Punkte für Favoriten geklebt, diskutiert und entschieden.“ Dieses Prozedere hätte sich bewährt. Die Jury sollte dabei die Prämisse „Kunst soll Aussage haben“ berücksichtigen. Mit der Entscheidung, je zwei Preisträger pro Platz auszuloben, war die Jury in der Lage, je ein offenes und je ein sehr konkretes Werk auszuwählen. „Kunst mit (Aus)wirkung“ titelt Platz eins von Bianca Hardemann, die einen differenzierten Schaukasten mit Corona und Mensch baute. Ihr Pendant ist das Werk von Berend Schoke und seinem Specht in einer völlig zerstörten Umwelt. „Beide Werke sind eher dystopisch“, interpretierte Lüers-Grulke. Die Collage von Heidemarie Schulz-Dué hat das Stichwort „Die Würfel sind gefallen“ und sei eine apokalyptische Vorstellung vom Ende der Welt. Dagegen das innig tanzende Paar in Weiß auf Weiß von Ingrid Kemnade ein Sehnsuchts- und Hoffnungsschimmer.

Eduard Müllers Bildbeitrag mit dem Stichwort „24.2.22“ (Beginn des Kriegs in der Ukraine) zeigt die brachialen Spuren an den Menschen und ihrer Heimat. Gudrun Papes Porträt der Seniorin „Thea“ birgt Hoffnung: „Ihre Augen strahlen und schauen sanft. Obwohl die alte Dame bestimmt schon viel Leid gesehen hat“, schätzt Lüers-Grulke.

Musikalisch ergänzte Pianist Tim Verbarg die Kunstpreisverleihung „multiinstrumental“.

Jury

Brunhild Buhre, Sulingen (langjährige Vorsitzende des Vereins Kunst in der Provinz)

Brigitte Cording, Bad Essen (Organisatorin von Ausstellungen im Dienstleistungszentrum Wagenfeld und im Schafstall

in Bad Essen)

Ingolf Heinemann, Neustadt (Künstler und Geschäftsführer des Kunstvereins Wunstorf)

Joachim Kusserow, Nienburg (Künstler und Mitglied der „Galerie N“),

Sabine Lüers-Grulke, Wietzen (M.A., Kulturredakteurin)

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