Manfred Evensen seit einem Jahr Vorsitzender

Bewährtes und Neues kombinieren bei „Kunst in der Provinz“

Ein Mann sitzt auf einem Sofa und hält zwei Kalender in der Hand.
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Druckfrisch sind die Exemplare des Kunstkalenders von „Kunst in der Provinz“, die Manfred Evensen in der Hand hält.

Sulingen – Seit Oktober des vergangenen Jahres steht der Sulinger Manfred Evensen dem Verein „Kunst in der Provinz“ vor. Wie fällt die Bilanz seiner bisherigen Tätigkeit aus? „Es war ein anstrengendes Jahr.“

Wegen Corona sei alles anders als üblich gewesen: Gerade noch eine Vorstandssitzung habe man nach der Wahl abhalten können, bevor von Ende Oktober bis in den Juli hinein der Vorstand nur über Zoom Kontakt halten konnte. Von der technischen Seite her sei das hoch kompliziert gewesen, weil nicht alle Vorstandsmitglieder in Mittelzentren wie Sulingen, Bassum oder Syke lebten. Ein Mitglied habe für die Zoomtreffen zu Freunden fahren müssen, und bei einem anderen sei die Verbindung so schlecht gewesen, dass zwischendurch immer das Bild „eingefroren“ sei, berichtet der Vorsitzende. „Das hat die Arbeit erschwert, auch, weil der persönliche Bezug fehlte, denn etwa die Hälfte des Vorstands ist neu.“

In jedem Verein mit einer Tradition gebe es einen gewissen „Kanon“ an Veranstaltungen, aber die hätten wegen der Pandemie nicht durchgeführt werden können – auch nicht die Feiern zum 40-jährigen Bestehen von „Kunst in der Provinz“ im vergangenen Jahr. Zur Normalität könne der Verein immer noch nicht zurückkehren, und das sei für den Vorstand auch schwierig: „Man möchte arbeiten und hat Ideen, aber kann sie nicht umsetzen. Irgendwann wird der Elan nachlassen, wenn man keine eigenen ,Duftmarken‘ setzen kann.“

„Kunstkalender 2022“ ist gerade erschienen

Trotzdem versuche der Vorstand, Dinge zu realisieren, die mit möglichst wenig Personenkontakt zu tun hätten. Jüngstes Beispiel dafür: der „Kunstkalender 2022“ des Vereins. Im Sommer habe es dazu einen Wettbewerb gegeben, und von den rund 280 Mitgliedern des Vereins hätten 66 einen Beitrag eingereicht. Diese Beiträge seien auf einem internen Bereich der Vereinshomepage zur Abstimmung gestellt worden. Die 13 bestbewerteten Motive habe der Vorstand dem Titelblatt und den zwölf Monaten zugeordnet – und das Ergebnis sei gerade aus der Druckerei gekommen. Der in einer Auflage von rund 500 Exemplaren erschienene Kalender werde unter den Mitgliedern verteilt und sei in einigen Buchhandlungen erhältlich.

Ebenfalls auf der Homepage eingerichtet sei ein Bereich, in dem die Mitglieder – noch initiiert vom vorigen Vorstand – ihre Empfindungen zu Corona ausgedrückt hätten.

Malwochenenden sollen fortgeführt werden

Bereits abgeschlossen ist das Projekt „Kunst per Post“. Dafür konnten sich Interessierte bei den beiden stellvertretenden Vorsitzenden, Ingeborg Landwehr und Kim Peters, melden. Der Gedanke dahinter: Ein Künstler schickt ein Werk an eine Person aus dem Kreis, die es nach einigen Tagen, zusammen mit einem Kommentar oder einer Notiz, was es bei ihr ausgelöst hat, weiterschickt an die nächste Person – so lange, bis das Werk mit allen Kommentaren wieder zurückkehrt zum Urheber. Acht bis zehn Werke seien so auf Reisen gewesen, sagt Evensen. Beim nächsten Mal werde es detailliertere Vorgaben geben. Zwar sei die Größe der Werke festgelegt gewesen, aber nicht der Versandweg, weswegen es manchmal lange gedauert habe, bis die Sendung beim nächsten Empfänger ankam.

Sehr gut angekommen sei unter den Mitgliedern das Malwochenende Anfang September in Sulingen. Es sei das erste Mal gewesen, dass die Beiträge der Mitglieder für etwas verwendet wurden, das anderen, eben Nachwuchskünstlern, zugutekomme. „Es gibt bei den Mitgliedern das starke Bedürfnis, anderen etwas zu vermitteln.“ Daher solle solch ein Wochenende an anderen Orten wiederholt werden; im Gespräch seien Wagenfeld und Stuhr. Eventuell lasse sich das mit einem laufenden Programm des Kultusministeriums verzahnen, das Projekte für ein besseres soziales Miteinander außerhalb der Schulzeiten fördere.

Großes Interesse auszustellen

Das Thema Ausstellungen sei wieder angelaufen, aber „noch nicht auf dem Level wie vor Corona.“ Bereits abgeschlossen sei die „Schaufensterkunst“, als Werke in Geschäften ausgestellt wurden. Zudem liefen wieder Ausstellungen im Fachwerkhaus am Meierdamm und im „Delsul“ in Sulingen, in den Rathäusern in Schwaförden und Diepholz, im Dienstleitungszentrum Wagenfeld, im Kreismuseum Syke und in der „Auekunst“ in Liebenau. Es gebe weiter ein sehr großes Interesse, auszustellen. Die Ausstellungen würden zumeist von Ingeborg Landwehr betreut.

„Wir werden nun Bilanz ziehen, welche der neuen Aktionen wir weiter pflegen wollen und was einmalig war“, kündigt Evensen an. Zudem stehen weitere Vorhaben an: Noch in Arbeit sei das „digitale Atelier“, für das er Mitglieder zuhause besucht und über ihre Kunst interviewt. Die dabei entstandenen Videos sollen über den Winter, nach und nach, auf dem Youtube-Kanal des Vereins veröffentlicht werden; das erste möglicherweise schon Ende November.

„Kunstpreis 2022“ ist in Arbeit

Für Dezember oder Januar ist ein Besuch in der Kunsthalle Bremen in Planung, verbunden mit einem Vortrag des Bremer Kunsthistorikers Detlef Stein im Rahmen der Jahreshauptversammlung, wenn die Coronabedingungen es zulassen.

Bereits erfolgt sei die Ausschreibung für den „Kunstpreis 2022“ des Vereins unter den Mitgliedern. Bis Ende Januar könnten sie Werke dafür einreichen, und nach der Preisverleihung würden diese, voraussichtlich im Februar oder März, im Kreismuseum ausgestellt.

Mitgliederzahl ist leicht gestiegen

„Wir müssen jetzt sehen, was darüber hinaus noch umsetzbar ist für den Spätwinter oder Frühling“, sagt Evensen. Es sei auch noch nicht klar, ob man bei Veranstaltungen den gewohnten Zweijahreszyklus so fortführe, als ob es keine Unterbrechung gegeben hätte oder ob man dort weitermacht, wo unterbrochen wurde. „Ich bin noch zwiegespalten, inwieweit wir jetzt vorausplanen können.“

Die Mitgliederzahl habe nicht abgenommen, sondern sich sogar leicht erhöht, freut sich der Vorsitzende. Dazu zähle sowohl der künstlerische Nachwuchs als auch eine ganze Reihe von Menschen, die ihr Berufsleben abgeschlossen haben oder kurz davor stehen und nun ihre kreative Ader ausleben wollen. Dabei seien die Ausstellungen oft ein „Türchen zum Eintritt in den Verein“, denn im Publikum seien häufig auch andere Künstler.

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