Planung mit vielen Variablen

Kulturvereinsgeschäftsführerin Ariane Hanselmann spricht über Hilfsgelder, Konzepte und „Sulinger Sommer“

Mit Sonnenbrille, weil es um das Sommertheater geht: Ariane Hanselmann, Geschäftsführerin des Kulturvereins Sulingen, vor der Alten Bürgermeisterei.
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Mit Sonnenbrille, weil es um das Sommertheater geht: Ariane Hanselmann, Geschäftsführerin des Kulturvereins Sulingen, vor der Alten Bürgermeisterei.

Sulingen – „Doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunklen sieht man nicht“: Die Liedzeile aus der Moritat von Mackie Messer aus Bertold Brechts „Dreigroschenoper“ gilt immer wieder für die Kulturszene. Gerade umso mehr, weil immer noch keine Option, keine Perspektive für Kulturbetriebe jeglicher Art überhaupt angedacht wird. Hinter den Kulissen wirbeln aber jene, die man sonst auch nicht sieht:

Ariane Hanselmann, Geschäftsführerin des Kulturvereins Sulingen, etwa sorgt mit aller Kraft dafür, dass Kultur in Sulingen bleiben kann.

Für die komplette Saison 2020/21 hat sie im Rahmen des Hilfsprogramms „Neustart Kultur“ Bundesmittel beantragt – und bewilligt bekommen. Damit kann sie Ausfallhonorare an die gebuchten Künstler / Ensembles zahlen. Zwar „nur“ 40 Prozent der Vertragssumme, maximal 2 500 Euro – aber besser als nichts. Fatal: „Ich weiß, dass viele Veranstalter keinen Antrag für den Kulturneustart gestellt haben oder eben nicht für das komplette Programm. Und so können sie auch kaum oder kein Ausfallhonorar zahlen“, verrät Hanselmann aus Gesprächen mit Kollegen.

Gibt es die Infrastruktur Kulturbetrieb denn noch, wie sie einst war? „Ja, zurzeit noch. Aber die Luft wird dünner.“ Ihr lägen bereits Pfändungsbescheide vor auf die Honorare von Künstlern. Manche versuchten, sich mit Minijobs über Wasser zu halten. Andere befänden sich in Kurzarbeit.

Auf konkrete Nachfragen der Besucher könne sie derzeit nur ausweichend antworten. Ob eine Veranstaltung im Monat X stattfinden kann? Vielleicht. „Ich kann nicht sagen, wie es aussieht, wann wir wieder öffnen dürfen und, vor allem, unter welchen Bedingungen. So, wie ich es sehe, hat sich die Saison erledigt. Aber ich kann nur einzelne Termine absagen und immer wieder neu reagieren auf die Vorgaben der Bundesregierung. Die gelten derzeit bis 7. März“, moniert Hanselmann.

Und hat, natürlich, bereits alles, was sich regeln lässt, in die Wege geleitet mit den Vertragspartnern: „Die Stücke aus der Saison 20/21 holen wir nach. Wir haben aber auch für 21/22 neue Sachen gebucht.“ Läuft die Saison offiziell noch bis Ende April, so sind bereits konkrete Umplanungen erfolgt. Hanselmann nennt den „Musikladen“, der eigentlich das Highlight 20/21 werden sollte. Umgebucht sei die Zeitreise des Westfälischen Landestheaters vom November 2020 auf den 4. Dezember 2021. Da das Hilfsprogramn „Neustart Kultur“ bis zum Jahresende 2021 gilt, kann Hanselmann für den Termin entsprechende Gelder nutzen.

Der Termin für die Schmidt-Show aus Hamburg hingegen falle komplett aus. Für andere Auftritte hat die Sulinger Kulturchefin einfach mal nachgefragt: „Könnt ihr auch Open Air?“ Das „magische Kabarett“ hatten die Künstler des „Regenauer-Kuch-Projektes“ noch nie unter freiem Himmel gezeigt, probieren das aber erstmals im Mittelzentrum aus. Ariane Hanselmann hat den „Sulinger Kultursommer“ auf diese Weise bereits mit vier Terminen füllen können. Konzerte und Shows seien als Open Airs möglich, Schauspiel nicht: Dazu sei die Logistik zu groß. „Ich möchte den Zuschauern ein gutes Gefühl geben, sie sollen eine gute Stimmung genießen, eine wunderschöne Atmosphäre, kein Großspektakel“, sagt Hanselmann. Mit Abstand und draußen, dafür wurden kleine Beistelltischchen angeschafft, die neben den Stühlen im Garten zwischen Bürgerhaus und Alter Bürgermeisterei platziert werden können.

In den Gesprächen mit den Kollegen werden allerlei Tipps und Hinweise auf Hygienevorgaben und deren Verbesserungen ausgetauscht. „Ich optimiere das für das Sulinger Stadttheater ständig.“ Auch die Veranstalter erarbeiteten eigene Hygienekonzepte für die Tourneen. Dazu zähle etwa, dass sich die Schauspieler extra in Quarantäne begeben, um so wenig Kontakt zu haben, wie möglich. „Es passiert ganz viel im Hintergrund“, sagt Ariane Hanselmann.

Und weil dem so sei, könne sie nicht regelmäßig über die Online-Präsenz des Kulturvereins Neuigkeiten verbreiten. „Was soll ich dort sagen? Dass ich nach zig Umplanungen den fünften Kaffee trinke oder mir die Haare raufe?“

Stattdessen kümmere sie sich um Anfragen von Kunden, die Karten zurückgeben möchten, die wissen möchten, was denn mit den ausstehenden Veranstaltungen in ihrem gebuchten Abonnement passiert. Und auch hier ist Hanselmann auf der Suche nach Optionen und Angeboten für die Kundschaft. Sie bittet aber darum, Karten für die Saison 20/21 bis zum 15. Juli 2021 zurückzugeben, wo sie jeweils gekauft wurden. „Wir müssen einen Schnitt machen, es ist auch keine Begründung für Rückgaben notwendig.“ Man dürfe auch die Karten behalten und bis zum Ersatztermin warten. Hanselmann bittet um Geduld bei der Beantwortung von Anfragen: „Wir sind auch regelmäßig im Homeoffice. Ich habe nichts vergessen – mir sind nur die Hände gebunden, was Prognosen angeht.“ Was im Herbst möglich ist, dazu könne sie keine Aussagen machen. Ob alle Sitzplätze vergeben werden können oder nur die Hälfte. Oder nur ein Drittel. Ob die Maske nur bis zum Sitzplatz getragen werden muss oder bis zum Ende der Veranstaltung. „Wir können ständig für Frischluft sorgen im Stadttheater. Es kann aber auch sein, dass wir alles absagen müssen. Es ist ein großes Fragezeichen“, sagt Hanselmann.

Zurück zur Moritat und deren letzter Zeile: „Ist das nötige Geld vorhanden, ist das Ende meistens gut.“

Vier Termine für den Sulinger Kultursommer

Bereits jetzt stehen vier Termine fest für den „Sulinger Kultursommer“. Ariane Hanselmann hat für Sonntag, 25. Juli, die Oper Legère gewinnen können. Die Bühne werde, weil der Flügel gespielt wird, in der Alten Bürgermeisterei sein, aber die Flügeltüren zum Garten würden geöffnet. Am Donnerstag, 29. Juli, gastieren Kabarettist Bernd Regenauer und Christoph Kuch, Meister der Mentalmagie, mit „magischem Kabarett“ als „Regenauer-Kuch-Projekt“, zeigen ihr Programm erstmals unter freiem Himmel. Für Freitag, 30. Juli, ist das Konzert mit „Milou & Flint“ geplant. Das Singer-Songwriter-Duo aus Hannover hatte die Open-Air-Veranstaltungen des „Kultursommers“ im Bürgerhausgarten seinerzeit eröffnet und sich in die Herzen des Sulinger Publikums gesungen. Für Freitag, 27. August, ist die „Kay Ray Show“ als Open-Air-Version gebucht. „Der kennt das“, sagt Ariane Hanselmann über den Kabarettisten und Entertainer aus Hamburg.

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