Küsterin Müller verlässt evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sulingen

Abschied von „meiner Kirche“

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Die Küsterin an ihrem Lieblingsplatz in der St. Nicolai-Kirche in Sulingen: Marion Müller wechselt in den Ruhestand.

Sulingen - „Nicht nur ein Beruf, sondern eigentlich mehr Berufung“, sagt Marion Müller. „Zumindest dann, wenn man den Menschen in den Mittelpunkt stellt.“ Sie ist im Redefluss kaum zu stoppen. 15 Jahre war sie als Küsterin für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sulingen tätig. Die St. Nicolai-Kirche bezeichnet sie liebevoll als „meine Kirche“. Wehmut versucht die 66-Jährige zu überspielen. Während des Gottesdienstes am Sonntag wird sie sich offiziell aus dem Dienst für die Kirchengemeinde verabschieden.

Floskeln vermeidet die gelernte Industriekauffrau, auch die von dem lachenden und dem weinenden Auge. Sie räumt ein, dass ihr die Begleitung der Veränderungen im Gemeindeleben nicht immer leicht gefallen sind. Nein, Innovationen wolle sie sich nicht in den Weg stellen. „Man darf sich Entwicklungen nicht verschließen.“ Gottesdienste, in die neue Medien Einzug halten, in denen Rockbands im bunten Scheinwerferlicht spielen: „Für mich ist Kirche immer noch ein heiliger Raum.“

Küsterin wurde Marion Müller auf Umwegen. Die gebürtige Sulingerin verließ nach der neunten Klasse die damalige Volksschule, fand dann bei den ehemaligen Kabelwerken einen Ausbildungsplatz. Nach einem Jahr Tätigkeit als ausgebildete Industriekauffrau kündigte sich Nachwuchs an. Die heute 66-Jährige wechselte in den heimischen Haushalt, dem sie, abgesehen von einer zweijährigen Tätigkeit für das Architekturbüro Landwehr, zunächst bis 1994 treu blieb. Dann übernahm sie für die damalige Küsterin Dorothea Löhmann von Zeit zu Zeit die Urlaubsvertretung. Mit der Pensionierung ihrer Vorgängerin im Jahr 2000 folgte die Festeinstellung.

Der Kontakt zur Kirchengemeinde war schon Mitte bis Ende der 60-Er zustande gekommen. „Mein Chef bei den Kabelwerken, Ewald Thiemt, hat mich für die Kantorei geworben. Das war mein Einstieg in die Kirchenarbeit.“ Schon bald spielte Marion Müller auch im Posaunenchor. „Baritonhorn“, lacht sie. „Noten kannte ich am Anfang nicht.“

In den 15 Jahren, in denen Marion Müller jetzt für die Kirchengemeinde tätig war, habe sich ihr Aufgabengebiet nicht unwesentlich geändert.

Der Begriff Küster sei vom lateinischen custos abgeleitet und bedeute so viele wie Hüter oder Wächter. „Bevor Jörg Schafmeyer nach Sulingen kam, war das mit dem Hüten einfacher“, sagt die 66-Jährige. Der Pastor hatte veranlasst, dass die St. Nicolai-Kirche täglich in der Zeit von 10 bis 17 Uhr für das stille Gebet geöffnet ist. „Heute muss man schon öfter mal nach dem Rechten sehen.“ Das Angebot werde häufiger angenommen, als sie selbst geglaubt habe. Nicht nur einmal habe sie das Bedürfnis verspürt, mit den Gästen zu sprechen, Hilfestellungen anzubieten. „Mit der Zeit entwickelt man schnell Gespür dafür, ob jemand nur Ruhe – oder vielleicht doch Hilfe sucht.“

Ihren Hauptaufgabenbereich sieht die 66-Jährige in der Vorbereitung der St. Nicolai-Kirche für Gottesdienste und andere Veranstaltungen wie Hochzeit oder Taufe. „Das fängt bei der Reinigung an, geht über die Beschaffung des Blumenschmucks und der Requisiten bis zur Technik“, erklärt die scheidende Küsterin. „Da arbeitet der Küster Hand in Hand mit dem Pastor und den beteiligten Gruppen.“ Kreativität und Flexibilität seien gefordert. Marion Müller mit Blick auf den technischen Fortschritt: „Du bist heute Veranstaltungsmanager, Tontechniker und Lichtmeister in einer Person.“ Sie habe sich in den vergangenen 15 Jahren immer ermahnt, den Menschen in den Mittelpunkt ihres Wirkens zu stellen. Das will sie auch nach ihrer Verabschiedung am Sonntag tun. „Ich möchte mich gerne in der Betreuung der Flüchtlinge engagieren.“

oti

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