Bauplanerin Wiebke Blohm auch Klimaschutzbeauftragte

Sulingen: Kümmern um eine „extrem grüne Stadt“

Wiebke Blohm und Dirk Rauschkolb sitzen am Tisch im Büro des Bürgermeisters.
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Mit den Plänen für die Neugestaltung des Bereichs rund um den Froschbrunnen befassen sich Wiebke Blohm und Dirk Rauschkolb.

Sulingen – Der Bereich rund um den Froschbrunnen an der Langen Straße soll neu gestaltet werden. Zuständig dafür ist Wiebke Blohm – und das gleich in zweifacher Hinsicht: Einerseits ist sie die Leiterin des Teams Bauplanung und Bauordnung im Fachbereich III – Bauen, Planung und Ordnung – der Sulinger Stadtverwaltung, andererseits bekleidet sie seit Herbst 2019 auch die Funktion der Klimaschutzbeauftragten der Stadt Sulingen.

Eine Rolle spielt diese Doppelfunktion aktuell bei den Planungen rund um den Brunnen, denn sie sind nicht nur Teil der Innenstadtsanierung: Wiebke Blohm hat das Projekt angemeldet für ein Förderprogramm zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel. Es sei am 28. Januar vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat bekannt gemacht worden, bis zum 15. März hätten die Anträge eingereicht werden müssen. Dabei habe sie dankenswerterweise Landschaftarchitekt Wolfgang Hanke vom Büro „o.9“ aus Minden unterstützt: „Ohne ihn und die Vorarbeit des Arbeitskreises ,Tapetenwechsel‘ wäre das nicht rechtzeitig möglich gewesen.“

Die Planungen sehen vor, dass die Baumscheiben, also die nicht gepflasterten Flächen rund um die dort stehenden Bäume, vergrößert werden. Bisher würden sie nicht genügend Wasser und Sauerstoff erhalten, weswegen die Bäume besonders im Sommer unter Trockenstress stünden und damit krankheitsanfälliger seien. Die vergrößerten Baumscheiben sollen zudem mit insektenfreundlichen Stauden bepflanzt und die vorhandenen Hecken erweitert werden. „Dadurch entsiegeln wir um die zehn Prozent der Fläche, ohne dass es wahrgenommen wird“, beschreibt Wiebke Blohm den Klimaaspekt des Vorhabens. Vorgesehen sei auch, die bisherigen Sitzgelegenheiten durch nachhaltiges Mobiliar zu ersetzen und Anlehnbügel für Fahrräder aufzustellen.

Die Hecke am Froschbrunnen ist eines der Elemente, die angepasst werden sollen.

Sollte der Antrag in die zweite Stufe des Verfahrens gelangen, werde die Stadt das Gespräch mit den Erben des Künstlers Robert Enders suchen, um ihr Einverständnis für eine weitere Maßnahme zu erhalten: Angedacht ist, den Wasserbereich des von Endes geschaffenen Froschbrunnens zu vertiefen, sodass die Wasseroberfläche nicht mehr, wie bisher, von den Kieselsteinen unterbrochen wird. „Das führt zu mehr Verdunstungskühle und verbessert das Mikroklima“, erläutert Wiebke Blohm.

Der Platz habe bereits eine hohe Aufenthaltsqualität und werde gut angenommen, aber es gebe noch Möglichkeiten zur Verbesserung – unter anderem durch Spielpunktgeräte. Außerdem seien die Pläne bereits in das Lichtkonzept für die Lange Straße eingebunden. Erhält Sulingen den Zuschlag für eine Förderung, würden von den geschätzten Kosten in Höhe von knapp 138 000 Euro, inklusive Planung, 90 Prozent vom Bund getragen. „Wir sind vorsichtig optimistisch, weil wir im Vergleich zu anderen Kommunen hier sehr kleine Maßnahmen planen, die aber nachhaltig etwas bringen.“

So könnte der Platz rund um den Brunnen nach einem Entwurf des Büros „o.9“ gestaltet werden.

Dieser Fokus auf klimafreundliches Handeln sei nicht neu: „Die Photovoltaikanlage auf dem Rathausdach war ein Vorzeigeprojekt“, stellt Bürgermeister Dirk Rauschkolb fest. Und sie solle wieder in Betrieb genommen werden, anstatt nur als Symbol zu dienen. „Wir waren immer engagiert, auch wenn das zwischenzeitlich etwas nachgelassen hat.“ Mit dem Stadtlogo und dem Slogan „Stadt voller Energie“ zeige man das Engagement – „und es tut uns gut, wenn wir das wieder aufgreifen.“

Dabei setzt die Stadtverwaltung auf eine Vielzahl von Maßnahmen: „Seit 2018 erfassen wir sämtliche Verbräuche aller städtischen Liegenschaften, ob Kindertagesstätten, Feuerwehrhäuser, Rathaus, Alte Bürgermeisterei oder Straßenbeleuchtung“, nennt Wiebke Blohm ein Beispiel, „und die Versorgung erfolgt ausschließlich mit Ökostrom.“ Das Freizeitbad, die Kindertagesstätten „Ratz & Rübe“ und „Zauberland“ mit den jeweiligen Krippen, die Grundschulen Sulingen und Groß Lessen sowie das Groß Lessener Feuerwehrhaus seien zudem an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Jegliche Sanierung von städtischen Gebäuden erfolge immer auch unter dem Aspekt der energetischen Sanierung.

Erhalt von Grünflächen hat einen hohen Stellenwert

„Sulingen ist eine extrem grüne Stadt“, hebt Wiebke Blohm hervor, deswegen habe der Erhalt von Grünflächen einen hohen Stellenwert. Ein Beispiel sei das Grundstück an der Ecke Linderner Straße und Edenstraße, das als Grünfläche erhalten werde, obwohl es eigentlich Bauland sei, aber auch die Anlage diverser Regenrückhaltebecken, deren Saum für Schmetterlinge und Wildbienen eingesät werde. Außerdem gestatte die Stadt viele ökologische Aufwertungsmaßnahmen auf ihren Flächen an Gewässern. Hinzu komme die Flurbereinigung Sulinger Moor – „das ist ein Leuchtturmprojekt“, betont der Bürgermeister.

Zum Klimaschutz gehörten aber auch viele kleine Maßnahmen im Alltag, sei es die Einführung des papierlosen Büros, die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs bei Dienstreisen, soweit möglich, der Verzicht auf Pestizide auf städtischen Flächen oder das Versenden von Unterlagen per E-Mail, denn „das ist komfortabler, bürger- und klimafreundlicher als der Versand per Post“, sagt Wiebke Blohm.

Klimaschutz spielt in allen Bereichen eine Rolle

„Es gibt keinen Bereich mehr, in dem der Klimaschutz keine Rolle spielt, das hat sich verstetigt.“ Dennoch müsse er allen immer wieder mal ins Bewusstsein gerufen werden. „Das ist noch kein Selbstläufer“, stimmt der Bürgermeister zu, es gelte kontinuierlich an klimafreundliches Verhalten zu appellieren.

Die Stadt habe sich bewusst für die Position einer Klimaschutzbeauftragten entschieden und nicht für einen Klimaschutzmanager: Der würde zwar gefördert, leiste aber eigentlich nur Beratung für das Erstellen von Klimaschutzkonzepten, erläutert Rauschkolb. „Wir erarbeiten aber keine Konzepte für die Schublade, sondern ergreifen Maßnahmen.“ Das passe gut in den Arbeitsbereich von Wiebke Blohm, und „sie ist da sehr engagiert.“

Künftig eigener Klimaschutzpreis ohne Sponsor

Eine Veränderung werde es künftig beim Klimaschutzpreis geben, kündigt der Bürgermeister an. Der sei bisher unter Beteiligung eines Energieversorgungsunternehmens vergeben worden, „das wollen wir für 2022 autark machen.“ Dafür herrsche Einigkeit unter den Fraktionen im Stadtrat, daher werde gerade eine Vergaberichtlinie erarbeitet.

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