Bürgermeister will Mitarbeiter schützen

Kritik an Sulingens Verwaltung gerne – aber bitte sachlich

Haufen von Baumschnitt am Taxusweg in Sulingen.
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Abholbereite Haufen von Baumschnitt wie hier am Taxusweg sind aktuell häufig der Anlass für Anfragen an die Stadtverwaltung – mal mehr und mal weniger freundlich vorgetragen.

Sulingen – Die Nachricht machte viele Menschen fassungslos: Am Dienstag warf ein 30-Jähriger mehrere Brandsätze in das Delmenhorster Rathaus – und begründete seinen Anschlag damit, dass er mit den Corona-Regelungen unzufrieden sei. So weit ist es in Sulingen glücklicherweise noch nicht gekommen, aber Bürgermeister Dirk Rauschkolb stellt fest: „Wir haben es vermehrt mit Bürgern zu tun, die bei Beschwerden die Grenzen des Anstands überschreiten.“

Bei einem Beispiel aus jüngerer Zeit geht es um den Baumschnitt im Stadtgebiet. Den hat die Stadtverwaltung angesichts der Vielzahl der betroffenen Bäume und Sträucher durch eine externe Firma ausführen lassen, und die entstandenen Haufen von Ästen und Zweigen werden von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs nach und nach abgeholt. Ein Bürger beschwerte sich nun per E-Mail darüber, dass ein solcher Haufen von einer Grünfläche auch nach mehreren Wochen noch nicht abgeholt worden sei. Der zuständige Mitarbeiter erläuterte ihm in einer Rückmail ausführlich die Umstände und bat um Verständnis, doch als Reaktion erfolgte die unwirsche Mitteilung des Bürgers, das sei „viel bla... bla... mit wenig Inhalt“ [sic], und nichts von dem, was er als Antwort erhalten habe, interessiere ihn wirklich.

„Wir haben in der Verwaltung diskutiert, ob wir auf dieses Schreiben überhaupt reagieren“, sagt der Bürgermeister. Schließlich verfasste er doch eine Antwort, in der er sich diesen Tonfall verbat und die Hoffnung äußerte, dass der Respekt, der den Bürgern von den Mitarbeitern entgegengebracht werde, „insbesondere in dieser für uns alle schwierigen Zeit“ keine Einbahnstraße bleibe. Die Reaktion fiel wenig einsichtig aus: Die Kritik an seiner Wortwahl fasste der Verfasser auf als Angriff auf die freie Meinungsäußerung, an deren Geltung auch Corona nichts ändere.

Respekt ist keine Einbahnstraße

Zwar bleibt rätselhaft, in welchem Zusammenhang der Baumschnitt und die anhaltende Pandemie in diesem speziellen Fall stehen sollen, aber auch Dirk Rauschkolb sieht in den aktuellen Umständen eine mögliche Ursache für die Stimmung: „Den wesentlichen Grund mache ich an der Corona-Situation fest, das geht an niemandem spurlos vorbei.“ Im Gegenteil: Aus verschiedenen Gesprächen wisse er, wie befreit sich die Menschen fühlten, die bereits ihre Impfung gegen das Virus erhalten haben. Die meisten Menschen akzeptierten auch die Einschränkungen, aber andere leiteten aus der Ablehnung der Maßnahmen das Recht her, ihren Unmut an der Verwaltung auszulassen oder geltende Regeln bewusst zu brechen, etwa beim Parken in der Stadt. Aber: „Das Zusammenleben funktioniert auch in der Pandemie nur, wenn sich alle an Regeln und Normen halten“, mahnt der Bürgermeister.

Der oberste Grundsatz für die Mitarbeiter der Verwaltung – auch schon vor seiner Zeit als Sulinger Bürgermeister – sei die Bürgerfreundlichkeit: „Der Satz ,Der Kunde ist König‘ gilt nicht nur in der freien Wirtschaft, sondern auch hier.“ Es sei völlig richtig, wenn etwas kritisiert werde, und er könne den Unmut verstehen, wenn Fehler gemacht werden. „Aber zum Teil kommen Beschwerden in einem Tonfall, den wir uns nicht mehr gefallen lassen müssen.“ Seine Aufgabe als Verwaltungschef sei es, seine Mitarbeiter davor zu schützen und die Bürger zu sachlicher Kritik aufzurufen – oder auch das „Bürgertipps“-Tool auf der Internetseite der Stadt zu nutzen, um Beschwerden loszuwerden oder Anregungen und Hinweise auf Missstände zu geben.

Die Vorfälle seien zwar sehr unerfreulich, aber: „Aus meiner Sicht haben wir in der Gesamtheit sehr friedliche und zufriedene Bürger in Sulingen.“

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