Fünf Vereine pflegen Kriegsgräber in Sulingen

Eine Mahnung, die präsent bleiben muss

Eine Gruppe von Menschen vor Kriegsgräbern in Sulingen.
+
Bei den Kriegsgräbern auf dem kirchlichen Friedhof: Ernst-August Windhorst, Ursula Windhorst, Brigitte Wünneker (Heimatverein Sulingen), Wolfgang Wächter (Schützengesellschaft von 1896), Karl Reimers (Soldatenkameradschaft Sulingen), Volker Wall (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge), Heinrich Schlüterbusch (SoVD) und Heinrich Bornemann (Schützenverein von 1848; von links).

Sulingen – Unkraut jäten, trockenes Laub entfernen, Blumen gießen oder den Grabstein reinigen – die Aufgaben sind die gleichen wie bei jeder anderen Grabstelle auch. Aber hier kümmern sich keine Angehörigen darum: Die Kriegsgräber auf dem kirchlichen Friedhof in Sulingen werden von Ehrenamtlichen in Ordnung gehalten.

Fünf Vereine beteiligen sich aktuell an der Pflege: der Schützenverein von 1848 Sulingen, die Schützengesellschaft von 1896 Sulingen, die Soldatenkameradschaft Sulingen, der Sulinger Ortsverband des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) und der Heimatverein Sulingen. Alle Vereine hätten zugesagt, sich auch 2022 hier zu engagieren, freut sich Volker Wall, Vorsitzender des Ortsverbandes Sulingen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Seit 15 Jahren kümmern sich die Vereine in dieser Konstellation um die Grabstellen. Früher sei der pflegende Verein das ganze Jahr über zuständig gewesen, aber mittlerweile wechselten sie sich monatlich ab, berichtet Ernst-August Windhorst, der mit Ehefrau Ursula mittlerweile privat den Kreis der Ehrenamtlichen ergänzt. Bei der Pflege hätten sich schon häufiger Angehörige der Bestatteten bei ihnen bedankt, erzählt er. Andererseits hätten auch schon mehrfach Menschen gefragt, warum es die Kriegsgräber weiterhin gibt – andere Grabstellen würden doch auch nach 30 Jahren geräumt.

Gräber dienen als Mahnmal

„Diese Gräber müssen erhalten werden als Mahnmal“, stellt Volker Wall klar. Lediglich über die Gestaltung könne gesprochen werden – der Platz habe durch die Umgestaltung seitens der Kirchengemeinde gewonnen.

Bei der Pflege geht es nicht nur um das Jäten, Harken und Gießen: „Man nimmt die Namen auf den Grabsteinen wahr“, sagt Brigitte Wünneker, Vorsitzende des Heimatvereins. Wolfgang Wächter von der Schützengesellschaft ergänzt: „Bei der Pflege der Gräber bekommt man einen Bezug zu den Toten.“ Manche von ihnen seien gerade erst 18 Jahre alt gewesen, als sie umkamen.

Zentrale Gedenkfeier am Volkstrauertag

„Wir können dankbar dafür sein, dass es noch Ehrenamtliche gibt, die die Gräber pflegen“, betont Volker Wall. An Jüngeren, die bereit sind, diese Aufgabe zu übernehmen, mangelt es: „Es fehlt der Zugang zu den Jugendlichen.“ Er habe es bereits über die Konfirmanden versucht, was aber keinen Erfolg gehabt habe. Eventuell müsse man die Übungsleiter der Schützenvereine und der Sportvereine ansprechen, auch die Schule könnte ein gutes Vehikel sein, überlegt er. Eva Kurth habe es vor Jahren vorgemacht, sagt Wolfgang Wächter, als sie aus der Pflege des jüdischen Friedhofs ein Schülerpojekt machte.

Viele wüssten nicht einmal mehr, wo sich die Kriegsgräber überhaupt befinden, vermutet Ernst-August Windhorst. Umso wichtiger sei, sich über sie und ihre Bedeutung zu unterhalten, um Lehren daraus zu ziehen, findet Volker Wall. Diesem Gedanken folgt die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag am kommenden Sonntag, 14. November, nachdem die Tradition im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie unterbrochen werden musste. Nach dem Gottesdienst in der Sankt-Nicolai-Kirche beginnt die vom Posaunenchor unter der Leitung von Kai Kupschus umrahmte Veranstaltung gegen 11.15 Uhr im Mühlenhofpark an der Skulptur „Mahnende Hände“. Die Ansprache hält erstmals Claudia Rolke, Gemeindereferentin der katholischen Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung in Sulingen. Auf eine vorherige Feierstunde an den Kriegsgräbern wird verzichtet.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Corona-Testzentrum in Brinkum: Neustart für Abstrich durch die Autoscheibe

Corona-Testzentrum in Brinkum: Neustart für Abstrich durch die Autoscheibe

Corona-Testzentrum in Brinkum: Neustart für Abstrich durch die Autoscheibe
Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein

Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein

Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein
Kaum Besucher am ersten Wochenende des Sulinger Adventsmarktes

Kaum Besucher am ersten Wochenende des Sulinger Adventsmarktes

Kaum Besucher am ersten Wochenende des Sulinger Adventsmarktes
„Flohmarktartikel nehmen wir nicht“

„Flohmarktartikel nehmen wir nicht“

„Flohmarktartikel nehmen wir nicht“

Kommentare