Kreisverbandsversammlung stimmt Vergleich vor dem Oberlandesgericht zu

Landvolk erhält jetzt 1,375 Millionen Euro zurück

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Kritisch verfolgen die Landwirte Zahlen und Fakten.

Gr.Lessen - Von Anke Seidel. Mit großer Mehrheit hat die Kreisverbandsversammlung des Landvolks Grafschaft Diepholz gestern für den Vergleich vor dem Oberlandesgericht Celle gestimmt: 130 von 184 Teilnehmern votierten in geheimer Abstimmung dafür, die Rückzahlung von 1,375 Millionen Euro anzunehmen – und auf ein Urteil zu verzichten.

Jochen Meyer referiert.

Zahlen müssen das Geld die ehemaligen Landvolk-Mitarbeiter Wilhelm Bergmann, Johann Lüken Gerdes und seine Frau Algrid Hagen-Gerdes. Die Zustimmung zu diesem Vergleich bedeutet auch, dass das Verfahren vor dem Oberlandesgericht in Celle schnell beendet werden kann. Außerdem bestehe kein weiteres Prozessrisiko, erklärte Dr. Jochen Meyer als stellvertretender Verbandsvorsitzender. Denn die drei Beklagten hatten bereits auf ihr Widerspruchsrecht verzichtet – sprich dem Vergleich schon passiv zugestimmt.

Mehr als eine Stunde lang hatte Jochen Meyer den Mitgliedern zunächst den Stand aller Gerichtsverfahren in dem komplizierten Komplex und Geflecht um windige Geschäfte mit der Windkraft (wir berichteten) erläutert.

Die arbeitsrechtlichen Gerichtsverfahren waren mit einem Vergleich mit dem ehemaligen Geschäftsführer Wilhelm Bergmann und mit der Abweisung der Kündigungsschutzklagen der ehemaligen Mitarbeiter Johann Lüken Gerdes und Algrid Hagen-Gerdes vor dem Landesarbeitsgericht beendet worden.

Wenn der gestern beschlossene Vergleich vor dem Oberlandesgericht Celle rechtswirksam ist, kann das Landvolk also die Akten von drei Gerichtsverfahren endgültig schließen.

Das vierte, die Schadensersatzklage des Landvolks gegen den ehemaligen Vorsitzenden Lothar Lampe, Westwind und dessen Geschäftsführer Gerard Meindertsma vor dem Landgericht Verden, ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Und ein fünftes ist noch nicht eröffnet: Das Strafverfahren. Das Landeskriminalamt habe seine Ermittlungen abgeschlossen, erklärte Meyer gestern.

3500 Seiten umfasse die Akte, die jetzt bei der Staatsanwaltschaft liege. Es sei davon auszugehen, dass in Kürze Anklage erhoben werde. Außerdem berichtete Meyer, dass eine weitere Strafanzeige gestellt worden sei: Wegen Urkundenfälschung durch gefälschte Unterschriften.

Schon zu Beginn der Kreisverbandsversammlung hatte Landvolk-Vorsitzender Theo Runge an die Teilnehmer appelliert, „den gesunden Menschenverstand walten zu lassen und die Emotionen zurückzustellen – auch wenn es dem einen oder anderen schwer fällt“.

Doch Entsetzen spiegelte sich in etlichen Gesichtern, als Jochen Meyer Zahlen und Transaktionen nannte, beispielsweise 1,5 Millionen Euro „Beraterhonorare“ für Lampe und „erhebliche Preisnachlässe“ für Windkraftanlagen, auch für Bergmann und Gerdes.

Noch immer seien die Beklagten an Windkraftanlagen beteiligt, kritisierte ein Landwirt – und forderte, sie auszuschließen. Ein Mitglied der Jägerschaft Diepholz war so erbost, dass er alle Jäger zum passiven Widerstand gegen den Jägerschaft-Vorsitzenden Wilhelm Bergmann aufrief. Sie sollten ihre Mitgliedschaft ruhen lassen, bis ein neuer Vorsitzender gefunden sei.

54 Landwirte stimmten gestern gegen den Vergleich. Vor allem, weil es dadurch kein klares Urteil gibt – aber auch deshalb, weil noch eine strittige Summe von 2,8 Millionen Euro offen ist. Geld, das über Transaktionen zwischen der Landvolk-Dienstleistungsgesellschaft, Westwind und der Firma Rothstein geflossen war. Der Vergleich enthält aber eine Klausel, die eine weitere rechtliche Einklagbarkeit möglich macht. „Das Geld müssen wir uns von Lothar Lampe wiederholen“, hieß es gestern.

Diejenigen, die ein konkretes Urteil forderten, erinnerte Jochen Meyer an den Fall Sebastian Edathy und den Eklat um kinderpornografische Bilder: „Edathy ist auch nicht verurteilt. Aber den würde niemand mehr zum Kindergeburtstag einladen.“

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