Wohnbebauung wächst – in Richtung des Reload Festivals

Konflikt vorprogrammiert?

Blick auf das Gelände des Reload Festivals 2015: Im vergangenen Jahr mussten zusätzliche Kapazitäten für „Parken und Campen“ geschaffen werden. - Foto: K. Leymann

Sulingen - Schlammbäder en masse im Festival-Sommer: Open-Air-Veranstaltungen wie „Rock am Ring“ in Mendig, das „Southside“ im baden-württembergischen Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen oder zuletzt das „Hurricane“ bei Scheeßel fordern Festival-Gängern 2016 alles ab. „Open Air“ eben, sagt Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb mit Blick auf das „Reload Festival“ in Sulingen am 26. und 27. August dieses Jahres.

„Gezielt vorbereiten kann man sich auf solche Wetterkapriolen nicht.“ Mit Ausnahme der Rettungswege: „Die Sicherheit der Besucher steht bei allen Überlegungen im Vordergrund. Und da ziehen wir schon im Vorfeld alle zusammen alle Register.“ Rauschkolb beschäftigen primär andere Fragen.

Das Gelände „Im langen Lande“, östlich des Stehlener Kreuzes und zum zweiten Mal in Folge Veranstaltungsstandort, ist in die Diskussionen geraten. Weniger aufgrund der Beschaffenheit der zur Verfügung stehenden Flächen, viel mehr in den politischen Gremien: Skeptiker stellen die langfristige Vereinbarkeit der zunehmenden Wohnbauentwicklung an der Linderner Straße mit dem Festival infrage.

Dirk Rauschkolb: „Für 2016 bleibt zunächst alles beim Alten. Da haben wir auf jeden Fall noch ausreichend Platz.“ Aber: „Für die Folgejahre werden wir uns für alle Beteiligten auf eine verlässliche Linie verständigen müssen.“ Im August sollen demnach erneut im Verwaltungsausschuss die Beratungen über einen Standort für ein Festival- und Veranstaltungsgelände aufgenommen werden. Rauschkolb: „Wir (Anmerkung der Redaktion: die Mitarbeiter der Verwaltung) sind aufgefordert, Alternativen aufzuzeigen.“ Im Detail lässt der Hauptverwaltungsbeamte die Katze noch nicht aus dem Sack. „Im Moment stimmen wir noch die Möglichkeiten der einzelnen Varianten ab.“ In den bisherigen Beratungen hatte sich Rauschkolb stets für den Ausbau des Bereiches „Im langen Lande“ ausgesprochen.

Kein Geheimnis ist, dass der Bürgermeister ein mögliches Veranstaltungsgelände mehrfach bespielen will: Festival, Messen, Zirkus, Motorsport – vieles ist möglich. Gegenüber den Veranstaltern des Reload Festivals hatte sich die Stadt Sulingen bereits im April 2014 nach Beschluss durch den Verwaltungsausschuss verpflichtet, ein adäquates Veranstaltungsgelände zur Verfügung zu stellen – auf dem Papier inklusive geeigneter Infrastruktur und einer Umzäunung.

Der Sulinger Gunter Koop, Mit-Anteilseigner der Veranstaltungsgesellschaft, beim Blick auf den Bereich „Im langen Lande“: „Für bis zu 10.000 Gäste reicht das auf jeden Fall. Problem ist nicht der Festivalbereich selbst. Wir brauchen ja auch jede Menge Platz für Dauerparker und Camper, genauso für Tagesparker.“

Konkrete Lagepläne für das Festival-Gelände 2016 wolle die Veranstaltungs-Gesellschaft noch nicht veröffentlich wissen; wohl mit Blick auf eine noch anzuberaumende Informationsveranstaltung für Anlieger.

Einzelne Zahlen sind dennoch bekannt: Die Veranstalter kalkulieren nach unbestätigten Informationen aktuell mit 66.000 Quadratmetern, die sie für Tagesparkplätze zur Verfügung stellen wollen, mit 10.500 Quadratmetern für das so genannte Infield und damit für das eigentliche Festivalgelände, mit 9.300 Quadratmetern für den Backstage-Bereich sowie 8 700 Quadratmetern für den Vorplatz und nicht zuletzt mit 140.000 Quadratmetern für Parken und Campen.

Gunter Koop: „Genaueres werden wir dann erst nach dem geplanten Behördentermin verraten – und nach dem Termin mit den Anliegern.“

oti

Tradition muss leben

Ein Kommentar von Carsten Schlotmann

Die Diskussionen um ein neues Veranstaltungsgelände für die Stadt Sulingen flachen nicht ab: Schon im Jahr 2010, mit Bekanntwerden der Planungen, das Reload Festival von Twistringen nach Sulingen zu verlegen, investierten Veranstalter und Gastgeber der Stadt unzählige Stunden in die Suche nach einer geeigneten Fläche. Nach der Übergangslösung um das Gewerbegebiet „Mühlenkamps Feld“ schien die „Im langen Lande“gefunden, östlich des Stehlener Kreuzes. Flächenverfügbarkeit, Erreichbarkeit – vieles passt. Aber: Die Wohnbebauung östlich des Planbereiches rückt näher. Langfristig zeichnen sich Konflikte ab. Bürgermeister Rauschkolbs Gedankenspiele, ein zukünftiges Gelände einer multifunktionalen Nutzung zuzuführen, sind nachvollziehbar – und würden auch nachhaltige Investitionen in Infrastruktur rechtfertigen. Was fehlt, sind Partner, die neben den Machern des Reload Festivals die Fläche bespielen wollen. Saß bisher die Initiative Sulingen im Boot, macht sich der neue Vorstand um Vorsitzenden Philipp Leymann langsam zum Aussteigen bereit. Leymann hatte während der Hauptversammlung jüngst deutlich gemacht, dass das Interesse an einem Verlassen des angestammten Geländes am Hasseler Weg doch zu wünschen übrig lasse. Die Motor-Sport-Gemeinschaft Sulinger Land, Veranstalter der Sulinger Rallye, weiß die Nähe des Informa-Geländes und damit des Fahrerlagers zu den benachbarten Delme-Werkstätten und damit dem Rallye-Zentrum zu schätzen. Sulingen hat das Reload Festival kennen, zum Teil auch lieben gelernt, nicht zuletzt auch in Erinnerung an frühere Festivals in der Horster Heide oder am Barrierer Kirchweg. An der Flächenverfügbarkeit darf der Fortbestand der neu belebten Festival-Tradition nicht scheitern.

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