Wohnoptionen im ländlichen Raum

Könemann: „Hier sind Träume zu verwirklichen“: Nachfrage oft höher als das Angebot

Ein altes Haus in der Kirchdorfer Ortsmitte vor dem Abriss.
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Ein altes Haus in der Kirchdorfer Ortsmitte vor dem Abriss.

Sulingen – Vorbei ist es mit den vermeintlichen Standortnachteilen auf dem Land, im Gegenteil: „Hier sind Träume zu verwirklichen“, sagt Holger Könemann, Vermessungsingenieur beim Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN), bei der Vorstellung der Baulandrichtwerte für den südlichen Teil des Landkreises.

Und was für Träume: Die einen begeisterten sich für Resthöfe, heißt es. „Ob die Käufer jedoch immer den Durchblick haben? Manche denken da an Ponyzucht oder Käseherstellung aus der Milch der eigenen Ziegen. Manchmal klappt das ja“, sagt Könemann. Aber manches Mal auch nicht. Den Resthof dann wieder loszuwerden, sei einfach: Die Nachfrage steige und damit auch der Preis. „Auch, wenn nichts am Hof gemacht wurde“, ergänzt Vermessungstechniker Gerd Stelloh. „Abenteuer Immobilie“ nennt es Dezernatsleiter Gerd Ruzyzka-Schwob. Ein Abenteuer, an dem manche ihr Leben lang bauen würden, um ihre Traumimmobilie von Grund auf zu sanieren. Mit der zunehmenden Breitbandversorgung sei ein Homeoffice leicht einzurichten im Großteil der ländlichen Gebiete. Da sei der Landkreis Diepholz grundsätzlich gut aufgestellt, wenn in einem oder zwei Jahren um die 400 oder 500 Mbit verfügbar seien, merkt Könemann an. Die durchschnittliche Grundstücksgröße, die nachgefragt werde, sei ein wenig gesunken, liege derzeit im Schnitt bei etwa 800 Quadratmetern. Im Wunsch nach Bauland in Pendlernähe zu den Zentren gerät der südliche Landkreis Diepholz zunehmend in den Fokus. Laut Gerd Ruzyzka-Schwob sind Nachfragen aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen, dem Landkreis Vechta und der Stadt Bremen zu nennen. Die gestiegene Nachfrage nach Bauland könne jedoch nicht überall befriedigt werden: Die Landeigentümer mögen oftmals nicht veräußern. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Neben den Häuslebauern suchen auch Landwirte nach Grundstücken, auch sie verzeichnen gestiegene Preise für die Äcker, egal ob Grün- oder Nutzflächen.

Im Blick behalten die Kommunen seit Jahren die innerörtliche Entwicklung. Ein Problem hier: Immissionswerte. Eine aktive Landwirtschaft verhindere oft eine Wohnbaunutzung. Abhilfe schaffen soll eine künftig mögliche Ausweisung als „Dörfliches Wohngebiet“, in dem andere Werte gültig sein sollen, um das Wohnen imm Dorf zu fördern. Der Grundgedanke: „Da müssen die Bürger höhere Immissionswerte gelten lassen, wenn es ein- oder zweimal im Jahr stinkt“, sagt Könemann. Es gehe um ein vernünftiges Miteinander im Dorf. Grundsätzlich sei der Gedanke, gezielt Maßnahmen für die Innenraumentwicklung und die Belebung von Ortskernen stärker zu fördern und zu unterstützen weiter zu verfolgen, sinniert der Dezernatsleiter, angesichts der Abbruchkosten für desolate Altimmobilien. Aber auch vor dem Hintergrund, der weiterhin hohen Nachfrage begegnen zu können und eine andere Alternative anbieten zu können, als nur Baugebiete außerhalb neu zu schaffen.

Neubauten blieben ein Wunsch. Berichtet wird von großen Häusern, zweigeschossig, mit 200 Quadratmetern Wohnfläche: „Beeindruckend“, findet Gerd Ruzyzka-Schwob. Beeindruckend ist das umso mehr, da die Erschließungskosten im Südkreis sich auf 60 bis 70 Prozent des Gesamtpreises des Immobilientraumes summierten. Gestiegene Auflagen etwa für Ausgleichsflächen oder Regenrückhaltebecken nennen die Spezialisten als Gründe.

Die Kaufprobleme der privaten Häuslebauer haben auch die gewerblichen. Die Nachfrage nach Mietwohnungen sei unvermindert hoch, dadurch sei der sogenannte Geschosswohnungsbau beflügelt.

Dieser Markt allerdings sei gespalten in zwei Gruppen: Diejenigen, die eine Immobilie als Geldanlage sähen, dabei mit geringer Rendite zufrieden seien, weil es ohnehin keine Zinsen gebe. Und jene, die auf ein Mietobjekt angewiesen seien.

Das Problem: „Die Mieten steigen genauso wie der Baulandindex“, erklärt Gerd Ruzyzka-Schwob. Die Bodenrichtwertauskunft (BORIS) im Land werde künftig kostenlos einsehbar sein: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius werde demnächst den Startschuss geben.

Von Sylvia Wendt

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