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Klimaschutz für alle: „Sulingen blüht“ für Insekten

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Von: Harald Bartels

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Eine berufsschulklasse steht mit ihrer Lehrerin auf einer Freitreppe im Schulgebäude.
Für ihr Projekt „Sulingen blüht“ werben die Schüler – und eine Schülerin – der zweijährigen Fachschule Agrarwirtschaft mit Marketing-Lehrerin Dr. Christiane Kosellek (hinten links). © Bartels

Sulingen – Klimaschutz und Marketing verbinden wollen die 19 Schüler und eine Schülerin der zweijährigen Berufsfachschule Agrarwirtschaft des Berufsbildungszentrums Dr. Jürgen Ulderup am Standort Sulingen mit ihrem Projekt „Sulingen blüht“.

Dahinter verbergen sich Patenschaften für eine Blühwiese, die in der Nachbarschaft eines Neubaugebiets im Sulinger Westen entstehen soll. Die Fläche gehöre zum Betrieb der Familie des Sulinger Mitschülers Max Husmann, erklärt Kai Eschenhorst, und gemeinschaftlich habe die Klasse überlegt, dort Pflanzen anzusäen, die als Nahrungslieferanten für Insekten, vor allem Bienen, aber auch für Niederwild geeignet sind.

Eingesät werde, je nach Witterung, Ende März oder Anfang April – eine selbst zusammengestellte Saatgutmischung. Dabei habe man darauf geachtet, dass es viele verschiedene Arten seien, damit ab Mai das ganze Jahr über etwas blüht und es unterschiedliche Wuchshöhen gibt, erläutert Lennart Riedel.

Müssen sich die Nachbarn Sorgen machen, dass aus den Wildkräutern im eigenen Garten Unkraut wird? Enthalten seien auch normale Kulturpflanzen wie Sonnenblumen oder Bohnen, beruhigt Felix Niemeyer, außerdem: „Auf einer Blühwiese gibt es kein Beikraut, denn es geht nicht um den Ertrag.“ Ausgesät werden einjährige Pflanzen. Sie säten sich selbst wieder aus, und die Fläche solle auch nicht wieder umgebrochen werden.

Insgesamt stehen hier 3 000 Quadratmeter für die Wiese zur Verfügung. Wenn mehr Anfragen eingehen, als Quadratmeter vorhanden sind, könne das Projekt auf eine gegenüberliegende Fläche erweitert werden. Die ursprüngliche Fläche werde in jedem Fall voll genutzt.

Für die Wiese stehen auf ein Jahr begrenzte Patenschaften in sieben Preisstufen bereit, von einem Quadratmeter für 2,50 Euro bis hin zu 200 Quadratmetern für 100 Euro. Jeder Pate erhalte ein persönliches Zertifikat zugeschickt, verspricht Nora Übbing, außerdem könnten die Paten den Verlauf des Projektes auf einem Instagramkanal verfolgen. Der lasse sich erreichen über einen QR-Code, der auf den inzwischen in Sulingen verteilten Projekt-Flyern abgedruckt ist. Man werde regelmäßig Fotos vom Zustand der Fläche vor der Aussaat sowie von der weiteren Entwicklung der Wiese posten. Wer keinen Instagram-Account hat, könne sich aber auch über die E-Mail-Adresse (fachschuleagrar@gmail.com) informieren lassen.

Ebenfalls abgedruckt ist auf dem Flyer ein QR-Code, der auf Google Maps den Weg zur Wiese anzeigt. Dort soll auch noch ein Plakat aufgestellt werden, das über das Projekt informiert. Die Wiese sei fußläufig erreichbar, aber: „Wir betreten die Fläche nicht mehr, und sie soll auch nicht betreten werden“, betont Nora Übbing. Eine Bearbeitung oder Bewässerung sei auch gar nicht erforderlich, ergänzt Felix Niemeyer, „die Fläche muss nicht komplett grün sein.“ Im Gegenteil, für bestimmte Insekten wie Erdwespen seien nicht bewachsene Bereiche wichtig. Auch die verblühten Pflanzen hätten noch Wert, weil Insekten in den abgestorbenen Stängeln überwintern könnten.

Erwerben lässt sich eine Patenschaft per Überweisung des entsprechenden Betrags auf das Projektkonto (IBAN: DE44 2569 1633 0067 7671 02, Kontoinhaber Max Husmann). Wichtig dabei: Als Verwendungszweck müssen Name und Adresse vollständig eingetragen werden, damit das Zertifikat zugestellt werden kann. Alternative Zahlungsweisen habe man überlegt, berichte Hauke Bode, aber der Dienstleister Paypal etwa behalte von den Beträgen 37 Prozent als Gebühr ein – „das lohnt sich nicht, weil es eher um Kleinbeträge geht.“

Der Erlös aus den Patenschaften solle die Kosten decken für Saatgut, Fläche, Arbeitsaufwand und sonstige Aufwendungen wie Flyer- und Plakatdruck oder Portokosten für den Versand der Zertifikate. Zur Finanzierung habe die Klasse im Vorfeld Geld eingesammelt, sagt Felix Niemeyer, „wenn es einen Überschuss gibt, kommt der in die Klassenkasse.“ Allerdings habe man bewusst niedrige Beträge für die Patenschaften angesetzt, betont Tjerk Rüpke: „Der Hintergrund ist, dass jeder die Möglichkeit bekommt, sich am Insektenschutz zu beteiligen – auch ohne eigenen Garten.“

Die ersten Anfragen für Patenschaften lägen vor, und auch Überweisungen seien schon eingegangen, berichtet Hauke Bode. Schön wäre jedoch für die Planung, wenn die Patenschaften bis zur Aussaat vergeben wären. Gesucht werde zudem noch ein Imker, der an der Wiese Bienenvölker aufstellen will – und eventuell den Honig zusammen mit der Klasse vermarktet.

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