Heinz Riedemann tritt nicht mehr an

Abschied von der Kommunalpolitik nach 40 Jahren

Ein Mann steht neben einer Skulptur mit dem Sulinger Stadtloge vor dem Rathaus.
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Vor dem Sulinger Rathaus: Heinz Riedemann.

Sulingen – Heinz Riedemann hat den Sitzungskalender genau im Blick: Noch eine Sitzung des Sulinger Stadtrates und zwei Sitzungen des Verwaltungsausschusses – dann endet für den 72-Jährigen nach 40 Jahren sein Wirken in der Kommunalpolitik.

„In der ersten Zeit wird sicher noch etwas Wehmut aufkommen“, vermutet er, aber bereits vor fünf Jahren habe er angekündigt, dass die in Kürze zu Ende gehende Wahlperiode seine letzte sei.

Im Alter von 32 Jahren sei er 1981 gefragt worden, ob er nicht für den Ortsrat Klein Lessen kandidieren wolle und sei gleich gewählt worden. Fünf Jahre später wählte ihn der Ortsrat zum Ortsbürgermeister. Er blieb im Amt, bis er es 2018 auf eigenen Wunsch abgab, vom Rat der Stadt Sulingen wurde er daraufhin zum Ehrenortsbürgermeister ernannt.

Sieben Wahlperioden ununterbrochen Im Sulinger Stadtrat

Im Jahr 1986 zog er erstmals in den Sulinger Stadtrat ein. Dem gehörte er, als erstes Ratsmitglied, über sieben Wahlperioden, insgesamt 35 Jahre, ununterbrochen an. „Ich bin sehr stolz, dass ich immer direkt mit sehr guter Stimmenzahl gewählt worden bin.“ Schon 1986, bei seiner ersten Ratskandidatur, habe er nach Werner Kling die zweitmeisten Stimmen der CDU-Bewerber erhalten, und als er 2011 die Christdemokraten nach 37 Jahren verließ und erstmals für die Freie Wählergemeinschaft Sulingen antrat, habe er sogar mehr Stimmen erhalten als zuvor.

Von 1986 bis 1991 bekleidete der Klein Lessener auch das Amt des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters, und gehörte ab 1986 bis zuletzt als Beigeordneter dem Verwaltungsausschuss des Stadtrates an. Rund 700 Sitzungen habe der Verwaltungsausschuss in den 35 Jahren abgehalten, und erst die beiden letzten habe er ausgelassen, um seine Fraktionskollegen daran teilnehmen zu lassen. Der Stadtrat habe im Schnitt etwa sechs Mal pro Jahr getagt, und davon habe er kein einziges Mal verpasst. Einmal sei er sogar zwei Tage früher aus einer Kur abgereist, um den Termin nicht zu versäumen. „Ich bin gerne zu den Ratssitzungen gegangen“, sagt Riedemann.

Ehrlich und fair miteinander umgehen

Ein weiterer wichtiger Punkt seiner Vita ist der Kreistag, dem er seit 1996 angehört, und über drei Wahlperioden vertrat er seine Fraktion im Kreisausschuss. Von 1982 bis 2017 wirkte er mit im hiesigen Wahlausschuss für Landtags-, Bundes-tags- und Europawahlen, davon gut die Hälfte der Zeit als dessen Vorsitzender. Schließlich stand er von 2004 an für 13 Jahre dem Förderverein der Klinik Sulingen vor.

Die Arbeit im Rat habe sich in den Jahren sehr verändert: „In den ersten Jahren war das Verhältnis zwischen CDU und SPD ziemlich angespannt, aber das hat sich gebessert.“ Anfangs habe auch ein strenger Fraktionszwang bei Abstimmungen geherrscht, aber „ich muss in der Politik meinem Gewissen folgen können.“ Dass er nicht die Meinung der damaligen Fraktionsleitung habe folgen wollen, habe schließlich auch zum Abschied von den Konservativen geführt, aber „ich wüsste nicht, dass ich in den letzten Jahren mit irgendwem nicht zusammenarbeiten konnte.“ Sein Antrieb sei gewesen, ehrlich und fair miteinander umzugehen und sich für die Sache zu engagieren.

Zentralklinik gerne in Sulingen gehabt

Sein Schwerpunkt in der politischen Arbeit: „Ich habe immer auf die Finanzen geguckt.“ Wichtig seien die beiden Umgehungsstraßen der B 214 und B 61 für Sulingen gewesen, weil so die Innenstadtsanierung ermöglicht worden sei, vor allem aber auch die Ansiedlung des E-Centers an der Langen Straße: „Es hat lange gedauert, bis es kam, aber zum Glück haben wir uns durchgesetzt.“ Zu den schönsten Erinnerungen seiner Laufbahn zählt er den Besuch von Armin Hary: Der frühere 100-Meter-Weltrekordhalter, der 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom zwei Goldmedaillen gewann, besuchte die Sulestadt 2012.

Weitaus weniger gern erinnert er sich an das Werben um Sulingen als Standort der geplanten Zentralklinik des Landkreises: „Ich hätte die Klinik gerne in Sulingen gehabt. Mit der Lage an zwei Bundesstraßen wäre das verkehrsgünstiger gewesen als an der Kreisgrenze in Borwede.“ Für das Sulinger Land sei es nun wichtig, die Nachnutzung des Klinikgebäudes mit guter Gesundheitsversorgung „auf die Reihe“ zu bekommen. Ebenfalls als Aufgabe für die kommenden Jahre sieht Riedemann, dafür zu sorgen, dass genügend Bauplätze in Sulingen und den Ortschaften zur Verfügung stehen – „sonst wandern die Menschen ab.“

Nicht mehr auf Sitzungstermine Rücksicht nehmen müssen

Mehr als 100 Termine pro Jahr, zehn bis 15 Stunden pro Woche für Sitzungen und Besuche habe das kommunalpolitische Ehrenamt bisher erfordert, aber Langeweile befürchtet Riedemann nicht: Er fahre viel Fahrrad und habe sich gerade einen Fahrradträger für das Auto gekauft: „Jetzt geht es auch mal weiter weg, weil ich nicht mehr auf die Sitzungstermine Rücksicht nehmen muss.“

Zum Abschluss sei ihm wichtig, einen ganz herzlichen Dank seinen Wählern auszusprechen, die ihm immer wieder das Vertrauen geschenkt hätten, über Jahrzehnte hinweg, betont Riedemann. Sehr dankbar sei er aber auch seiner Familie, ohne deren Unterstützung er die Arbeit in der Kommunalpolitik nicht habe schaffen können.Im Live-Ticker zur Kommunalwahl in Niedersachsen berichtet kreiszeitung.de am Sonntag, 12. September 2021, über die aktuellen Entwicklungen, die Ergebnisse, die gewählten Bürgermeister und Landräte.

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