Euphorischer Applaus für die Künstler

„Klang Razzia“ begeistert mit Kabarett-Konzert

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Ihre Instrumente sind „konfisziert“ – das kann die Streicher allerdings nicht stoppen.

Sulingen - Von Martina Kurth-Schumacher. Mit stehenden Ovationen zollte das Publikum Schauspielern und Musikern Dank und Respekt für ein Kabarett-Konzert der besonderen Art. Die Komödie „Klang Razzia“ bot mehr, als man von einem guten Abend jenseits der eigenen vier Wände erwarten kann.

Die Brüder Chin Meyer und Hans-Werner, der eine Kabarettist, der andere einer der gefragtesten Schauspieler der Republik, konnten ihre Talente in dem Stück „Klang Razzia“ voll entfalten. Hans-Werner Meyer hat seine in Schulzeiten gegründete A-cappella-Gruppe „Meier und die Geier“, die 1984 unter dem Namen „Echo Echo“ Hitparaden-Geschichte schrieb, für das Projekt noch einmal zusammengetrommelt – drei Herren, die in unterschiedlichen Berufen verwurzelt sind und neben musikalischer und humoristischer Begabung vor allem Spaß an der Sache mitbringen.

Konfiszierte Instrumente durch die Stimme ersetzt

Chin Meyer alias Sigmund von Treiber von der Oberfinanzdirektion drängt im Publikum säumige Steuerzahler zur Selbstanzeige.

Das Stück aus der Ideenschmiede Meyer ist den Protagonisten auf den Leib geschrieben: Das Streichquartett Hans-Werner Meyer (Tenor), Volker Dittmann (Kontratenor), Valentin Gregor (Bass) und Christian Taube (Bariton) schmilzt in der ersten Szene zu Johann Pachelbels Kanon dahin. Bis Chin Meyer alias Sigmund von Treiber von der Oberfinanzdirektion kommt und die Instrumente konfisziert – gewissermaßen als „vorauszahlende Steuernachzahlung“. Und nun? Das Quartett singt. Nicht nur Pachelbel, sondern Schlager, Pop- und Rock-Hits von den Beatles bis zu Uncle Kracker mit vorzugsweise deutschen, der Handlung angepassten Texten.

Während Chin Meyer im Publikum die zahlreichen „Illegalen“ aufspürt und säumige Steuerzahler zur Selbstanzeige drängt, nutzt das Quartett die Zeit bis zur drohenden Inhaftierung für A-cappella-Gesang. Ihre Erkenntnis: „Quod erat demonstrandum: Instrumente werden überschätzt.“ Sowohl die fehlende „Blechreserve“ als auch Rhythmus- und Schlaginstrumente können sie mühelos kompensieren. Die vier rockten die Bühne.

Spontan komponierte Opernarie für Zuschauerin

Chin Meyers Gretchenfrage an das Publikum: „Sulingen, was sind eigentlich Steuern? Irgendjemand? Ich höre...“, um anschließend zu belehren: „Das sind Zwangsabgaben ohne Anspruch auf Gegenleistung.“ Sein strenger Hinweis an die Zuschauer: „Bleiben sie auf dem Pfad der Rechtmäßigkeit und kooperieren sie mit den Staatsorganen!“ Ein paar hilfreiche Tipps gibt es gratis. Wie man etwa als Gastronom in Bremen Tenever aus Schuldscheinen arbeitsloser Alkoholiker (Fusel-Anleihen) eine Hammer-Rendite zieht. Oder einen Hinweis, warum Kettenraucher die motiviertesten Staatssponsoren sind und Leberzirrhose eine vermögenswirksame Leistung.

Ein vergnüglicher Nebenschauplatz ist der eloquent und wortwitzig ausgetragene Zwist der Meyer-Brüder. Das Ende vom Lied: Chin Meyer singt mit – „Ein kleiner grüner Fiskus steht draußen vorm Balkon“. Geht doch. In seiner Zugabe dreht er noch einmal voll auf. Mit Stichworten aus dem Publikum – Bullenschluck, Straßenschäden und Lloyd – komponiert er für Meike aus der zweiten Reihe eine Opernarie. Die Quintessenz: Singen erfüllt keinen rationalen Zweck und führt uns in der Evolution nicht weiter, aber es setzt Endorphine frei. Auch bei den Zuhörern.

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