Sulinger Filmpalast begeht „Silbernes“: Holger Glandorf spricht über die Entwicklung

„Kino braucht Eventfaktor“

Holger Glandorf hat den Wandel vom analogen zum digitalen Zeitalter im Filmpalast längst vollzogen: Die großen Filmrollen haben ausgedient, ein Hollywood-Blockbuster läuft heute von einer Festplatte – und die bringt natürlich kein Bote vom Verleiher, sie wird per Satellitenverbindung „befüllt“.

Sulingen - Das typische Surren, das den Weg des Streifens von der Spule ins Licht begleitet, ist längst einem Konzert von Lüftern gewichen und die Technik im Projektionsraum mutet an wie eine Serverfarm. Der komplette Umstieg auf digitale Vorführung ist ein Kapitel in der Geschichte des Sulinger Filmpalastes, die bald 25 Jahre umfasst: Am 8. Januar 1992 zeigte Franz-Josef Glandorf einen „Überraschungsfilm“ in der Premierenvorstellung.

Was kam damals auf die Leinwand? Holger Glandorf, der das Projekt mit seinem Vater realisierte und heute Chef des drei Standorte umfassenden Unternehmens mit Wurzeln in Twistringen ist, kramt in seinen Gedächtnis: „Diese ,Top Gun‘-Parodie...“ Es war „Hot Shots – Die Mutter aller Filme“ mit Charlie Sheen. Gut ein Jahr zuvor war das Union-Theater abgerissen worden. Mit dem Wunsch vieler Sulinger, wieder ein Kino im Mittelzentrum zu haben, trat Stadtdirektor Klaus Dinklage an Franz-Josef Glandorf heran. Eine entscheidende Rolle habe Horst Wiesch, damals Dinklages Stellvertreter „und ein Kinogänger“ gespielt, erinnert sich Holger Glandorf. „Wir sind dann herumgefahren und haben uns mögliche Standorte angesehen. Bei der ehemaligen Molkerei hat mein Vater sofort gesagt: Das würde passen.“ 

Die Stadt beteiligte sich an den Umbaukosten, „das wäre heute wohl undenkbar“, stellt der 48-Jährige fest, der ein gewisses Desinteresse der Kommune an ihrer kulturellen Einrichtung Kino beklagt. Klar, Bedingungen wurden Glandorfs seinerzeit mit auf den Weg gegeben, etwa, „dass wir keine ,Schmuddelfilme‘ zeigen. Damit haben sich ja viele Kinos in den Jahren der Flaute über Wasser gehalten.“ Das Geschäft in Sulingen sei sehr gut angelaufen, „im Durchschnitt waren 80 bis 90 der 110 Plätze im Saal ,Movie‘ besetzt.“ Denn es gab wieder Filme, die die Leute ins Kino lockten, im Kaliber „Der mit dem Wolf tanzt“. 

Der Filmpalast an der Straße „Am Wolfsbaum“ verfügt mittlerweile über drei Kinosäle – laut Holger Glandorf ist nicht ausgeschlossen, dass mittelfristig ein vierter hinzukommt. - Fotos: Behling

Der fast vierstündige Neo-Western überforderte durch schiere Größe die Technik, plötzlich wurde es dunkel auf der Leinwand: „Ich musste eine halbe Stunde einen Knopf gedrückt halten, der immer wieder heraussprang, bis ich ihn mit einem Pinsel festklemmen konnte“, verrät Holger Glandorf grinsend. „Twister“, „Independence Day“ – Mitte der 90-er Jahre gab häufiger nicht einen, sondern zwei Blockbuster fast zeitgleich, und einen Hit-Film gilt es wenigstens drei Wochen zu zeigen. 

Das gab den Ausschlag, ein zweites Kino einzurichten: Das „Hollywood“ mit 139 Plätzen wurde 1997 eingeweiht. Per Interlock war es auch möglich, die selbe Filmrolle mit 35 Sekunden Verzögerung in beiden Kinos zu zeigen. Der Beginn der „Herr der Ringe“-Trilogie, der Harry-Potter-Verfilmungen – Glandorf spricht von „goldenen Jahren“ Anfang des neuen Jahrtausends.

Die allerdings auch die Ansprüche der Kinogäste nach oben geschraubt hätten: „Früher konnte man einen Klassiker wie ,Blues Brothers‘ zeigen, wenn es keinen aktuellen Hit gab, und die Hütte war voll – das war dann vorbei.“ Zu schaffen machte Kinobetreibern Filmpiraterie im Internet, die Verkürzung der Frist bis zum Erscheinen eines Films auf DVD/Blu Ray, später Video on demand. „Was uns fehlte war die Möglichkeit, mehr Titel aktuell zu zeigen.“ Holger Glandorf investierte 2010 in Kino Nummer drei, das „Oscar“, nahm die kostenaufwändige Digitalisierung in Angriff. „Und im Oktober 2010 kam ,Avatar‘ raus, läutete mit 3D ein neues Zeitalter ein, einen weiteren Boom.“

Eine Oper, ein Rockkonzert, ein Sportereignis per Stream live zeigen, dahin könnte die Reise gehen, die technischen Voraussetzungen hat der „Filmpalast“ bereits. „Kino braucht den Event-Faktor“, betont Holger Glandorf. Er denkt über Kooperationen mit Vereinen, Firmen oder Institutionen nach. Über eine De-Luxe-Loge, wie er sie in Nienburg eingerichtet hat, eine Sektbar. In einem vorhandenen Saal, vielleicht mittelfristig auch in einem vierten Kino in Sulingen. - ab

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