Kinderkrankenpflegerinnen erzählen von ihrer Arbeit

Trotz Arbeit am Limit „ein schöner Beruf“

Lieben ihren Job – auch wenn er belastend sein kann: Henrike Gerling-Jacobs (v.l.), Melanie Kling und Jaqueline Schmidt. - Foto: ks

Sulingen - Von Katharina Schmidt. Der Bedarf an Pflegekräften ist enorm. Schichtarbeit, der Umgang mit kranken Menschen und die Gehaltsaussichten schrecken viele ab. Nicht so Henrike Gerling-Jacobs, Melanie Kling und Jacqueline Schmidt.

Sie arbeiten bei dem ambulanten Kinderpflegedienst „Krank und Klein – bleib daheim“ in Sulingen. Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählen sie von den Herausforderungen ihres Berufes – aber auch von den schönen Seiten.

Der Kinderpflegedienst hat eine Förderung in Höhe von 44.500  Euro vom Land Niedersachsen erhalten. Das Geld soll dem betrieblichen Gesundheitsmanagement zugutekommen – also dazu beitragen, dass die Mitarbeiter gesund bleiben. Denn die Arbeit in der Pflege kann belastend sein.

„Man muss gut auf sich selbst achten können, um in diesem Beruf zu arbeiten“, findet Melanie Kling (40). Die Sykerin wollte ursprünglich Grundschullehrerin werden. Dies änderte sich bei einem Klinik-Praktikum. Ihre Mutter war von diesem Sinneswechsel gar nicht begeistert. „Sie hat mich gefragt, ob ich nicht lieber Verkäuferin werden will“, erinnert sich Kling.

Kinder auf ihrem letzten Weg begleiten 

„Ich liebe meinen Beruf“, erzählt sie. Oft hört sie von Freunden und Bekannten, wie schrecklich ihr Beruf doch sein müsse. Immerhin sind ihre Patienten zum Teil sterbenskranke Kinder. Der Pflegedienst „Krank und klein“ betreut mit 80 Mitarbeitern unter anderem Frühgeborene, Krebskranke und Schwerstbehinderte. 

Doch Kling finde ihren Beruf keineswegs schrecklich. Selbst wenn ein Kind sterbe, könne sie zumindest dazu beitragen, dass es in Frieden gehe.

Krankheiten, Behinderungen, Tod – „da hat das Gros Respekt und Angst vor“, so auch die Erfahrung von Henrike Gerling-Jacobs. Die 37-Jährige wohnt in Neubruchhausen und ist gelernte Fachkrankenschwester Intensivpflege / Anästhesie. Nachdem sie Mutter geworden war, wechselte sie in die ambulante Kinderpflege – unter anderem wegen flexibleren Arbeitszeiten.

„Es macht Spaß“, sagt sie. Für sie wären ganz andere Berufe schrecklich. „Ich könnte nicht den ganzen Tag an einem Schreibtisch sitzen.“ Mit den harten Seiten des Berufes lerne man umzugehen. „Man stumpft nicht ab“, stellt sie klar. „Man nimmt nur nicht mehr alles mit nach Hause.“

Team muss manchen Eltern absagen

Trotzdem gehe ihr auch nach Jahren noch einiges nach Feierabend durch den Kopf, ergänzt Melanie Kling. Sie hat viele Entwicklungen in der Pflegearbeit miterlebt. „Ich finde die Möglichkeiten, die Patienten heute haben, sind in der ambulanten Pflege besser geworden“, nennt sie einen positiven Aspekt. Doch vieles habe sich auch negativ entwickelt.

Die Personalknappheit und damit auch der Druck seien stärker geworden. „Wir sind am Limit“, bedauert sie. Manchen Eltern müsse das Team von „Krank und klein“ absagen – es gebe nicht genug Personal. Pflegedienstleiterin Anette Fürup bestätigt: „Mitarbeiter zu finden, wird immer schwieriger“. Gerne würde sie mehr Pfleger einstellen – es mangele an Bewerbern.

Attraktivere Arbeitsbedingungen würden helfen, mehr Menschen für diesen Berufszweig zu begeistern, denkt Henrike Gerling-Jacobs. Da könne seitens der Politik noch einiges passieren.

Auch Geld spielt ihr zufolge eine wichtige Rolle. In Häusern, die nach Tarif bezahlen, verdiene man gar nicht schlecht – wenn man denn Vollzeit arbeite. Das könnten viele aufgrund der großen Belastung allerdings gar nicht leisten. Auch Zuschläge seien ein wichtiges Thema. „Es arbeitet sich an Heiligabend leichter, wenn ich weiß, dass ich mehr Geld bekomme.“ Angesichts der Arbeitsbedingungen fragt sich die 37-Jährige: „Was ist der Gesellschaft die Pflege noch wert?“

Forderung: Ausbildungen nicht zusammenlegen

Kritik üben sie und Kling auch an der vom Familien- und Gesundheitsministerium angestrebten Umstrukturierung der Krankenpflegeausbildung. Dabei sollen Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege in einem Ausbildungsgang zusammengeführt werden. Dafür sind die einzelnen Ausbildungsschwerpunkte zu komplex, ist Jaqueline Schmidt aus Syke überzeugt. 

Die 23-jährige Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin hat im September ihr Examen abgelegt und arbeitet ebenfalls bei dem Kinderpflegedienst. „Ich wusste schon immer, dass ich in die Pflege möchte“, sagt sie. Besonders die Arbeit mit mehrfach Schwerbehinderten reizt sie. 

„Weil die viel zurückgeben können – zum Beispiel mit ihrer Gestik und Mimik.“ Es gibt sie also noch, motivierte Nachwuchspfleger. Schmidts Kolleginnen Gerling-Jacobs und Kling bereuen ihre Berufswahl ebenfalls nicht. Klings Mutter ist mittlerweile übrigens auch überzeugt von der Berufswahl ihrer Tochter. „Heute ist sie unheimlich stolz auf mich“, berichtet diese.

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