Bürgermeister besucht Sulinger Moschee

„Definitiv keine Schuldzuweisung“ an Gemeinden

Vor der Sulinger Ditib-Moschee stehen Frauensprecherin Seher Asik, Gemeindevorsitzender Nevzat Güneysu, Imam Metin Özlü und Bürgermeister Dirk Rauschkolb (von links).
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Zum Gespräch in der Sulinger Ditib-Moschee trafen sich am Freitag Frauensprecherin Seher Asik, Gemeindevorsitzender Nevzat Güneysu, Imam Metin Özlü und Bürgermeister Dirk Rauschkolb (von links).

Sulingen – „Das hat mich sehr belastet, und ich fühlte mich überrumpelt“, berichtet Seher Asik, Frauensprecherin der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Sulingen. Bei ihrem Nachtdienst in der Sulinger Klinik und später beim Abholen ihrer Kinder sei sie darauf angesprochen worden. Die Rede ist vom Artikel „Maskenpflicht gilt ab Samstag“ in der Freitagsausgabe unserer Zeitung.

Der darin enthaltene Satz, wonach Bürgermeister Dirk Rauschkolb aus der Kreisverwaltung den Hinweis erhalten habe, das Gespräch mit der muslimischen und der ezidischen Gemeinde in Sulingen zu suchen, sei verstanden worden als Versuch, die Muslime verantwortlich zu machen für die aktuell hohe Zahl der Corona-Infektionen in Sulingen.

„Das ist in der Presse verkürzt dargestellt worden“, betont der Bürgermeister am Freitag bei einem Gespräch in den Räumen der Türkisch-Islamischen Gemeinde. Es gehe gar nicht um Muslime alleine, und es werde auch kein Fehlverhalten vorausgesetzt, sondern es solle nur auf das Einhalten der Regeln hingewiesen werden – „aber das gilt für alle Glaubensrichtungen. Es ist definitiv keine Schuldzuweisung, sondern es geht um Aufklärung.“ Da müsse er auch Landrat Cord Bockhop in Schutz nehmen, denn der könne nicht alle Ansprechpartner in seinem Landkreis kennen. Stattdessen habe er, Rauschkolb, angeboten, aufgrund seiner guten Kontakte zu den hiesigen Gemeinden das Gespräch zu suchen, aber das sei eben bis Freitag noch nicht erfolgt.

Keine Vorwürfe an einzelne Bevölkerungsgruppen

Gegen Vorwürfe in Richtung einzelner Bevölkerungsgruppen verwahrt er sich: „Sulingen steht für ein friedliches Zusammenleben, auch wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, darauf bin ich auch stolz als Bürgermeister.“ Als Beleg verweist er auf die mitgebrachte Plakette mit der Aufschrift „Respekt!“, die als Ausdruck dieser Haltung am Rathaus und an allen städtischen Gebäuden und Einrichtungen angebracht werden solle. Es sei in der Krise nicht sinnvoll, sich gegeneinander aufzuwiegeln: „Corona hat die Gesellschaft im Negativen verändert, weil es die Gemeinschaft zerstört.“

Für eventuelle Vorwürfe in Bezug auf die Einhaltung der Corona-Regeln sehe die Türkisch-Islamische Gemeinde keine Grundlage: „Hier gab es ja keinen Ausbruch, deswegen haben wir uns gewundert, warum wir angesprochen werden“, sagt Seher Asik. Im Gegenteil, ergänzt Gemeindemitglied Abdullah Kayrancioglu, es gebe ein detailliertes Hygienekonzept für die Gemeinderäume, das der Bundesverband Ditib, dem die Gemeinde angehört, zusammen mit den Behörden erarbeitet habe, so wie für alle anderen Vereine auch. Dazu gehöre beispielsweise, dass am Eingang die Hände desinfiziert werden müssen, dass Masken zu tragen sind und dass die Kontaktdaten erfasst würden. Für jeden Raum sei festgelegt, wie viele Personen sich gleichzeitig darin aufhalten dürfen, jeder Besucher bringe seinen eigenen Gebetsteppich mit oder nutze eine Einmalunterlage aus Papier. Davon könne sich auch jeder überzeugen, betont er: „Wir sind eine offene Gemeinde und für alle zu erreichen; wir fühlen uns eigentlich sehr wohl hier.“ Es könne aber nicht sein, dass sich die muslimischen Mitbürger nun rechtfertigen sollen – „darüber waren wir doch eigentlich schon längst hinweg.“ Schließlich sei die Gemeinde offen für das Gespräch: „Wir gehören zur Gesellschaft und leisten unseren Beitrag.“

Impfangebote wahrnehmen

Auch Imam Metin Özlü bekräftigt, dass sich die Gemeinde an die Maßnahmen halte. Darüber hinaus seien die Imame gerade vom Ditib-Landesverband aufgefordert worden, in ihren Gemeinden über die Corona-Impfungen zu informieren und ihre Mitglieder zur Teilnahme anzuhalten. „Die Impfung ist ein Thema in der Gemeinde“, bestätigt Seher Asik, aber bei der Vergabe der Impftermine hätten die Mitglieder ähnliche Schwierigkeiten erlebt wie die übrige Bevölkerung auch.

Auch er habe den Auftrag erhalten, auf das Impfangebot hinzuweisen, ergänzt Dirk Rauschkolb. Die Impfung sei das Wichtigste, um möglichst bald wieder eine Normalität zu erleben, und bis dahin müsse sich jeder bestmöglich schützen.

Wir gehören zur Gesellschaft und leisten unseren Beitrag.

Abdullah Kayrancioglu

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