Kassenärztliche Vereinigung prüft Möglichkeiten für Planungsbereich Sulingen

Plan für den Notfall: Ein Hausarzt als Angestellter

Sulingen/Verden - Von Anke Seidel. Ausschließlich als Hausarzt für die Patienten wirken – ohne lästige Bürokratie und die unternemerischen Risiken einer eigenen Praxis mit Angestellten: Es ist der Traum vieler Mediziner, das zu verwirklichen. Und es ist der Notfallplan der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), wenn die Versorgungssicherheit in einem Planungsbereich nicht mehr gegeben ist. Deshalb denkt die KV zurzeit darüber nach, im Planungsbereich Sulingen selbst Hausärzte einzustellen.

Diese Überlegungen bestätigte gestern auf Nachfrage Lea Verwohlt als Assistentin der Geschäftsführung bei der KV Verden. Die Idee ist im emsländischen Sögel längst Praxis. Weil selbst mit Prämien von bis zu 50000 Euro keine Hausärzte zu gewinnen waren, initierten das medizinische Dienstleistungsunternehmen Patiodoc, die KV Niedersachsen und die Gemeinde ein Pilotprojekt. Die KV stellte den Hausarzt ein, zahlt ihm 6000 Euro im Monat. Er bekam seine Prais gestellt und braucht sich weder um seine Angestellten noch um die EDV oder den Einkauf kümmern – und er kann sich in der ersten Sicherstellungspraxis Niedersachsens auschließlich seinen Patienten widmen.

Umsetzen werde die KV dieses Konzept nur dort, wo der Sicherstellungsauftrag nicht mehr gegeben sei, sagte Lea Verwohlt. Noch sei in Sulingen die Versorgungssicherheit gegeben, erklärte sie. „Aber wir haben den Handlungsbedarf erkannt.“ Denn in den vier für den Landkreis Diepholz relevanten Planungsbezirken der KV hat Sulingen den schlechtesten Versorgungsgrad. Der liegt bei 90, während er im Planungsbezirk Syke fast neun Punkte besser ist (98,7). Diesen Versorgungsgrad errechnet die KV aus dem Verhältnis der niedergelassenen Hausärzte zur Einwohnerzahl.

Für Sulingen kommt erschwerend hinzu, dass Teile dieses Versorgungsbezirks nur eine dünne Besiedlung haben. Die Samtgemeinde Kirchdorf zum Beispiel ist mit 39,67 Bürgern auf einem Quadratkilometer die am dünnsten besiedelte Kommune im gesamten Landkreis. Noch ist kein Planungsbezirk im Landkreis Diepholz unterversorgt, aber allein in Sulingen könnten sich noch vier weitere Hausärzte niederlassen – im Planungsbereich Syke sogar fünf.

„Hinzu kommt der hohe Altersdurchschnitt der Hausärzte. Es ist zu erwarten, dass wir Probleme bekommen“, so Lea Verwohlt. Als Arbeitgeber für neue Hausärzte werde die KV aber nur auftreten, wenn alle anderen Projekte zur Gewinn von Ärzten erfolglos bleiben, betont die Assistentin der Geschäftsführung – und blickt auf die groß angelegte Kampagne „Ärztlich willkommen“ oder das Stipendiaten-Programm des Landkreises Diepholz.

„Uns ist es natürlich noch das Liebste, wenn ein Arzt seine eigene Praxis einrichtet“, so Lea Verwohlt. Das neue Konzept könne für den Arzt auch ein sanfter Start in die Selbstständigkeit sein.

Für die KV bedeutet es in jedem Fall einen Arbeitsauftrag, der sich deutlich von ihrer ursprünglichen Aufgabe unterscheidet. Als Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzte sollte sie einst sicherstellen, dass Mediziner sich gegenseitig keine Konkurrenz machen. Der Ärztemangel hat genau das extrem verändert.

Versorgung

in Zahlen

So sind die vier für den Landkreis Diepholz relevanten Planungsbereiche mit Hausärzten versorgt:

Diepholz (In diesen Bezirk gehören Barnstorf, Barver, Brockum, Dickel, Diepholz, Drebber, Drentwede, Eydelstedt, Hemsloh,

Hüde, Lembruch, Lemförde, Marl, Quernheim, Rehden, Stemshorn, Wagenfeld und Wetschen): Hier praktizieren laut Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung 28,5 Mediziner; Versorgungsgrad: 98,3; Zahl der Niederlassungsmöglichkeit für weitere Hausärzte: 3,5.

Delmenhorst (Delmenhorst, Ganderkesee, Stuhr und Weyhe): 99 Hausärzte; Versorgungsgrad: 96,8; Zahl der Niederlassungsmöglichkeit: 13,5.

Sulingen (Affinghausen, Bahrenborstel, Barenburg, Borstel, Ehrenburg, Freistatt, Kirchdorf, Maasen, Mellinghausen, Neuenkirchen, Scholen, Schwaförden, Siedenburg, Staffhorst, Sudwalde, Sulingen, Varrel und Wehrbleck): Hier praktizieren 17 Hausärzte. Versorgungsgrad: 90; Zahl der Niederlassungsmöglichkeit: 4,0.

Syke (Asendorf, Bassum, Bruchhausen-Vilsen, Martfeld, Schwarme, Süstedt, Syke und Twistringen): 40 Hausärzte; Versorgungsgrad: 98,7; Zahl der Niederlassungsmöglichkeit: 5,0.

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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