WOCHE DER DIAKONIE Beratung für Schwangere – auch in Konfliktsituationen

Kaluza: „Immer ergebnisoffen“

Rund um Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt berät Ortrud Kaluza.
+
Rund um Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt berät Ortrud Kaluza.

Sulingen – „Ich bin 19 Jahre alt, schwanger und nicht in fester Beziehung. Der werdende Vater wird mich nicht unterstützen. Wenn ich das Kind bekomme, muss ich meine Ausbildung abbrechen. Dieser Situation bin ich nicht gewachsen.“

„Die junge Frau hat sich am Ende der Beratung, die nach deutschem Recht für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch erforderlich ist, dagegen entschieden, ihr Kind auszutragen“, berichtet Ortrud Kaluza. Sie bietet im Auftrag des Diakonischen Werks (Kirchenkreisverband Diepholz-Syke-Hoya) und mit staatlicher Anerkennung Schwangerschaftskonfliktberatung an. Dass sich Frauen aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen gegen ein Kind entscheiden, bedaure sie sehr, aber ihre persönliche Überzeugung sei nicht maßgeblich.

„Die Beratung ist immer ergebnisoffen. Es ist mir wichtig, die Frauen in ihrem schweren seelisch-emotionalen Konflikt nicht allein zu lassen. Sie müssen eine Entscheidung finden, mit der sie leben können“, sagt Ortrud Kaluza. In den Gesprächen gelte es, genau zuzuhören, den Klientinnen Hilfsangebote aufzuzeigen, aber sie letztlich in ihrer Position zu stärken, die sie nach Abwägen der Argumente gefunden haben. Der Respekt vor ihrer Gewissensentscheidung wiege dabei ebenso schwer wie der Schutz des ungeborenen Lebens.

Die Schwangerschaftskonfliktberatung macht etwa 30 Prozent der jährlich 240 Gespräche aus, die Ortrud Kaluza mit Hilfesuchenden führt. Ein kleiner Teil ihrer Klientel sucht Beratung nach einem auffälligen Befund in der Pränataldiagnostik, bei postnatalen Krisen oder bei Verlust von Kindern, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind.

Das Gros der Klienten nimmt Schwangerenberatung in Anspruch. Zu dem Angebot rund um alle Fragen zu Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt gehören etwa Hilfe bei der Suche nach Wohnraum oder Kindertagesbetreuungseinrichtungen. Ratsuchende erhalten Informationen über Ansprüche auf Leistungen wie Arbeitslosengeld, Grundsicherung oder Wohngeld, über Mutterschutz oder die Rechte von Schwangeren im Arbeitsleben. Ortrud Kaluza versucht, herauszufinden, wo ihren Gesprächspartnern „der Schuh drückt“. Ihr Ziel ist, sie mit dem Selbstvertrauen auszustatten, eigenverantwortlich und selbstbestimmt ihre Interessen vertreten zu können. Wie alle anderen Angebote ist die Schwangerenberatung offen für Frauen und Männer.

50 Prozent der Klientinnen sind Frauen mit Migrations- oder Fluchthintergrund, die schweres „Seelengepäck“ mitbringen. Besonders schwierig gestaltet sich die Schwangerschaft für Frauen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Zugeschnitten auf ihren Bedarf hat Ortrud Kaluza ein Konzept für einen Geburtsvorbereitungskurs entwickelt, in dem sie zusammen mit einer Hebamme alle Aspekte der neuen Lebenssituation beleuchtet. Er soll im Oktober neu aufgelegt werden.

Ortrud Kaluza bietet, unter Wahrung absoluter Vertraulichkeit, Sprechstunden in Sulingen (Familiengesundheitszentrum Sulinger Land), Bassum und Syke an. Und dank ihrer guten Vernetzung an allen Standorten individuelle und lebenspraktische Unterstützung.

Ortrud Kaluza ist Diplom-Pädagogin, Mediatorin und Systemtherapeutin. Von 1995 bis 2009 war sie im Jugendamt in Syke tätig, seit 2009 bietet sie im Kirchenkreis Syke-Hoya Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung an und seit 2012 auch im Kirchenkreis Diepholz am Standort Sulingen (seit 2018: Kirchenkreisverbund Diepholz-Syke-Hoya).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Japanische Roadsterträume in Italien

Japanische Roadsterträume in Italien

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Federgras in Hülle und Fülle

Federgras in Hülle und Fülle

Meistgelesene Artikel

Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne

Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne

Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne
Dreieinhalb Millionen für das Werk in Drebber

Dreieinhalb Millionen für das Werk in Drebber

Dreieinhalb Millionen für das Werk in Drebber

Kommentare