Knut Teske hält Festvortrag

100 Jahre Leichtathletik in Sulingen: „Kämpferisch und nervenzerfetzend“

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Der Autor und Journalist Knut Teske hielt im Stadttheater die Festrede.

Sulingen – Autor und Journalist Knut Teske, Jahrgang 1942 – er war unter anderem Chefreporter der Tageszeitung „Die Welt“ in Berlin, leitete fünf Jahre die Axel-Springer-Journalistenschule – hielt bei der Feier „100 Jahre Leichtathletik in Sulingen“ am Samstag im Sulinger Stadttheater den Festvortrag. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er sich mit dem TuS Sulingen und dessen Leichtathletikabteilung eng verbunden fühlt, begrüßte viele der Anwesenden persönlich, erinnerte an Personen aus der „Sulinger Antike“, die wichtig für den Verein waren.

1919 sei Sulingen von „grausamer Armut und leer gewordenen Hütten“ geprägt gewesen, trotz dieser Bedingungen habe man die Leichtathletik ins Leben gerufen: „Das bewahrheitet die alte Erkenntnis, dass es Menschen nach Bewegung und Wettkampf drängt.“ In den Zeiten des Nationalsozialismus hätten die Athleten ihren Sport den Vorbereitungen zum Zweiten Weltkrieg opfern müssen: Wehrertüchtigung statt Leichtathletik. Auch wenn man Sulingen zeitweise „Sauflingen“ genannt habe, habe die Abteilung nach 1945 erstaunlich schnell Erfolge verbuchen können: „Es fanden sich Menschen, die Bewegung an frischer Luft den verrauchten Kneipen vorzogen!“ Der Erfolg sei auch den Funktionären geschuldet: „Sie haben ihre Ämter leidenschaftlich, kämpferisch und bis zur Selbstaufgabe ausgefüllt, zugegriffen, während andere noch überlegten, wo sie sich drücken können.“

Anfang der 50er Jahre habe die Abteilung wahre Talente hervorgebracht, und das unter primitiven Trainingsbedingungen. Ein Ausnahmetrainer sei Bruno Vogt gewesen, „unnachgiebig und konsequent. Er wandte sich von Sportlern ab, die nicht so wollten wie er. Das gilt auch für mich: Ich habe ihm nicht geglaubt, dass ich Talent als Mittelstreckenläufer habe.“ Liesel Westermann, die ihm blind vertraute, habe er „groß herausgebracht“. Dass sie als „sauberer bundesdeutscher Star die gedopte Ost-Konkurrenz besiegte“, sei politisch hoch brisant gewesen. Als Spitzen-Leichtathleten des TuS nannte Teske stellvertretend Gerd Dörrie (50er Jahre), Liesel Westermann (60er Jahre), Gerd Nagel (70er Jahre) und Volker Nitsch (80er Jahre).

Heute könne sich Leichtathletik bundesweit nur schwer behaupten. Lichtgestalten wie Malaika Mihambo und Niklas Kaul seien die absolute Ausnahme. „Trainer wie Bruno Vogt gibt es nicht mehr und die Politik bekennt sich nicht zum Leistungsprinzip“, das Sportangebot an Schulen sei „geradezu lächerlich“.

Dabei stehe Leichtathletik für Kampfgeist und Fairness, sei ein Sport für Jung und Alt, der die Psyche forme und die Möglichkeit eröffne, in der Stunde der Entscheidung über sich hinaus zu wachsen. „Leichtathletik ist kämpferisch und nervenzerfetzend. Wie das richtige Leben.“

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