Kabarettist Uli Masuth bereichert knapp 100 Gäste um gute Nachrichten

Feingeist mit scharfer Zunge

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Uli Masuth: „Schön, dass ich hier sein durfte.“

Sulingen - Erklärtes Ziel von Uli Masuth: Das Publikum möge am Ende beschwingten Fußes und um viele gute Nachrichten reicher den Saal verlassen. Der Kabarettist, ein charmanter Feingeist und damit ein ganz untypischer Vertreter seiner Zunft, gastierte am Freitag in der Alten Bürgermeisterei. Mit scharfer Zunge plauderte er sich durch die aktuelle politische und gesellschaftliche Landschaft, gespickt mit subtil-boshaften Kommentaren zum Zeitgeist im Allgemeinen und Besonderen.

Das letzte, was das Publikum von einem Kabarettisten erwarte, seien gute Nachrichten, witzelt Masuth. Das Land der „Katastrophen-Junkies“ habe in dieser Hinsicht gewissermaßen Nachholbedarf: „Die Deutschen lieben es schwarz, allenfalls fröhlich-grau.“ Da stelle sich die Frage, warum die Flüchtlingswelle ausgerechnet nach Deutschland schwappe: „Die Flüchtlinge verwerfen nicht nur die Werte des christlichen Abendlandes, sie verwässern auch unser miesepetriges Gesamterscheinungsbild.“ So mancher wünsche sich Schlagzeilen zurück wie „Die Deutschen sterben aus“ oder „Raum ohne Volk“. Zu entspannten Klängen am Klavier stimmt Masuth die Parole an „Wir schaffen das.“

Die CSU, „verlängerter Arm des Stammtisches“, will das demagogische Potential nicht der AFD überlassen. Masuth spitzt seine Zunge: Ihre „143-Euro-Taschengeld-für-Asylbewerber-sind-zu-viel-Devise“ sei in Relation zu Milliardensubventionen für diverse andere Bundesbaustellen blanker Hohn. Eine Lachnummer auch die populistische Forderung der CSU nach Deutschpflicht in den eigenen vier Wänden: „Das macht Satire aller Couleur überflüssig.“

Die guten Nachrichten purzeln im Minutentakt ins Publikum: Wenn Markus Söder geht, hinterlässt er eine Lücke, die ihn vollkommen ersetzt; Lachs-Brotaufstrich ist empfehlenswert für Verbraucher mit Lachs-Allergie und einen Dritten Weltkrieg wird es nicht geben, da Flinten-(M)uschis Truppen schlechter ausgerüstet sind, als die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste und ein Krieg ohne die Deutschen undenkbar ist. Aber was ist, wenn Putin die DDR zurück haben will? Gute oder schlechte Nachricht?

Masuth, „spätberufener Ossi mit westdeutschem Migrationshintergrund“, träumt von Zeiten, in denen man sich vor der Bundeswehr nach Berlin verdrücken konnte, und vom Urlaub im Süden, als dieser schöner und billiger war („Die neue Armut ist nicht mehr so wie die alte“). Bleibt die Aussicht auf Urlaub im Castelfalfi – aufgekauft von der TUI. Masuth: „Ein toskanischen Dorf ohne die lärmende italienische Geräuschkulisse! Hier können Europäer, Russen, Araber, Amerikaner friedlich zusammenleben – wenn sie es sich leisten können: Die ultimativ gute Nachricht.“

„Schön, dass ich hier sein durfte“, verabschiedet sich Masuth artig. Er dankt den Sulinger Kulturmachern für die angenehme und engagierte Zusammenarbeit und ruft das Publikum auf, das kulturelle Angebot vor Ort zu nutzen. „Das nächste Mal gehen wir ins Theater – zwei Abende“, heißt seine Zielvorgabe für seinen nächsten Besuch in Sulingen. Das Publikum applaudiert und verlässt den Saal beschwingten Fußes und um viele gute Nachrichten reicher.

mks

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