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„Keine Zeit für Pessimismus“ oder: Mit kleinen Dingen die Welt zum Besseren ändern

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Von: Martina Kurth-Schumacher

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„Keine Zeit für Pessimismus“ hatte Kabarettist Matthias Brodowy am Freitag im Sulinger Stadttheater.
„Keine Zeit für Pessimismus“ hatte Kabarettist Matthias Brodowy am Freitag im Sulinger Stadttheater. © Kurth-Schumacher

Sulingen – „Ich hoffe, dass der Titel in Ihr Lebensgefühl passt“, begrüßt Matthias Brodowy das Publikum am Freitagabend im Sulinger Theater. „Keine Zeit für Pessimismus“, heißt seine Ansage in dem gleichnamigen Programm; an dessen Ende sich auch der letzte der 60 Besucher der Möglichkeit bewusst ist, der drohenden Apokalypse mit positivem Denken ein Schnippchen schlagen zu können.

Brodowy, wortgewandter Kabarettist und begnadeter Musiker, analysiert gesellschaftliche Zusammenhänge und thematisiert, was wirklich wichtig ist – nicht in Hau-Drauf-Manier, nicht mit plattem Schenkel-Klopf-Humor, sondern tiefsinnig und berührend poetisch. Er bringt nicht den 1 000. Friedrich-Merz-Witz, sondern beleuchtet eher die unerträgliche um sich greifende Empörungskultur, die Wohlstandsverwahrlosung oder die aktuelle Verschwörungsschwafelei. Oder gut gemeinte Ernährungstipps, die ihm Freunde mit missionarischem Eifer ans Herz legen.

Die Welt ist schön und nicht so finster wie ihr Ruf: Die Alphabetisierungsrate ist gestiegen, der Fortschritt in Medizin und Technik immens, die Bereitschaft zum Ehrenamt beeindruckend. Außerdem ist die Menschheit zivilisierter geworden. „In Woodstock-Zeiten wären wir alle übereinander hergefallen“, ulkt Brodowy. Das wäre allerdings aktuell momentan sowieso nicht möglich. Das Unwort „Corona“ versucht er zu umschiffen, weitgehend gelingt es dem erklärten Grundsatzoptimisten an diesem Abend.

Es seien die kleinen Dinge, mit denen man die Welt zum Besseren verändere: Das Bekenntnis zu lokalen Produkten („Wer braucht in Norddeutschland schon Milch von Weihenstephan?“). Oder ein Besuch im Altenheim mit musikalischer Einlage. Einfach so. Beherzt den hochprozentigen Käse essen. Staunen darüber, dass wir ein kleiner Teil des Ganzen sind; aus Sternenstaub.

Brodowy, katholischer Theologe, Kirchenmusiker und erklärter Metal-Fan, verpackt seine geerdete Weltsicht in schöne Worte und hitverdächtige Songs – inspirierend und ansteckend lebensfroh. Der multitalentierte Künstler verabschiedet sich mit Worten, die von Herzen kommen: „Es ist nicht selbstverständlich, dass Sie in diesen Zeiten hier sind.“ In seinen Dank schließt er das Team ein, das in Sulingen Kultur ermöglicht. Er weiß um den Kraftakt: Nicht von ungefähr ist sein Programm zwei Jahre alt, aber fast „nagelneu“, weil Corona bedingt kaum gespielt.

„Pessimisten haben die Welt noch nie zum Besseren verändert; es waren immer Menschen mit sonnigem Gemüt, die gesagt haben: ‚Da geht noch was.‘“ Das begeisterte Publikum nimmt Brodowys Botschaft mit auf den Heimweg. Und die ultimative Erkenntnis: „Ein Optimist hat nicht weniger Unrecht als ein Pessimist, er lebt aber fröhlicher.“  mks

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