Vittorio Sgariglia beendet erfolgreich Ausbildung beim Sulinger Schuhhersteller

Jetzt geht er Lloyd Shoes richtig ans Leder

Vittorio arbeitet in der Zuschneiderei, hier am Schneidetisch, der Daten aus der Modellabteilung direkt „in Leder“ umsetzt; hinten Nicole Thäte, Dieter Horsten und Barbara Möller (von links).

Sulingen - Handwerklich gelungen. Aber als „schick“ mag Dieter Horsten, Leiter der gewerblichen Ausbildung bei Lloyd Shoes in Sulingen, den Herrenschuh, den Vittorio Sgariglia entworfen und komplett selbst hergestellt hat, partout nicht bezeichnen: „Die Geschmäcker sind ja verschieden.“ Unwahrscheinlich, dass der 24-jährige Italiener mit der Farbvariante „Tricolore“, die sich in der dicken Entwicklungs- und Skizzenmappe zum Modell „Vitos“ findet, in den Augen seines Lehrmeisters eher Gnade gefunden hätte...

Vittorio Sgariglia mit seiner Eigenkreation, das Modell hat er „Vitos“ getauft. - Fotos: Behling

Dabei ist Horsten ansonsten voll des Lobes für den Ex-Auszubildenden, der nicht nur die anfängliche Sprachbarriere mit Energie in Angriff nahm: „Er hat gefragt und gefragt, das war schon manchmal anstrengend. Es saß eine Menge Ehrgeiz dahinter, und die Leistung, die Vittorio hier gebracht hat, bis zum Bestehen der Abschlussprüfung mit der Gesamtnote zwei – Hut ab.“ Es ist also eine Erfolgsstory, deren vorläufiges Happy End am Freitagmorgen Dieter Horsten, Lloyd-Ausbildungsleiterin Nicole Thäte, Barbara Möller, Arbeitgeberberaterin von der Agentur für Arbeit in Diepholz und Vittorio Sgariglia bilanzieren: Er hatte als niedersachsenweit erster Teilnehmer am Förderprogramm für junge europäische Ausbildungsinteressierte und Fachkräfte „The job of my life“ 2013 seine Ausbildung zum Schuhfertiger bei „Lloyd“ begonnen (wir berichteten). Das Programm sei später gut angenommen worden, berichtet Barbara Möller, „aber, wie das so ist mit Förderprogrammen: Es ist ausgelaufen. Aktuell werden ausländische Fachkräfte gefördert, Auszubildende in der Form nicht mehr.“ Hintergrund des Programms war die hohe Jugendarbeitslosigkeit, vor allem in südeuropäischen Ländern. Wie sieht es jetzt in Italien aus? „Die Situation ist schlimmer geworden“, weiß Vittorio Sgariglia, „auch wegen der Flüchtlingskrise – der Staat sagt, dass man dadurch noch weniger Geld zur Verfügung habe, was aber ja so gar nicht stimmt.“

Sehr zu schätzen weiß er das weltweit relativ einzigartige duale System der Berufsausbildung in Deutschland: „Darin werden die Leute wirklich ausgebildet. In südlichen Ländern wird ein Azubi zumeist an einem Arbeitsgang im Akkord eingesetzt.“ Dankbar ist Sgariglia für die vor allem auch organisatorische Unterstützung durch die Agentur für Arbeit. „Da ist eine Menge Herzblut dahinter, damit es auch wirklich funktioniert“, versichert Barbara Möller. „So funktioniert Integration nicht, dass beide Seiten abwarten, was passiert: Man muss aktiv werden, sagen, welche Möglichkeiten es gibt und was erforderlich ist.“ Sie freut sich, dass der 24-Jährige einen Jahresvertrag bei Lloyd Shoes bekommen hat. „Und wenn er keine goldenen Löffel klaut, gibt es einen zweiten und dann die Festanstellung, so läuft das ja heute“, stellt Dieter Horsten schon mal in Aussicht. Vittorio Sgariglia arbeitet jetzt in der Zuschneiderei – dieser Bereich ist genau sein Ding, denn die Verarbeitung von Leder interessiert ihn besonders. Er hat festgestellt: „Eigentlich fängt man jetzt erst an, richtig zu lernen.“ 

 ab

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