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Inklusives Wohnprojekt in Sulingen: Die Gemeinschaft nach außen öffnen

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Von: Harald Bartels

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Eine Gruppe von Menschen im Gespräch auf einer terrasse.
Schon beim Rundgang suchte Christian Wulff (Dritter von rechts) in Begleitung von Marcel Scharrelmann, Torsten Freyer und Vanessa Jainek das Gespräch mit den Bewohnern. © Bartels, Harald

Ex-Bundespräsident Christian Wulff besuchte am Montag das Inklusive Wohnprojekt der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz in Sulingen.

Sulingen – Dass im inklusiven Wohnprojekt der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz in Sulingen am Montag kein gewöhnlicher Besuch empfangen wurde, zeigte sich schon an der Polizeipräsenz rund um die Anlage: Auf Einladung seines Parteifreundes Marcel Scharrelmann, Vorstandsmitglied der Lebenshilfe, informierte sich der frühere Bundespräsident und Ministerpräsident von Niedersachsen, Christian Wulff, über die Einrichtung.

Der Besuch begann mit einer Führung über das Gelände durch Vanessa Jainek, Fachbereichsleiterin Wohnen der Paritätischen Lebenshilfe Schaumburg-Weserland (PLSW), Jörn Frese, Leiter des Bereichs Ambulant betreutes Wohnen der Lebenshilfe, und Torsten Freyer, stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe. Schon dabei suchte der Gast das Gespräch mit den Bewohnern – und erfuhr so von einer Mieterin, dass dies „das schönste Haus überhaupt“ sei.

Fünf Menschen sitzen an einem Tisch und sprechen miteinander.
Den Ausführungen der Bewohner Ariane Ehlers, Marc Broda und Gunnar Logemann lauschten Marcel Scharrelmann und Christian Wulff (von links). © Bartels

Beim Gespräch im Gemeinschaftsraum stellte Frese zunächst die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz kurz vor mit ihren knapp 20 Einrichtungen in Sulingen, Diepholz und Rehden. Etwa 1 000 Menschen erhielten hier von 590 Mitarbeitern Unterstützung in unterschiedlicher Form. Das Wohnprojekt sei hervorgegangen aus einer Bewohnerbefragung im Jahr 2018, bei der unter anderem der Wunsch geäußert worden sei, eine Möglichkeit zu schaffen, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen wohnen. Das sei durch die „casa Baubetreuung“ gelungen, wobei auch darauf geachtet worden sei, dass die Wohnungen für die Menschen aus dem ambulanten Wohnen den Vorgaben für die Grundsicherung entspricht. Es gebe 23 Wohnungen unterschiedlicher Größe, von denen zwölf für das ambulante Wohnen bestimmt sind, führte Frese aus, und zusätzlich seien zwei Wohngruppen in den beiden Häusern untergebracht. Die Wohnungen seien zentral und innenstadtnah gelegen mit der Möglichkeit, andere Menschen zu treffen und soziale Kontakte zu pflegen: „Die Menschen wollen zwar alleine wohnen, aber nicht einsam sein.“

Das bestätigte Bewohner Marc Broda: „Ich fühle mich hier sehr wohl, denn man muss keine Scheu haben, dass man ausgegrenzt wird, weil man ein Handicap hat.“

Inklusion praktizieren für Bewohner und Außenstehende

„Es ist Wahnsinn, wie bereichernd das Leben hier ist“, stimmte Ariane Ehlers zu, die mit ihrem Partner Rico Nölting seit zwei Jahren im Wohnprojekt lebt. Man könne sich mit anderen treffen, aber es sei auch niemand böse, wenn man die Wohnungstür hinter sich verschließt. „Man kann auch mal laut sein, dann freuen sich alle mit – es ist ein ganz tolles Wohnen hier.“ Nölting: „Es ist eine große Gemeinschaft, da ist immer etwas los. Wie zwei Jahre auf Klassenfahrt.“

Hinter dem Projekt stehen jedoch nicht nur Geselligkeit und Spaß: „Es geht darum, Inklusion zu stärken“, betonte Carsten Schlotmann, zuständig für Sozialraum- und Netzwerkarbeit bei der Lebenshilfe. Dabei wolle er „Inklusion im doppelten Sinn“ praktizieren – nicht nur die Bewohner teilhaben lassen an Angeboten außerhalb der Wohnanlage, sondern hier auch etwas anzubieten für Menschen außerhalb des Sozialraums.

„Sie brauchen einen Chorleiter als Mieter, denn Singen ist für alle eine Möglichkeit mitzumachen“, schlug Wulff vor – und nahm damit eine bereits vorhandene Idee quasi vorweg: Tatsächlich habe er bereits Kontakte geknüpft zum Shantychor „Schmalver Buddelschippers“ für ein gemeinsames Projekt, so Schlotmann, denn: „Wir setzen auf Gruppen von vor Ort, auch, um die Nachbarschaft zu stärken.“ Dabei hoffe er auch auf Unterstützung von Wulff, seit Februar 2018 Präsident des Deutschen Chorverbandes.

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