Inklusion im Handballsport: Landesverband billigt TuS Modellcharakter zu

Projekt macht Schule

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Gastgeber des Workshops des Handball-Verbandes Niedersachsen: Die Angehörigen der inklusiven Handballgruppe des TuS Sulingen, die ihren fast 30 Gästen Einblicke in ihren Traingsalltag gewährten.

Sulingen - Das Projekt „Inklusive Handballgruppe“ der Abteilung Handball des TuS Sulingen, eine der ersten dieser Art in Niedersachsen überhaupt, könnte bald landesweit Schule machen: Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) nutzte die Erfahrungen, die die beiden Sulinger Trainerinnen Wiebke Wall und Martina Zimmermann in der Betreuung des noch jungen Projektes gesammelt haben, und bot für Sonnabend im Mittelzentrum einen Workshop an. Doris Birkenbach, stellvertretende Vorsitzende der Jugendkommission des Deutschen Handballbundes (DHB): „Verband und Verein sind auf einem guten Weg, die Idee der Inklusion im Sport weiterzutragen.“

Birkenbach sprach am Sonnabend in Sulingen im Beisein des Präsidenten des Handball-Verbandes Niedersachsen, Wolfgang Ullrich, von Sabine Schmitz, Geschäftsführerin Sport und Events von Special Olympics Deutschlands in Niedersachsen, Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb sowie Annette Lüneburg, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz, und Silke Garlichs, Sportpädagogin der „Delme“-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, über Notwendigkeiten und Chancen inklusiver Angebote, denen sich der (Handball-)Sport nicht verschließen dürfe.

„Grundsätzlich muss die Gesellschaft bereit sein, in allen Bereichen Menschen mit Handicap Möglichkeiten zu eröffnen“, sagte Birkenbach, auch Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Teilhabe und Vielfalt der Deutschen Sportjugend, vor den 30 Teilnehmern aus nahezu allen Teilen Niedersachsens. Aber: „Menschen, die ein Handicap haben, wollen nicht als Behinderte gesehen werden, wenn sie zu uns kommen, sondern als Handballer.“ Der DHB verfolge das Ziel, Menschen mit und ohne Behinderungen in Sportgruppen zusammenführen. „Wichtig ist, dass wir zusammen Sport treiben.“

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Spitzenverbandes stellte verschiedene Modelle aus Deutschland vor; unter anderem das von „Freiwurf Hamburg“, der ersten inklusiven Handball-Liga, in der inzwischen sieben Mannschaften aus vier Vereinen an einem regulären Spielbetrieb teilnehmen. Bundesweit seien beim DHB auf der „Landkarte der Inklusion“ inzwischen knapp 30 Initiativen gelistet, die inklusiven Handballsport anbieten. „Es gibt ganz unterschiedliche Herangehensweisen: Es gibt Initiativen aus Vereinen, es gibt aber auch welche, die kommen von sozialen Trägern. Es gibt Kindergruppen, Erwachsenengruppen, auch Mixed-Gruppen; jeder muss sehen, was zu ihm passt.“

Träger der Sulinger Gruppe ist der TuS. Laut Margret Herzog, neben den Trainerinnen Wiebke Wall und Martina Zimmermann Initiatorin des Projektes, habe man von Beginn an auf die Kooperation mit der Lebenshilfe und den örtlichen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen gesetzt. „Das hat vieles einfacher gemacht. Man braucht gar nicht so wahnsinnig viele Leute, um etwas auf den Weg zu bringen; man muss einfach machen.“ Im August vergangenen Jahres hatte sich die Partner das erste Mal an einen Tisch gesetzt. Gut sechs Wochen später kamen neun Aktive zur ersten Trainingseinheit. Ende Oktober waren es 18 und am „letzten Mittwoch über 30 Personen“, sagte Herzog.

Den sich an den thoretischen Part anschließenden Praxisteil gestalteten Wiebke Wall und Martina Zimmermann. Sie gewährten Einblicke in den Trainingsalltag der Gruppe.

Mit den Ergebnissen des Workhops gibt sich vor allem HVN-Präsident Wolfgang Ullrich zufrieden: „Ich glaube, das war eine runde Sache. Unsere Aufgabe als Verband wird sein, Vereine, die inklusive Gruppen einrichten wollen, mit den Erfahrungen, die die Sulinger gesammelt haben, zu unterstützen. Bisher liegen uns fünf Meldungen von Interessenten vor.“ Ein nächstes Treffen sei für Anfang Juni vorgesehen – im Rahmen der Special Olympics Deutschland in Hannover (6. bis 10. Juni).

oti

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