Reinhard Dieckhoff nimmt nach 37 Jahren Abschied von der Lindenschule

Inklusion geht für ihn anders

Reinhard Dieckhoff nimmt heute Abschied von der Lindenschule und tritt seinen Ruhestand an. - Foto: Behling

Sulingen - Um einen früheren Renteneintritt bemühen sich viele – Reinhard Dieckhoff hingegen hat noch zwei Jahre „drangehängt“, um eine Klasse der Lindenschule bis zu ihrem Schulabschluss begleiten zu können. Doch nun ist es wirklich soweit: Nach 48 Jahren im öffentlichen Dienst, davon 37 Jahre an der Förderschule in Sulingen, ist der 67-jährige Lehrer reif für die „ganz großen Ferien“ und tritt seinen Ruhestand an.

„Ich habe den richtigen Beruf gehabt“, sagt Dieckhoff voller Überzeugung. Und die Lindenschule sei genau der richtige Ort dafür gewesen: „Das war die Pädagogik, die ich brauche – den Menschen zugewandt, emotional, bis hinein in die Familien gehend. Es ging um das Kind, darum, mit ihm zusammenzuarbeiten.“ Nicht immer, aber sehr oft habe diese Arbeit Früchte getragen. „Das ist heute für mich das Schönste, wenn ehemalige Schüler zu mir kommen und sagen: ,Herr Dieckhoff, mir geht es gut, danke‘.“ Dafür, dass die Tage der Förderschulen in ihrer bisherigen Form gezählt sind, findet der 67-Jährige deutlich Worte: Was jetzt als Inklusion bezeichnet wird, „ist sehr gefährlich, weil viele Kinder mit einem Förderbedarf einfach diese Nähe brauchen, um sich zu entwickeln. Für mich ist Inklusion dann erreicht, wenn sie irgendwann einen Beruf ausüben, ihr Leben leben und es keinerlei Rolle mehr spielt, dass sie einmal eine Förderschule besucht haben. Leider werden wir als Lindenschule nun selbst inkludiert, in andere Schulen...“

Schon in seiner Jugend engagierte sich der aus Fürstenau stammende Dieckhoff für andere, etwa als Leiter von Pfadfindergruppen. Der Weg zum „richtigen Beruf“ verlief allerdings recht kurvig: Er verließ das Gymnasium ein Jahr vor dem Abi, „und dann war die Bundeswehr erstmal Auffanglager.“ Die ersten der 48 Jahre im öffentlichen Dienst, 1967 bis 1974. In seiner Bundeswehrzeit lernte Dieckhoff Englisch an der Sprachenschule, absolvierte eine Ausbildung zur Bürohilfskraft, arbeitete für die Nato ein Jahr als Bürokraft in Belgien, erhielt eine Ausbildung zum Bodenfunkmechaniker, im Rahmen des Berufsförderungsdienstes eine weitere zum Radio- und Fernsehmechaniker. Dann der Kurswechsel: Von 1974 bis 1979 studierte er in der Abteilung Vechta der Universität Osnabrück im Rahmen der einphasigen Lehrerausbildung die Fächer Sport und Biologie mit Ausrichtung auf die Sekundarstufe I. „Und dann war keine Stelle frei. Aber ich hatte für einen Teil meines Praktikums an der Sonderschule in Diepholz gearbeitet.“ So war seine Bewerbung an der damaligen Mittelpunktsonderschule Sulingen (im heutigen Jugendzentrum-Gebäude), die sich noch im Aufbau befand, erfolgreich. 1981 wurde die heutige Lindenschule gebaut und bezogen, ein Jahr später Reinhard Dieckhoff zum Beamten auf Lebenszeit ernannt. 1984 bis 1988 absolvierte er ein Zusatzstudium Lernbehinderten- und der Geistigbehindertenpädagogik.

Dankbar ist Dieckhoff vielen Wegbegleitern wie dem langjährigen Leiter der Lindenschule, Hans-Ulrich Freyer. Aber auch den Partnern in den Kooperationen, die Freyer anschob und in denen sich Dieckhoff engagierte, mit der Hauptschule Sulingen und dem Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup etwa, mit Betrieben, die Praktikumsplätze zur Verfügung stellen.

Jetzt möchte Reinhard Dieckhoff mit Ehefrau Maria, ebenfalls pensionierte Förderschullehrerin, einfach die „Freiheit“ genießen, sich um Haus, Garten und die drei Enkelkinder kümmern, reisen – zumindest für ein halbes Jahr. „Dann will ich mich in Projekten engagieren. Vielleicht Deutschunterricht für Asylsuchende oder Sport für Kinder mit Handicap – es gibt viele Möglichkeiten.“ - ab

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