Mutmaßliche Vergewaltigung nach Reload-Festival

Mitarbeiterin der Flüchtlingsunterkunft sagt in Prozess aus

Sulingen - Der Angeklagte, der im August 2016 in Sulingen eine Frau auf dem Heimweg vom Reload-Festival vergewaltigt haben soll, lebte zum Tatzeitpunkt in einer Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Am Mittwoch ging es in dem Verdener Landgerichtsprozess um einen weiteren Anklagevorwurf: die Bedrohung einer Mitarbeiterin der Unterkunft mit einem Messer. Zur Sprache kam auch, dass der Angeklagte schon eine Nacht vor der Vergewaltigung junge Frauen auf dem Festival belästigt haben soll.

Die 54 Jahre alte Geschädigte war im nächtlichen Wachdienst der privaten Einrichtung in Sulingen tätig. Ihren Schilderungen zufolge hat der Angeklagte immer wieder gegen Regeln verstoßen. In der Nacht vom 27. und 28. August war er mal wieder abgehauen. Die Polizei habe ihn zurückgebracht, weil gegen ihn ein Platzverbot für das Festivalgelände wegen der Belästigung von Frauen ausgesprochen worden sei.

Zum Zeitpunkt der Vergewaltigung sei der Angeklagte wieder einmal unabgemeldet unterwegs gewesen. Gegen 3.15 Uhr sei er zurückgekehrt. „Er hat geklopft. Wie so oft nachts“, berichtete die Zeugin. „Er sagte noch: Hab ich viel getrunken. Dann wollte er duschen. Eine halbe bis dreiviertel Stunde später stand die Polizei vor der Tür. Sie wollten wissen, ob in der vergangenen halbe Stunde ein Bewohner reingekommen wäre.“ Die Beschreibung passte zum Angeklagten. Doch der war schon wieder abgehauen.

Sie habe dann die Sachen des Angeklagten zusammengepackt und in den Keller gebracht. In der Nacht darauf klingelte dieser gegen 5 Uhr und wollte rein. Sie habe ihm gesagt, dass er Hausverbot hat und von der Polizei gesucht wird. „Ich war so dusselig und habe die Tür ein Stück aufgemacht.“

An den Oberarmen gepackt und an die Wand gedrückt

Der Angeklagte habe sie in den Flur geschoben. „Er hat mich an den Oberarmen gepackt und an die Wand gedrückt. Er wollte seine Sachen holen.“ Das Messer habe sie erst bemerkt als sie es am Bauch spürte. Der Angeklagte habe sie damit nicht verletzt, lediglich das an ihrer Hose befestigte Schlüsselband durchschnitten. Dann holte er seine Sachen, woran sie ihn nicht hinderte. Dann verschwand der Angeklagte.

In der Unterkunft war man davon ausgegangen, dass er erst 17 Jahre alt gewesen sei, doch daran hat die Staatsanwaltschaft Zweifel. Es wurde ein Gutachten zur Altersbestimmung erstellt, das aber noch nicht in dem Prozess thematisiert wurde. Der Angeklagte soll älter sein.

Regeln akzeptierte er offenbar nicht. „Es gab immer Probleme mit dem Abmelden“, sagte die Zeugin. Während des Ramadans habe es mal Ärger gegeben, weil die Speisekammer verschlossen war als er nachts zurückkehrte. „Er brauchte Öl zum Eierbraten.“ Dann rastete er aus. „Er fing an, Möbel durch die Gegend zu schmeißen. Er war immer sehr fordernd.“ Mit seinem Verhalten sei er aber eine Ausnahme unter den Bewohnern gewesen. 

wb

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Prozess nach mutmaßlicher Vergewaltigung: Nebenklägerin sagt aus

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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