Hundepension „Wolf und Co“ leidet unter Lockdown

Marcus Neulen aus Groß Lessen: „Kleine Unternehmen haben keine Lobby“

Marcus Neulen vor dem Tor zu seinem Hof mit seinen drei eigenen Hunden.
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Vor dem Eingang zur Hundepension: Inhaber Marcus Neulen mit seinen eigenen Hunden.

Groß Lessen – Auf den ersten Blick fällt kaum ein Unterschied auf zu normalen Zeiten: Trotz des Schnees springen die Hunde über die Wiese in Groß Lessen und begrüßen den unbekannten Besucher mit lautem Gebell. Was anders ist, wird erst beim Zählen deutlich, denn es sind deutlich weniger Vierbeiner als sonst. Drei von ihnen gehören Marcus Neulen, die übrigen Tiere sind Gäste seiner Hundepension „Wolf und Co“, die er seit 2015 in dem Sulinger Ortsteil betreibt.

Entstanden sei das Unternehmen aus einer Hundeschule, die er 1999 in Dortmund eröffnete, mit weiteren Filialen in Essen und Gelsenkirchen, berichtet Neulen. Den Resthof in Groß Lessen kaufte er 2013 als Standort für die Pension.

Es sei eine besondere Pension mit einer anderen Form der Haltung als üblich, erläutert der 56-Jährige: Die Hunde würden nicht einzeln in Zwingern untergebracht, sondern in der Gruppe mit seinen eigenen Hunden, und sie könnten jederzeit selbst entscheiden, ob sie sich in den beheizten Räumen oder draußen auf der umzäunten Spielwiese aufhalten wollen. Zudem hätten die Halter jederzeit die Möglichkeit, anhand von Videos und Fotos im Blog zu sehen, wie es ihren Hunden geht. „Diese Form der Haltung finden viele Leute gut, daher habe ich Kunden aus 250 Kilometern Umkreis.“

Drastischer Einbruch durch Corona

Aufgenommen werden Hunde sowohl als Tagesgäste, beispielsweise von berufstätigen Haltern, als auch als Feriengäste, etwa, wenn Herrchen und Frauchen im Urlaub sind. Derzeit allerdings wird das Angebot deutlich weniger genutzt als üblich: „Über die Weihnachtsfeiertage hatte ich diesmal im Schnitt 2,69 Gäste pro Tag. Sonst waren es 14, das ist ein drastischer Einbruch.“ Seit der Eröffnung 2015 sei die Zahl der Gäste Jahr für Jahr gestiegen, und 2019 sei die Pension so gut wie ausgebucht gewesen, sagt Neulen.

Der Grund für den Rückgang sei eindeutig die Corona-Pandemie: Menschen machen weniger Urlaub und benötigen deswegen keine Betreuung für ihr Haustier, ebenso wenig wie Berufstätige, die im Homeoffice arbeiten. Ähnlich sieht es bei der Hundeschule aus: Die Standorte in Nordrhein-Westfalen werden von seiner Partnerin betreut, während Neulen selbst seit September auch in Groß Lessen Kurse anbietet. Ähnlich wie an den übrigen Niederlassungen werden diese Kurse nicht an einem festen Platz angeboten, sondern auf wechselnden öffentlichen Freiflächen vor Ort: „Der Vorteil dabei ist, dass es kein ortsgebundenes Lernen ist. Oft sind Hunde auf dem Hundeplatz gehorsam, aber sobald sie woanders sind, haben sie alle Regeln vergessen.“ Auf diese Weise hat Neulen nach eigenen Angaben bisher mehr als 10 000 Hunde ausgebildet. „Manche Kunden sind inzwischen schon mit ihrem dritten Hund bei uns im Kursus, weil das für sie eine schöne Freizeitbeschäftigung ist.“

Seit November keine Kurse möglich

Seit November kann er jedoch keine Kurse mehr anbieten. Gruppenkurse waren durch die Einschränkungen im Lockdown ohnehin nicht mehr möglich, und die Klärung der Frage, ob Einzelkurse möglich sind, habe sich bis nach Weihnachten hingezogen, aber „durch die neuerliche Verschärfung ist auch das obsolet geworden.“

Die so fehlenden Einnahmen bedrohen langfristig seine Existenz, fürchtet Neulen: „Im ersten Lockdown sind die meisten Kunden bei der Stange geblieben und haben weiter ihre Monatsbeiträge gezahlt, aber jetzt sind schon einige abgesprungen.“ Der Schaden sei nachhaltig, weil nur ein Bruchteil derjenigen, die kündigen, später wieder zurückkomme. „Ich hoffe, dass wir bis zum Frühsommer durchhalten können.“

Verständnis für die Pandemie-Maßnahmen

Dabei wünscht sich der Hundecoach mehr Unterstützung von der Politik: „Ich habe Verständnis für die Pandemiemaßnahmen, und ich neide niemandem die Hilfen, die er bekommt, aber die Politik versucht ein Regelwerk zu finden, dass sie auf alle Betriebe überstülpen kann. Das das funktioniert so nicht.“ Er selbst habe im März eine erste Überbrückungshilfe erhalten, im Sommer jedoch nicht, weil sein Umsatzrückgang nicht groß genug gewesen sei. Und auch das Beispiel Gastronomie, wo kleinere Betriebe genauso behandelt würden wie amerikanische Fast-Food-Ketten mit langen Schlangen am Drive-in, zeige, dass es unmöglich ist ein Regelwerk zu erstellen, das auf jeden Betrieb passt – „das ist auch eine Form von Planwirtschaft.“

Der Ball ist ein beliebtes Spielzeug.

Grundsätzlich stellt Neulen infrage, ob es richtig ist, die Hilfen als starre Zuschüsse zu gewähren. „Die Gefahr des Missbrauchs ist hoch; besser wäre es, die Liquidität zu sichern durch Kredite, die auch nur in der Höhe von den Betrieben abgerufen werden, wie sie tatsächlich gebraucht werden.“ Außerdem sei es langfristig günstiger für den Staat, wenn das Geld nur verliehen und nicht verschenkt wird. Seine Bedenken hat Marcus Neulen zusammengetragen in einem mehrseitigen Schreiben, das er an Ministerien und Parteien schickte, aber „nur die FDP hat bisher darauf geantwortet.“ Sein Eindruck sei, dass sich die Politik der Konsequenzen ihres Handelns oft nicht bewusst ist, stellt der 56-Jährige fest. „Man hat kaum eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen – kleine Unternehmen haben keine Lobby, und man fühlt sich alleingelassen.“

Tierpensionen aus Sicht von Tierschützern

„Tierpensionen sind auf jeden Fall eine gute Sache“, sagt Marita Görges, Vorsitzende des Tierschutzvereins Sulingen und Umgebung. Sie seien eine Möglichkeit, Tiere bei Urlaub oder Krankheit optimal unterzubringen – Tierheime könnten das nicht leisten, weil sie voll seien mit Fundtieren. Es gebe zwar auch Pensionen, die nicht gut sind, aber anhand verschiedener Punkte lasse sich das rasch feststellen. „Das Wichtigste ist, dass die Pension vom Veterinäramt geprüft ist.“ Wichtig sei auch, mit welchem Tierarzt der Betrieb zusammenarbeitet, ob es nur ein bestimmter ist oder ob auch die Möglichkeit besteht, das Tier im Notfall vom Haustierarzt behandeln zu lassen, der es schon kennt. „Vor Ort merkt man auch schnell, ob Sympathie da ist und ob die Leute auf den Hund eingehen und Fragen stellen, denn jeder ist anders.“ Auch sollte überprüft werden, ob die Anlage sauber und ordentlich ist und wie die Spielwiese aussieht, empfiehlt Görges. Schließlich sollten die Halter darauf achten, wie sich das Tier nach dem Aufenthalt in der Pension verhält und wie das Fell aussieht. Ob über das Internet täglich verfolgt werden kann, wie es dem Tier geht, sei auch eine Entscheidungshilfe. Auf jeden Fall gelte: „Die Halter sollten lieber etwas mehr Geld ausgeben für eine gute Betreuung.“

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