Mitarbeit im Tierheim Sulingen-Lindern

Mike Huchel ist Hunde-Coach ‒ Wann Schluss ist, bestimmt der Vierbeiner

Seit dem Frühjahr arbeitet Hunde-coach Mike Huchel mit den Hunden des Tierheims Lindern.
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Seit dem Frühjahr arbeitet Hunde-Coach Mike Huchel mit den Hunden des Tierheims Lindern.

Mikel Huchel lebt in der Gemeinde Affinghausen. Er ist Hunde-Coach. Ehrenamtlich engagiert er sich für den Tierschutzverein Sulingen und Umgebung im Tierheim in der Sulinger Ortschaft Lindern.

Sulingen – Das vom Tierschutzverein Sulingen und Umgebung betriebene Tierheim in Lindern hat Verstärkung bekommen: Seit April unterstützt Hunde-Coach Mike Huchel die Arbeit in der Einrichtung.

Im März sei er, aus dem Landkreis Osnabrück stammend, nach Affinghausen gezogen, wo er „mit Alpakas, drei Schäferhunden und meiner Frau“ lebe, sagt der 52-Jährige. Er habe sich umgesehen, was es in der Region an Tierheimen gebe, und dann in Lindern angefragt, ob Interesse an einer Zusammenarbeit bestehe.

„Jeder Hund ist speziell“

Interesse bestand – und so kümmert sich Huchel seit April um die Hunde in der Einrichtung. „Jeder Hund ist speziell“, weiß der Coach: Viele Hunde hätten überhaupt keine Erziehung genossen, andere seien misshandelt oder nicht artgerecht gehalten worden. „Darauf muss ich eingehen, aber es gibt eigentlich immer ein Happy End.“

Oft hätten die Hunde das Vertrauen in den Menschen verloren, und das müsse wieder aufgebaut werden. „Wenn das geschafft ist, können wir mit der Ausbildung beginnen.“ Das gelinge über positive Bestärkung wie Futter, Spielen, vielleicht auch über Körperkontakt – selbst bei Hunden, die aus Unsicherheit oder Angst gebissen haben: „Das ist der Versuch des Hundes, Distanz zu schaffen, und an seinem Verhalten erkenne ich, wie weit ich gehen kann.“

Deutlich zieht „Johnny“ an der Leine.

Dabei setzt Huchel auf Erfahrung: Er sei zwar Kfz-Technikermeister, aber in der Familie habe man in den vergangenen 25 Jahren immer einen Hund gehabt, und von 2012 bis 2018 habe er nebenbei eine Hobbyzucht für altdeutsche Schäferhunde betrieben. Zudem habe er viel in Hundeschulen mitgearbeitet und dabei das Ausdrucksverhalten und die Kommunikation zwischen Hunden studiert. „Das Interesse daran wurde immer größer und schließlich habe ich mich entschieden, das zu meinem Beruf zu machen – das hätte ich schon viel eher tun sollen.“

Den Trainerschein erwarb er 2018 und legte die erforderliche Prüfung beim Veterinäramt Diepholz ab. „Ich sehe mich aber nicht als Hundetrainer, sondern eher als Coach für die Menschen, denn wenn der Mensch das anwendet, was wir trainieren, sind schon 70 oder 80 Prozent erreicht.“

Rüde „Johnny“ läuft entspannt mit dem Hundecoach.

Bislang habe er „noch nie einen Hund nicht hingekriegt, aber der Hund gibt vor, wie lange die Ausbildung dauert.“ Wichtig sei nur, dass das Tier gesund sei und keine Schmerzen habe. Zunächst sehe er sich den Hund an und erarbeite dann für ihn einen Trainingsplan, erläutert Huchel. Danach arbeite er jeweils für zehn bis 15 Minuten mit dem Vierbeiner und beende die Einheit immer mit einer Belohnung. Fast täglich sei er inzwischen im Tierheim und arbeite etwa zwei Stunden mit den Schützlingen; außerdem führe er interne Workshops mit den Mitarbeitern und Helfern durch.

Er arbeite vor allem mit der Körpersprache, denn die werde vom Hund besser verstanden. So seien schneller Lernerfolge zu erzielen, und es werde ohne Druck erzogen.

Erziehung ohne Druck

Eine wichtige Rolle spielt Huchel auch bei der Vermittlung von Hunden an neue Familien: Wenn Interesse an einem Tier des Tierheims besteht, fahre er im Vorfeld zur möglichen neuen Heimat des Hundes und sehe sich an, ob die Umgebung passe und wie viel Zeit die neuen Halter für den Hund haben. Erst dann werde der Hund ihnen vorgestellt, und sie könnten zwei oder drei Mal mit ihm spazieren gehen, damit schon eine gewisse Bindung entstehe. Dabei werde auch abgeklärt, wie die Bedürfnisse der Familie aussehen und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit der Alltag klappe, denn „der Hund soll ein vollwertiges Familienmitglied werden und alle anderen Mitglieder akzeptieren.“

Darüber hinaus bietet Huchel auch eine Nachsorge für die neuen Halter an: „Das ist eine Möglichkeit, ein gutes Hund-Mensch-Team zu bilden, und ich bin auch weiter für Fragen da, damit die Hunde auf keinen Fall wieder im Tierheim landen.“ Die Nachsorge sei zunächst auf zehn Stunden ausgelegt, aber die meisten wollten weiter betreut werden. Während er die Arbeit im Tierheim und die Vermittlungsvorbereitung ehrenamtlich aus Interesse am Tierschutz leiste, sei die Nachsorge eine Dienstleistung, aber „das wird gut angenommen.“

Hund-Mensch-Team

„Für uns ist das eine großartige Ergänzung“, sagt Christine Nordenholz vom Tierschutzverein. Hunde, die gewisse Auffälligkeiten hätten, seien schwierig mit gutem Gewissen zu vermitteln, aber durch die Zusammenarbeit mit Huchel „gewinnen wir viel Sicherheit.“

Nähere Informationen zur Arbeit des Hundecoaches sind auch unter www.der-rudel-coach.de online zu finden.

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