„Die Zeit ist ein Geschenk“ 

Hospiz „ZUGvogel“: Einrichtungsleiterin wird Petra Brackmann

„Die Zeit, die mir bis zur Eröffnung bleibt, ist ein Geschenk“, sagt Petra Brackmann. Die Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen ist seit April in Teilzeit für den Verein Palliativstützpunkt Landkreis Diepholz tätig. - Foto: Schlotmann

Sulingen - „Die Zeit, die mir bis zur Eröffnung bleibt, ist ein Geschenk“, sagt Petra Brackmann. Die Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen ist seit April in Teilzeit für den Verein Palliativstützpunkt Landkreis Diepholz tätig. Mit der Eröffnung des Hospizes im Frühjahr kommenden Jahres übernimmt sie die Einrichtungsleitung. Die Zeit bis dahin wolle die 45-Jährige nutzen, um „viele Eindrücke mitzunehmen“ und „ein tolles Paket“ zu schnüren. Im Juli sollen die Arbeiten zum Hospiz im östlichen Teil des Wiesenweges beginnen. Die Grundsteinlegung kündigt die 45-Jährige für August an.

Im Team des Vereins Palliativstützpunkt Landkreis Diepholz, das sich auch in Zukunft weiter in Kooperation unter anderem mit Pflegediensten, Ärzten und ambulanten Hospizdiensten um die Pflege und die Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden bemüht, sei Brackmann längst angekommen, sagt sie. Sie spricht von einem funktionierenden Netzwerk, das im Juni kommenden Jahres durch die stationäre Einrichtung komplettiert werde. „Der Wunsch der meisten Menschen, zuhause zu versterben, ist in der Realität leider nicht immer umsetzbar.“

Der Name des Hospizes für die Landkreise Diepholz, Nienburg und Verden, „ZUGvogel“, sei mit Bedacht gewählt. Für die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter des Vereins Palliativstützpunkt stehen Zugvögel für „große Freiheit“. Brackmann: „Man bietet ihnen Schutz und Geborgenheit, damit sie Kraft schöpfen, um weiterzuziehen.“

In der Logo-Entwicklung in Zusammenarbeit mit der Sulinger Agentur „Chriss-idee“ habe man bewusst auf Grün- und Erdtöne gesetzt. „Die Natur ist ein Prozess. Leben und zu sterben gehören zu diesem Prozess dazu.“

Petra Brackmann blickt ihrer zukünftigen Aufgabe gespannt entgegen. Sie selbst bezeichnet sich als ein „Kind der Region“. Aufgewachsen ist die heute 45-Jährige in Windhorst, einem Ortsteil der Gemeinde Warpe im Nachbar-Landkreis Nienburg. Nach Ende der allgemeinbildenden Schulzeit absolvierte sie an der damaligen Krankenpflegeschule am Krankenhaus Sulingen die Ausbildung zur Krankenschwester. Dem Haus an der Schmelingstraße ist sie bis zur Aufnahme ihrer Tätigkeit beim Palliativstützpunkt treu geblieben. „Zuletzt in der Leitung der Intensivstation.“ Nicht missen möchte sie die Weiterbildungen, die sie berufsbegleitend absolviert hat; etwa die zur zur Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen (2013 bis 2015, „Um über den Tellerrand zu blicken“) – oder unter anderem auch die mit dem Titel „Palliative-Care“.

Ohnehin scheint der Klein Lessenerin der Blick über den Tellerrand wichtig: „Aktuell hospitiere ich, wenn immer Zeit ist, in anderen Einrichtungen.“

Zwei Arbeitstage lang begleitete sie zuletzt die Mitarbeiter des Hospizes „brücke“ in Bremen, einen Tag die des Lilge-Simon-Stifts, einem Hospiz der Johanniter in der Hansestadt, wo schwerkranke und sterbende Menschen in ihren letzten Lebenswochen begleitet werden. Kontakte pflege sie genauso zu Mitarbeitern einer ähnlichen Einrichtung in Hamburg.

Die Zeit bis zur Eröffnung des Hospizes „ZUGvogel“ will Petra Brackmann nutzen, um auch die außerfachlichen Verbindungen in die Landkreise Diepholz, Nienburg und Verden zu intensivieren. Nicht zuletzt, um für die Hospiz-Bewegung im Allgemeinen und das Hospiz „ZUGvogel“ im Speziellen zu werben. „Wir müssen den Hospiz-Gedanken aus der Tabu-Zone herausholen.“

Unter anderem will die 45-Jährige Künstler für Ausstellungen in dem zukünftigen Hospiz begeistern, Autoren für Lesungen, Ehrenamtliche für die Mitarbeit im Allgemeinen. „Für die Bewohner soll das Hospiz ein echtes Zuhause werden“, sagt Petra Brackmann, „auch wenn es ihr letztes ist. Dafür brauchen wir Hilfe.“ - oti

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