Horst Müller bringt Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zusammen

Keine Eintagsfliege

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Horst Müller (2.v.l.) gestaltete am Mittwochmittag den Workshop in den Räumen der „Delme“-Werkstätten.

Sulingen - Edeltraut Buscher ist Beschäftigte der „Werkstatt für Industrie und Dienstleistung“ (WID) am Hasseler Weg in Sulingen. Mittwochmittag verließ sie ihren angestammten Arbeitsplatz und begab sich in die Räume der benachbarten „Delme“-Werkstätten. Der Lions Club Sulinger Land führte Menschen mit Beeinträchtigungen und ohne zu einem Kreativ-Workshop zusammen. Ideengeber und Begleiter des Workshops: Der aus Buxtehude stammende Künstler Horst Müller, geistiger Vater und Motor des Projektes „Even hands can see“; zu Deutsch: „Auch Hände können sehen.“

Fünf Workshops hat der Lions Club Sulinger Land für Mittwoch und Donnerstag vorgesehen, drei am Mittwoch in den Räumen der „Delme“, zwei am Donnerstag im „TAFF“, dem Sozialpsychiatrischen Tageszentrum von „Bethel im Norden“ an der Nienburger Straße.

Mathias Landwehr und Ralf Röhr, Präsident und Activity-Beauftragter des Lions Clubs Sulinger Land, sprechen von insgesamt 50 Teilnehmern. „Menschen mit Beeinträchtigungen und ohne“, sagt Ralf Röhr.

Horst Müller, von Haus aus Wirtschaftsingenieur, genießt mit seiner Philosophie „Even hands can see“ zwischenzeitlich weltweit Anerkennung.

Mit einer von ihm entwickelten Gipszusammensetzung, aufgebracht auf Sperrholzplatten, und mit Pinsel und Farbe, zum Teil auch unter Einsatz von (Edel-)Metallen, kreiert er Kunstwerke, in deren Genuss nicht nur Sehende kommen, sondern die auch Blinde und Menschen mit Sehbehinderungen erfühlen können.

Den Weg zur Kunst eröffnete sich Müller nach eigenen Angaben erst vor „gut sieben Jahren“.

Als Wirtschaftsingenieur war er weltweit unterwegs, wurde dann in Florida mit einer Werkzeugschleiferei heimisch. Die leitet inzwischen sein Sohn Eike. Seitdem verbringt er den Winter in Florida, den Sommer im heimischen Buxtehude. „Ich habe etwas gesucht, um loslassen zu können“, sagt der heute 74-Jährige. Erste Arbeiten mit Pinsel und Leinwand wurden schnell zu langweilig. „Ich bin ein Mensch, der Struktur braucht; auch in der Kunst.“ Das Arbeiten mit Gips lag nahe.

Erste Ausstellungen gestaltete der Künstler 2010 in Florida. Durch die Beschaffenheit seiner Werke sei schnell der US-amerikanische Blindenverband (National Federation of the Blind), später auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband auf die Arbeiten Müllers aufmerksam geworden.

Die Idee, seine Fertigkeiten weiterzugeben, entstand bei Auftragsarbeiten in Moskau. Die Besitzer eines Fünf-Sterne-Hotels hätten ihn gebeten, Dekorationen zu übernehmen. „Dabei ergab sich der Kontakt mit dem örtlichen Blindenverein, mit dem zusammen die Workshop-Idee entwickelt wurde.“

Inzwischen ist Horst Müller nicht nur in deutschen Galerien gern gesehener Gast, sondern stellte unter anderem 2012 im Hamburger Rathaus und ein Jahr später während des Kirchentages in der Hansestadt aus. Workshops gestaltet er nicht nur in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, sondern zum Teil auch öffentlich; wie auf dem Buxtehuder Marktplatz. „Mir ist wichtig, Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zusammenzuführen. Das ist mein Beitrag zur Inklusion.“

In Sulingen sei die Zusammenführung durch Horst Müller gelungen; darüber sind sich laut Ralf Röhr und Mathias Landwehr die Sulinger Löwen einig. Sie hatten den Buxtehuder 2013 während der Lions Clubs International Convention in Hamburg kennen gelernt und für einen Besuch in Sulingen begeistern können. Sie wollen den Kontakt halten und ihn erneut gewinnen, „eventuell für einen öffentlichen Workshop in der Sulinger Innenstadt“, sagen Landwehr und Röhr unisono. Edeltraut Buscher würde es gefallen: „Astrein“, sagt die WID-Beschäftigte. „Einfach spitze.“

oti

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