Veröffentlichung im September

Homeoffice statt Abenteuer: Illustrator Torben Kuhlmann bereitet viertes „Mäusebuch“ vor

Die Maus im Homeoffice: „Eine kleine Illustration, die ich zwischendurch gezeichnet habe“, grüßt Illustrator Torben Kuhlmann aus Hamburg. Illustration: Torben Kuhlmann
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Die Maus im Homeoffice: „Eine kleine Illustration, die ich zwischendurch gezeichnet habe“, grüßt Illustrator Torben Kuhlmann aus Hamburg.

Sulingen/Hamburg - Internationaler Kinderbuchtag 2020 am 2. April: „Die aktuelle Lage hat komplett den Wind aus den Segeln der Buchbranche genommen“, sagt Illustrator Torben Kuhlmann. Der gebürtige Sulinger, für seine „Mäuse“-Bücher mittlerweile weltweit ausgezeichnet, wollte eigentlich das vierte Mäuseabenteuer auf den (abgesagten) Messen in Leipzig und in Bologna vorstellen.

„Aber am Veröffentlichungs-Termin im September halten wir fest – sofern man das gerade mit Gewissheit sagen kann“, sagt Kuhlmann. Und hüllt sich über die Thematik des neuen Werkes noch in Schweigen. Nur so viel: Er arbeite seit dem Spätsommer 2019 mit Hochdruck daran, die 128 Seiten mit Bildern und Texten zu füllen. Und weil das Zeichnen jetzt beendet ist, blieb Zeit für ein Interview, mit Leseempfehlungen.

Welches ist eigentlich Ihr Lieblingskinderbuch gewesen?

Diese Frage bekomme ich natürlich als Kinderbuchautor und Illustrator oft gestellt, eine Antwort darauf ist aber gar nicht einfach.

Ich erinnere mich an schöne Leseabende mit „Winnie Puuh“ oder „Pitje Puck“. Die lebhaftesten Erinnerungen habe ich aber an meine Kinder-Sachbücher. Ich war endlos fasziniert davon, wie Dinge funktionieren – von Elektromotoren bis hin zum Wetter. Und es zeigte sich auch schon, wohin es für mich einmal beruflich gehen würde. Die Illustrationen haben mich nämlich besonders in ihren Bann gezogen und erste eigene Zeichnungen dieser Art inspiriert. Meine Diplomarbeit, und damit mein erstes Bilderbuch „Lindbergh“, begann übrigens als Experiment, diese Sachbucheigenschaften in einen erzählerischen Rahmen einzubauen, mit historischer Kulisse und einer kleinen Prise Technikbegeisterung.

Durfte es auch ein Comic sein?

Aber natürlich, obwohl ich zugeben muss, dass ich damals außer „Asterix“ und „Disneys Lustiges Taschenbuch“ noch nicht viel kannte. Comics als Erzählform entdeckte ich für mich erst viel später.

Gibt es ein Kinderbuch, das Sie als Erwachsener auch noch gerne gelesen haben?

Das „noch“ in der Fragestellung passt nur bedingt. Ich habe, spätestens als ich mit dem Studium der Illustration in Hamburg begann und erste Kinderbuchmessen besuchte, das Genre erst wirklich für mich entdeckt, die große künstlerische Bandbreite erkannt und angefangen, Bilderbücher zu lesen. Zu diesen Entdeckungen zählen beispielsweise die Bilderbücher der Französin Rébecca Dautreme. Darüber hinaus kommen viele Klassiker des Kinderbuchs oder Jugendromans ohnehin ohne Altersbeschränkungen aus, sind also für Erwachsene und Kinder gleichermaßen geeignet. „Alice im Wunderland“, „Pippi Langstrumpf“ oder eines meiner absoluten Lieblingsbücher, „Coraline“ von Neil Gaiman.

Torben Kuhlmann und die Maus.

Hatten Sie ein Lieblingsmärchen? Welches?

Mit Sicherheit kenne ich nicht alle Märchen, an viele habe nur ich eine grobe Erinnerung. Hängen geblieben ist aber besonders „Hänsel und Gretel“ der Gebrüder Grimm, da es als Kind meine Fantasie am meisten befeuerte. Ein unheimlicher Wald, ein merkwürdiges Haus mit einer Hexe darin. Eine surreale Bühne, auf der sich meine Vorstellungskraft damals austoben konnte.

Warum entdeckt man eigentlich erst als Erwachsener, wie grausam viele Märchen sind?

Tatsächlich sind viele Märchen düster, manche sogar grausam. Wie Kinder diese wahrnehmen, hat sicherlich mit der Inszenierung dieser Märchen zu tun, der Art der Sprache und der Illustrationen. Ein Moment wie die Hexe im Backofen bei „Hänsel und Gretel“ oder das Schicksal von Max und Moritz sind grausam, werden aber nicht annähernd so düster in Wort und Bild beschrieben. Und Kinder folgen in ihrer Fantasie diesem von der Inszenierung gesetzten Ton. Als Erwachsener hingegen neigt man eher dazu, diese Situationen objektiver zu betrachten, losgelöst vom Ton der Erzählung. Erst dann wird das Märchen zur Horrorgeschichte.

Können Sie als Illustrator mit eigenem Arbeitsbereich zu Hause besser mit der aktuellen #Stayathomechallenge umgehen?

Um ehrlich zu sein, entspricht ein normaler Arbeitstag als Illustrator oft schon den Kriterien des Social Distancing, in Projekthochphasen sogar der Isolation. Man verbringt die meiste Zeit des Tages schweigend über den Zeichentisch gebeugt, und wenn man es schafft, in einen fast meditativen Arbeitsfluss zu kommen, vergisst man sogar die Nahrungsaufnahme – von einem Plausch mit Kollegen in der Kaffeeküche ganz zu schweigen. Insofern bin ich gerade ganz gut eingestellt auf die aktuellen Beschränkungen. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass sich die Decke über einem lockert und droht, auf den Kopf zu fallen – auch in Vor-Corona-Zeiten erlebte ich das schon.

Hätten Sie Tipps?

Es ist ein glücklicher Umstand, dass meine berufliche Tätigkeit, das Malen, Zeichnen und Schreiben, eine geradezu therapeutische Tätigkeit sein kann. Aber dennoch kann es zu Problemen kommen, vor allem, weil sich Tage mit der Zeit kaum voneinander unterscheiden. Ich habe festgestellt, dass ich im Homeoffice Rituale brauche. Das fängt schon mit Kleinigkeiten an, nach dem Aufstehen das Bett zu machen, Ordnung zu halten. Hilfreich sind feste Zeiten für den Start in den Tag, manchmal erzwungene Pausen, feste Einkaufszeiten. Und mir hilft es sehr, vor dem Arbeitsbeginn einmal an die frische Luft zu kommen, um nicht direkt aus dem Bett an den Schreibtisch zu gehen. Zum Glück ist das ja bisher auch noch möglich. All das verhindert, dass Arbeit und Freizeit zu sehr ineinander driften.

Was fehlt Ihnen am meisten?

Einfache Dinge wie Essengehen oder der Kinobesuch fehlen schon. Das sind aber Dinge, die warten können. Und natürlich freue ich mich sehr darauf, in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft wieder ganz selbstverständlich nach Sulingen fahren zu können, um meine Familie zu besuchen.

Infos:

Unter dem Motto „Kurze Geschichten für lange Tage“ bietet der NordSüd-Verlag honorarfrei Inhalte an, die Lehrkräften und Eltern zur Verfügung gestellt werden, damit diese sie mit Kindern teilen können. Mehr als 35 Künstler haben sich bis Mittwoch mit Vorlesevideos, Malvorlagen, Bastelanleitungen und Rezepten beteiligt. „Gleichzeitig bieten wir allen Lehrkräften, die Videos mit ihren Schützlingen teilen möchten, fast unser gesamtes Bilderbuchprogramm zur freien Nutzung an“, heißt es in einer Verlagsmitteilung. Alle Inhalte im Internet: www.nord-sued.com/corona

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