Zirkusfamilie Köhler überwintert in Gaue

„Circus Belly“: Hoffnung auf Neustart im Frühjahr

Ein Mann lässt sich von einem Alpaka beschnuppern.
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Täglich kümmert sich Hans Köhler um die Tiere des Familienunternehmens.

Sulingen – Das große Zelt des „Circus Belly“ ist am Donnerstag abgebaut und sicher auf einen Anhänger verladen. Der Grund dafür ist jedoch nicht eine baldige Abreise, sondern das Herannahen von Sturmtief „Ignatz“: Familie Köhler bleibt mit ihrem Zirkusunternehmen weiter in der Sulinger Ortschaft Gaue – und das wenigstens bis zum kommenden Frühjahr.

Das Zelt beherbergte zuletzt den „Hüpfburgenpark“ (wir berichteten), mit dem die Familie zumindest einige Einnahmen für den Unterhalt ihrer Tiere, darunter Pferde, schottische Hochlandrinder, Esel, Kamele und Alpakas, erwirtschaften konnte. „Das hat sich so hingeläppert“, sagt Seniorchef Hans Köhler. Geholfen hätten aber vor allem die zahlreichen Futter- und Heuspenden, insbesondere von heimischen Landwirten. „Das hat uns sehr gefreut, und es war eine große Ehre für uns, dass so viele ihre Hilfe angeboten haben.“

Erleichtert worden sei das sicher durch den Umstand, dass der Zirkus schon seit mehr als 50 Jahren immer wieder in Sulingen Station mache: „Ich kenne viele der Landwirte, zum Teil habe ich schon ihre Väter gekannt – und meine älteste Tochter ist vor 52 Jahren in Sulingen getauft worden“, verrät der 74-Jährige. Sehr gerne erinnert er sich an den Schützenplatz am Hallenbad als Auftrittsort in Sulingen: „Das war eine Wucht!“

Mit Tieren nur schwer ein Platz zu finden

An Vorstellungen ist derzeit jedoch nicht zu denken, stattdessen richtet sich die Familie nun für das Winterquartier ein. Sonst habe man dafür einen leer stehenden Bauernhof genutzt, aber das sei diesmal nicht möglich. Daher habe man die Fläche an der Bundesstraße 214 in Gaue gemietet, auf der Köhlers seit Monaten zu Gast sind. „Es ist sehr nett vom Eigentümer, dass er uns hier stehen lässt“, betont Hans Köhler.

Für einen Zirkus mit Tieren sei es sehr schwierig, einen Standplatz zu finden, „ohne Tiere wäre es kein Problem.“ Sich von ihnen zu trennen, komme jedoch nicht in Frage: Schließlich kämen sie schon jung zum Zirkus und würden hier ausgebildet, und wenn sie nicht mehr auftreten können, erhielten sie ihr „Gnadenbrot“. „Sie bleiben bei uns, bis sie einschlafen, sie sind wie Menschen für uns“, versichert Hans Köhler.

Weiter sehr dankbar für Futter- und Heuspenden

In den vergangenen Monaten hätten sich viele Besucher angesehen, wie die Tiere hier untergebracht sind. Die kommenden Wochen würden sie weiter in ihren Stallzelten verbringen, denn „sie sind die frische Luft gewohnt.“ Allerdings werde die Familie einige der Wagen als Windschutz um die Zelte herum aufstellen. Auch die tägliche Arbeit mit ihnen werde weitergehen, denn sie diene der Beschäftigung und der Bewegung. Das gelte auch für seine 20 und 22 Jahre alten Enkelsöhne, die weiter ihre artistischen Darbietungen trainieren müssten. „Die Knochen, Muskeln und Sehnen müssen geschmeidig bleiben, um nicht steif zu werden.“ Da spreche er aus eigener Erfahrung als Artist auf dem Hochseil. Dennoch würden sie sich, ebenso wie sein Sohn, eine bezahlte Beschäftigung für die Wintermonate suchen, aber „für Spenden für die Tiere sind wir weiter sehr dankbar.“

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Bereits seit etwa 300 Jahren werde in der Familie die Zirkustradition gepflegt: „Zirkus ist ein schönes Leben – aber ein schwieriges.“ Und es werde immer schwieriger, angesichts der verschiedenen Auflagen und Anordnungen für das Gewerbe, die sich teilweise auch noch von Landkreis zu Landkreis, von Stadt zu Stadt unterschieden.

Wie es mit dem „Circus Belly“ weitergeht, sei noch nicht sicher. Die Stadt Sulingen habe in Aussicht gestellt, dass der Zirkus im Frühjahr für drei Wochen auf dem „Informa“-Gelände gastieren könne, und dann hoffe man, auch wieder unterwegs sein zu können. Hans Köhler: „Wir wollen so schnell wie möglich wieder starten, wenn ,die Gesundheit wieder mitspielt‘.“

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