Bauhof setzt auf Spezialdünger

Hilfe für gestresste Stadtbäume in Sulingen

Vier Männer streuen Dünger an einen Straßenbaum.
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Unter den Augen von Bauhof-Leiter Heiko Stamme (rechts) düngt „Oscorna“-Mitarbeiter Michael Seils gemeinsam mit den Bauhofgärtnern Heiko Bodtke und Thomas Marquardt (von links) einen Baum.

Sulingen – Dass am Mittwoch, mitten im Hochsommer, Gärtner des Sulinger Bauhofs Dünger an Straßenbäumen ausbrachten, rief Anwohner auf den Plan: Sie erkundigten sich besorgt, ob das nicht den Bäumen schade. „Ganz im Gegenteil“, beruhigte Bauhof-Leiter Heiko Stamme, „das ist weder schädlich noch giftig.“

Mit dieser Aktion beschreitet das Bauhof-Team neue Wege bei der Pflege des Baumbestandes. Begleitet von Michael Seils, Gebietsleiter für den Raum Nienburg, Minden, Herford und Diepholz des Düngerherstellers „Oscorna“, begannen zwei der städtischen Mitarbeiter damit, die ersten Bäume an der Schmelingstraße und an der Bismarckstraße mit Nahrhaftem zu versorgen. Dabei handele es sich um einen Spezialdünger, so Michael Seils, der organisch und nicht mineralisch sei. Während Mineraldünger mit Wasser eine Verbindung eingehe und so eine Nährlösung bilde, passiere das beim organischen Dünger nicht: „Die Nährlösung überschwemmt das Wurzelwerk des Baumes, egal, ob er Nährstoffe benötigt oder nicht. Der organische Dünger ist ein Nährstoffangebot, bei dem der Baum selbst entscheidet, wann er es umwandelt.“

Dieser Dünger sei zugelassen für den kontrollierten ökologischen Anbau sowie für die Anwendung in Wasserschutzgebieten, betont Michael Seils. Er setze sich aus drei Komponenten zusammen: Der tierische Anteil bestehe unter anderem aus Hornmehl, der pflanzliche komme von Traubenkernschrot, Zuckerrübenmelasse und anderen „Zutaten“ und die mineralische Komponente lieferten Gesteinsmehle, Algenkalk und Tonmineralien. Aus diesen Komponenten mache die Natur – in Gestalt von Regenwürmern, Springschwänzen, Pilzen, Bakterien und anderen Lebewesen – Humus: „Das ist wie Tierfutter für die Mikroorganismen im Boden.“

Zahlreiche trockene Zweige zwischen den belaubten Ästen deuten darauf hin, dass dieser Baum stark unter Stress leidet.

Besonders Stadtbäume litten unter Stress, erklärt der Experte, durch zu kleine Baumscheiben, also den nicht überbauten Bereich rund um den Stamm, durch Abgase und Streusalz. In den letzten Jahren sei weiterer Stress durch Hitze und Trockenheit hinzugekommen. In Sulingen spiele ferner der sehr sandige Boden mit wenigen Nährstoffen und geringer Wasserhaltequalität eine Rolle: „Schon 0,5 Prozent mehr Humus im Boden halten pro Quadratmeter sieben bis elf Liter Wasser mehr, denn der Untergrund hat eine Pufferfunktion – sowohl für Nährstoffe als auch für Wasser.“

Optimal sei, diesen Dünger einmal pro Jahr auszubringen, „das reicht für 90 bis 95 Prozent der Bäume.“ Nur bei besonders gestressten Bäumen oder solchen mit sehr kleiner Baumscheibe seien häufigere Gaben nötig, zumal auch andere Pflanzen, wie Bodendecker, Rasen oder angrenzende Hecken, darüber mitversorgt würden. „Wir versuchen, jeden Baum möglichst optimal mit dem Ton-Humus-Komplex zu versorgen.“ Das reduziere nicht nur den Stress für die Pflanze, sondern diene auch dem Werterhalt.

Bauhof will Erfolg beobachten

Auf diese Möglichkeit sei der Bauhof von Michael Seils aufmerksam gemacht worden, berichtet Heiko Stamme. Allerdings wisse man, dass einige der Garten- und Landschaftsbauunternehmen, die im Auftrag der Stadt tätig sind, schon seit Jahren mit diesem Dünger arbeiteten und oft neu angepflanzte Bäume eine „Startgabe“ davon erhielten. „Wir werden das jetzt über mehrere Jahre beobachten, wie sich der Erfolg zeigt.“

Mit anderen Kommunen habe er bereits sehr gute Erfahrungen gemacht, sagt Michael Seils, und wenn er auf dem Weg zu Kunden in der Region durch Sulingen fahre, „schreien mich die Bäume quasi an.“

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