100 Jahre Finanzamt Sulingen: Dienstgebäude an Hindenburgstraße wird 1927 eingeweiht

Heute modern und bürgerorientiert

Erste „Chefin“ des Finanzamtes ist Agnes Hoffmann, hier mit Geschäftsstellenleiter Christian Schillmüller.
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Erste „Chefin“ des Finanzamtes ist Agnes Hoffmann, hier mit Geschäftsstellenleiter Christian Schillmüller.

Sulingen – „Die Diensträume unseres Finanzamts haben Charme“, darin sind sich Amtsleiterin Agnes Hoffmann und Geschäftsstellenleiter Christian Schillmüller einig. Seit 1927 residiert die Sulinger Behörde in dem markanten Gebäude an der Hindenburgstraße, seit 1998 belegt ein Teil der insgesamt 124 Mitarbeiter darüber hinaus Büros im ehemaligen Landbundhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Nach der Vereinheitlichung des Steuerrechts in der Weimarer Republik wurde Sulingen vor 100 Jahren Standort der Behörde: Am 15. September 1920 siedelte die Zweigstelle Diepholz in die Sulestadt um; für die 15 Mitarbeiter wurden im Hotel zur Börse und in der Gaststätte Bückmann (heute: Gaststätte „Lindeneck“) Dienstzimmer eingerichtet.

Die Finanzverwaltung sei im Nationalsozialismus instrumentalisiert worden, erinnert Agnes Hoffmann an ein dunkles Kapitel der Geschichte: „In dieser Zeit ging die Behörde in vorderster Front gegen die Juden vor, etwa mit der Erhebung der Reichsfluchtsteuer oder der Judenvermögensabgabe.“ Belegt ist, dass die Arbeit im Finanzamt nach dem Zweiten Weltkrieg nur fünf Tage ruhte. Die Erkenntnis: Die Schulden und Verpflichtungen des Deutschen Reichs und der Neuaufbau des Staates erforderten eine starke Finanzverwaltung. 1949 entstanden getrennte Bundes- und Landesfinanzbehörden, die eigentliche Struktur hat sich dagegen im vergangenen Jahrhundert kaum verändert.

Unter dem Dach der Oberfinanzdirektion Niedersachsen sind 55 Finanzämter, zehn Sonderfinanzämter für Großbetriebsprüfung, Fahndung und Strafsachen sowie die Steuerakademie Niedersachsen angesiedelt. Das Finanzamt in der Sulestadt ist zuständig für Städte und Gemeinden im Altkreis Diepholz mit ihren rund 83 000 Einwohnern. Die Arbeitsgebiete: Arbeitnehmer, Veranlagungsverwaltung (Einzelunternehmen, Personengesellschaften, Land- und Forstwirte, Kapitalgesellschaften, Vereine), Anmeldesteuer, einheitliche Erhebung und Betriebsprüfung.

Die Behörde hat sich zu einer modernen, bürgerorientierten Verwaltung entwickelt. Bis in die 1960er Jahre wurden Steuerbescheide ausschließlich per Hand erstellt. Heute belegt das Sulinger Finanzamt in puncto Digitalisierung einen Spitzenplatz, etwa bezüglich der Akzeptanz der elektronischen Steuererklärung (Elster). „Dank des Engagements unserer Mitarbeiter werden 72 Prozent der privaten und 78 Prozent der geschäftlichen Steuererklärungen digital eingereicht: eine Vereinfachung sowohl für die Behörde als auch für den Nutzer“, lobt Agnes Hoffmann.

Die Mitarbeiter des Finanzamtes 1927 vor dem neuen Dienstgebäude an der Hindenburgstraße. Archivoto: Finanzamt

Durch die Anpassung von Vorauszahlungen oder die Stundung von Umsatzsteuern hat das Finanzamt laut Christian Schillmüller in der Corona-Krise ein erhöhtes Arbeitsaufkommen zu bewältigen. Mit den Auswirkungen werde man auch im kommenden Jahr zu tun haben. Eine Herausforderung sieht Agnes Hoffmann in der 2022 anstehenden Grundsteuerreform. Sie erwartet, dass der personelle Bedarf weiter steigt: „Trotz des technischen Fortschritts und der zunehmenden Digitalisierung werden wir auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen sein.“

Infotag zur Ausbildung im Finanzamt

Im Finanzamt Sulingen gibt es am Donnerstag, 17. September, 17 Uhr, einen Informationstag für angehende Auszubildende (Finanzwirt/Finanzwirtin) und Diplom-Finanzwirte (Duales Studium). Affinität für Zahlen und Gesetze, eine gute Auffassungsgabe, Verantwortungsbewusstsein und die Freude am Umgang mit Menschen und an Teamarbeit sind Voraussetzungen. Schulische Einstiegsqualifikation sind Realschulabschluss beziehungsweise Abitur. Die Anmeldungen werden unter Tel. 0 42 71 / 8 72 41 entgegengenommen.

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