„Möchte 100 Jahre alt werden“

Henning Scherf rät in Sulingen zu „lebenslänglichem“ Engagement

„Publikumsnähe“: Henning Scherf setzte sich auf den Bühnenrand.
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„Publikumsnähe“: Henning Scherf setzte sich auf den Bühnenrand.

Sulingen – Dr. Dietrich Beverborg, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung „Kirche für Sulingen“, begrüßte am Freitagabend 90 Gäste zum „Erzählabend“ mit Dr. Henning Scherf: „Schön, dass Sie sich trotz der epidemischen Lage getraut haben!“ Das Sulinger Stadttheater ermöglichte coronakonformen Abstand.

Henning Scherf, langjähriger und für seine Bürgernähe bekannter Bürgermeister der Hansestadt Bremen und Bewohner von Deutschlands berühmtester Haus- und Wohngemeinschaft, rückte indes so weit an sein Publikum wie möglich: Statt auf einem bequemen Sessel Platz zu nehmen, wählte er den Rand des Bühnenbodens und ließ die Beine baumeln – nicht „behelligt“ vom Scheinwerferlicht und Auge in Auge mit den Zuhörern aus den ersten Reihen.

„Frisch von der Leber weg“ erzählte der Gast aus Bremen von seinen Erfahrungen mit der Pandemie und von der Neuorganisation seines Alltags. Er sehe die Zeit der „großen Häuslichkeit“ als Geschenk: „Ich bin ein rumfahrender und rumsausender Mensch, habe vor Corona 200 Vorträge in der ganzen Republik gehalten. Jetzt durfte ich erleben, wie das Leben in einem Haus ist, über das ich bisher geredet und geschrieben habe.“

Den musikalischen Rahmen gestalteten Jan Bockhop und Leonie Schmidt.

„Das Haus“, eine damals abbruchreife Stadtvilla im Zentrum der Wesermetropole, hatten Henning Scherf und seine Frau Luise vor 33 Jahren bezogen – zusammen mit Freunden, die ebenso wie sie im Alter von Mitte 40 eine Antwort auf eine neue Lebenssituation suchten: Die Kinder waren „flügge“, die bisherigen Wohnungen zu groß. Aus dem Bauch heraus hätten sie damals die richtigen Entscheidungen getroffen, sagte Scherf: „Wir haben die Villa altersgerecht renovieren lassen – schwellenfrei, mit breiten Türen und einem Schacht für einen späteren Aufzug.“

Jede Partei habe ihren eigenen Bereich mit Bad und Küche, geteilt werden Gästewohnung, Garten, Waschküche, Marmeladenregal, Wein- und Fahrradkeller. Die Balance zwischen Nähe und Distanz habe man in der auf „lebenslang“ angelegten Hausgemeinschaft (schätzen) gelernt, sich untereinander „in Schwung“ zu halten sei bleibende Aufgabe. Feste Reglements habe es nie gegeben. Scherf: „Ich bin Jurist und hatte damals dazu geraten, aber sie sind völlig unnötig.“

Die Gäste im Theater erlebten einen ebenso aufschlussreichen wie amüsanten Abend.

Den demografischen Wandel sehe er nicht als Bedrohung, sondern als heftige, aber spannende Veränderung und als „riesen Chance“, betonte Scherf. Wichtig sei, sich nicht aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen, sondern mitzudenken, neugierig zu bleiben, sich ehrenamtlich zu engagieren und bereit zu sein, von den nachfolgenden Generationen zu lernen. Diese Erfahrungen genieße er in der Hausgemeinschaft, aber auch im Kreis seiner „bunten“ Familie. Dass seine drei Kinder inzwischen auch ähnlich spannende Lebensprojekte verfolgen, mache ihn stolz und glücklich. Er sei sicher, dass er auch mit 83 Zukunft habe, unterstrich Scherf: „Ich möchte 100 Jahre alt werden, ich habe wunderbare Vorbilder!“

Dr. Dietrich Beverborg, der am Ende einen kurzen Überblick über die selbst gesetzten Schwerpunkte der Stiftung und die bisherigen Projekte gab, dankte Leonie Schmidt (Cello) und Jan Bockhop (Violine) für die Gestaltung des musikalischen Rahmens. Und natürlich Henning Scherf, dem er das obligatorische Geschenk für auswärtige Referenten überreichte. Nach dem Vortrag wisse er, dass der „Bullenschluck“ in der Versenkung des Weinkellers der Rembertistraße 71 landen wird und eher der Wahlfamilie als ihm selbst eine Freude machen wird, scherzte Beverborg – ein letzter Schmunzel-Augenblick des ebenso aufschlussreichen wie amüsanten Abends.

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