Heiner Gutschmidt initiiert ein Pilotprojekt für Asylbewerber

In Arbeitswelt integrieren

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Dachdeckermeister Olaf Twietmeyer (Gerbes Bedachungen) aus Varrel mit Ali Saif aus dem Sudan (Mitte) und Abdi Rahman Ibrahim aus Somalia auf einer Baustelle am Lönsplatz in Sulingen.

Sulingen - „Wir müssen die Asylbewerber nicht nur im sozialen Bereich integrieren, sondern auch im Erwerbsleben. Bislang sind diese Überlegungen wenig beachtet worden“, sagt Flüchtlingspate Heiner Gutschmidt. Er wandte sich jetzt mit einem Konzept an Betriebe aus Sulingen und dem Umland.

Kreishandwerksmeister Matthias Wendland und Constantin von Kuczkowski von der Industrie- und Handelskammer Hannover (Geschäftsstellenleiter Syke) wollen angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels ein entsprechendes Pilotprojekt aktiv unterstützen. Wendland: „Viele Betriebe suchen händeringend Nachwuchs.“

Initiator Heiner Gutschmidt mit Constantin von Kuczkowski (IHK), Kreishandwerksmeister Matthias Wendland und Thekla Löchel (Flüchtlingsinitiative Sulingen; von links).

Heiner Gutschmidt, pensionierter Hauptschullehrer, spricht von rund 30 größtenteils hochmotivierten Asylbewerbern aus Eritrea, Somalia, Sudan, Elfenbeinküste und Südsudan, die von der Flüchtlingshilfe in Sulingen betreut werden. Und keine Vorstellung davon haben, wie Ausbildung in Deutschland organisiert ist. Sein Anliegen: „Egal, ob anerkannt oder geduldet, ob hoch- oder geringqualifiziert: Man sollte ihnen die Möglichkeit eröffnen, sich aus der finanziellen Abhängigkeit zu lösen.“ Drei Betriebe haben sich spontan bereit erklärt, Asylbewerber analog zum „Zukunftstag“ für Schüler zu einem Schnuppertag einzuladen. Ali Saif (18) aus dem Sudan und Abdi Rahman Ibrahim (35) aus Somalia erhielten am Mittwoch auf einer Baustelle der Firma Gerbes einen Überblick über das Tätigkeitsfeld eines Dachdeckerbetriebs.

Nach Gutschmidts Modell sollten Sprachkurse in Verbindung mit praktischen Tätigkeiten stehen: „Sie sind ganz anders motiviert, sich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen, als wenn sie nur die Schulbank drücken“, sagt Gutschmidt. Seine Idee ist, nach den Schnuppertagen Kurzzeitpraktika im Handwerk, aber auch im sozialen Bereich anzubieten – flankiert von Sprachkursen, um den Asylbewerbern die Berufsorientierung und den Einstieg in eine schulische oder betriebliche Ausbildung zu erleichtern. Kostenlos versichert sind Praktikanten über die Berufsgenossenschaften, eine Ausbildung gilt nach dem Kenntnisstand von Gutschmidt als Duldungsgrund.

Thekla Löchel, Sprecherin der Flüchtlingsinitiative Sulingen, sieht in dem Projekt eine hervorragende Perspektive für die Asylbewerber, die sich hier eine neue Existenz aufbauen möchten, aber auch eine Chance für die Betriebe. Nach den positiven Erfahrungen von Olaf Twietmeyer (Firma Gerbes), Ali Saif und Abdi Rahman Ibrahim könnte das Konzept Schule machen. Matthias Wendland und Constantin von Kuczkowski wollen im Kreis ihrer Mitgliedsbetriebe für die Initiative von Heiner Gutschmidt werben: „Die Unternehmen, aber auch die Mitarbeiter müssen überzeugt werden.“

mks

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