Hinterlassenschaft soll in Sulingen bleiben

Nachlass von Robert Enders: Zeugnisse eines Künstlerlebens

Zwei Frauen zeigen ein großformatiges Foto.
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Diverse Fotografien sind ebenfalls erhalten geblieben: Hier präsentieren Andrea Enders (links) und Inge Enders ein Bild, das den Künstler bei der Arbeit zeigt.

Sulingen – Die Werke von Robert Enders prägen seit Jahrzehnten das Sulinger Stadtbild, und Dokumente ihres Entstehungsprozesses finden sich im Nachlass des 2003 verstorbenen Künstlers. Dieser Nachlass hat bisher seinen Platz in Lindern in dem Haus, in dem Robert Enders arbeitete und mit seiner Familie lebte. Damit ist es jedoch bald vorbei: Das Haus ist verkauft, und für den Nachlass muss eine neue Heimstatt gefunden werden.

„Sein Wunsch war, den Nachlass zusammen und in Sulingen zu halten“, erklärt seine Witwe Inge Enders. Hier kam er 1928 zur Welt, und nach dem Studium an der Staatlichen Kunstschule Bremen, mit anschließender Zeit als Meisterschüler eines Bildhauers in Iserlohn, ließ er sich wieder in seiner Geburtsstadt nieder.

Er habe sich als Künstler ganz langsam durchsetzen müssen, sagt Inge Enders. Anfangs habe er sakrale Arbeiten im Auftrag gefertigt, aber auch Werbegrafiken und Designs für Unternehmen sowie Stände für die Hannover Messe entworfen. Erst später seien auch öffentliche Aufträge hinzugekommen: Einer der ersten sei die Gestaltung einer Wand mit einer Bandeisenplastik in der ehemaligen Volksschule in Sulingen gewesen, später folgten aus Kunststein gefertigte Trinkbrunnen für verschiedene Schulen im Landkreis Diepholz. Letztlich kamen über die Jahre so rund 50 Arbeiten im öffentlichen Raum zusammen, zuletzt die im Jahr 2000 fertiggestellte Bronzeplastik „Europa und die neun Musen“ vor dem Gymnasium Sulingen.

Rund 50 Arbeiten im öffentlichen Raum

„Er war kein Künstler im ,stillen Kämmerlein‘, sondern er wollte die Stadt mitgestalten“, erklärt Andrea Enders, die ältere der beiden Töchter. Damit habe er Erfolg gehabt, und das habe weitere Auftraggeber nach sich gezogen, wovon die Stadt Sulingen der größte gewesen sei.

Seine Arbeiten habe er immer intensiv fotografisch dokumentiert, damit sowohl er selbst als auch die Öffentlichkeit den Prozess der Entstehung nachvollziehen konnte, erinnert sich die Tochter. Robert Enders habe immer gewollt, dass sich die Bürger damit auseinandersetzen, damit Kunst nichts „Mysteriöses“ bleibe – „er hat die Kommunikation nie gescheut.“

Produktive Zeit als Künstler

Das sei sicherlich auch durch seine Erfahrungen mit Schülern entstanden, vermutet Andrea Enders: Mehr als 30 Jahre, den überwiegenden Teil davon am Gymnasium Sulingen, war er als Erzieher für Werken und Kunst tätig. Seine Arbeitsräume für die Kunst seien zunächst im Gymnasium gewesen, so Inge Enders. Dort hätten ihm die Schüler über die Schulter schauen können – und auch beim Transport schwererer Objekte geholfen. Erst 1975 kaufte er das Gebäude in Lindern, das mit viel Eigenleistung zu einem Wohnhaus mit Atelier umgebaut und 1980 von der Familie bezogen wurde.

Hier finden sich noch viele andere Hinterlassenschaften des Künstlers: Neben Entwürfen und Gussmodellen für seine Werke zählen dazu Fotos, Zeichnungen, Grafiken und Gemälde, aber auch Kleinplastiken und Möbel. Wie viele genau, steht noch gar nicht fest. „Etwa 400 bis 500“ Stücke, schätzt Inge Enders, ein detailliertes Verzeichnis sei gerade in Arbeit. „Es war eine ganz produktive Zeit, und ich sehe jetzt erst in der Aufarbeitung, wie viel er gemacht hat.“

Auch Gemälde, Zeichnungen und Grafiken hat Robert Enders hinterlassen.

Während die Plastiken oft von den Erwartungen der Auftraggeber geprägt gewesen seien, habe er in den „flächigen Werken“ seine Erfahrungen und Erlebnisse verarbeiten können, sagt Inge Enders: „Seine Grafiken sind sehr stark, das kommt richtig von innen heraus – da erkenne ich ihn wieder und weiß, was ihn bewegt hat.“

Diese Seite seines Werks biete einen Zugang zu ihm, der erst noch erschlossen werden müsse, ist sich Andrea Enders sicher, und die Bearbeitung seines Nachlasses solle mehr herausarbeiten, was ihn eigentlich ausgemacht habe. Dazu zähle sein Leben als Gestaltender und mit der Gestaltung Kommunizierender, aber auch seine Verbundenheit mit Sulingen sei ein zentraler Punkt.

Zum Teil sind Stücke aus dem Nachlass bereits für den Transport verpackt.

Dass der künstlerische Nachlass von Robert Enders in seiner Heimatstadt und für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich bleibt, ist der Wunsch der Familie. So könne sein Bestreben verwirklicht werden, über die Kunst zu kommunizieren und mit ihr andere dazu zu ermutigen, nicht alles als vorgegeben hinzunehmen, sondern sich aktiv und spielerisch mit der Umwelt auseinanderzusetzen.

Noch ist allerdings nicht klar, wo und in welcher Form die Beschäftigung mit dem Werk und der Fülle an Dokumenten geschehen kann. „Wir müssen noch besprechen, was machbar ist“, betont Andrea Enders. Sie soll künftig den Nachlass betreuen, weiter begleitet durch Inge Enders und Maren Enders, die jüngere Tochter. Allzu viel Zeit bleibt dafür aber nicht, denn spätestens im März müssten die Objekte ausgelagert werden. „Die Stadt muss jetzt ein Bewusstsein dafür entwickeln, was sie über die Präsentation des Künstlers über sich selbst aussagen möchte.“

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