„Die blauen Höfe“ werben für die Frucht

Heidelbeer-Anbauer trotzen in der Hochsaison den Staren

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Offensichtlich eine frostige Angelegenheit: Gut vor der Kälte geschützt sortieren diese Mitarbeiterinnen auf dem Hof Thiermann in Kirchdorf-Scharringhausen die zuvor handgepflückten Heidelbeeren.

Landkreis Diepholz - Von Dieter Niederheide. Blau, rund, dick, und man sagt ihr nach, dass sie eine Vitaminbombe ist. Das ist die Heidelbeere, genauer geschrieben die Kulturheidelbeere. Beim Vernaschen halten sich viele an Udo Jürgens: „Aber bitte mit Sahne.“

Andere meinen, dass die Beere, die zurzeit Hochsaison hat, auf dem Tortenboden eine gute Figur macht. Heiner Husmann (54), Vorsitzender des Bundesverbandes der rund 540 Heidelbeeranbauer in Deutschland und Anbauer in Borstel bei Sulingen, mixt sie mit Pfirsichen oder Milch.

„Die blauen Höfe“ als Parallele zur Spargelstraße

Auf den Heidelbeerplantagen der rund 100 Anbauer in den Landkreisen Diepholz, Nienburg, Verden oder Oldenburg ist jetzt Erntezeit. Obwohl die Nachfrage nach dem blauen Kraftpaket, das der Gesundheit in vielerlei Hinsicht dienen und sogar die Gehirnleistung erhöhen soll, groß ist, soll der Pro-Kopf-Verbrauch von rund 271 Gramm pro Jahr und Bundesbürger gesteigert werden, sagt Anke Meyer, Sprecherin des Unternehmens Thiermann in Kirchdorf-Scharringhausen. Darauf werde hingearbeitet, zum Beispiel mit dem Zusammenschluss von bisher 46 Heidelbeeranbauern, vornehmlich aus Niedersachsen, zur Aktion „Die blauen Höfe“.

Ursprünglich war, ähnlich der Spargelstraße, eine Heidelbeerstraße im Gespräch. Dazu schrieb eine Studentin sogar eine vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium geförderte Masterarbeit. „Die blauen Höfe“ machen sich werbewirksam für die Heidelbeere stark, die in manchen Regionen auch Blaubeere oder Bickbeere genannt wird.

Mehr als 1500 Erntehelfer im Einsatz

Auf den Heidelbeerplantagen der Region sind zurzeit weit über 1500 Erntehelferinnen und -helfer unter anderem aus Polen und Rumänien an den bis zu zwei Meter hohen Sträuchern im Einsatz. Das Unternehmen Thiermann baut die blauen Beeren im Darlatener Moor bei Kirchdorf auf rund 300 Hektar an. „Wir rechnen mit einer Erntemenge von etwa 1800 Tonnen bis Ende September“, sagt Sprecherin Meyer. Die Heidelbeeren aus dem Darlatener Moor werden fast deutschlandweit verzehrt. Laut Meyer werden rund 90 Prozent der Ernte über den Lebensmitteleinzelhandel und zehn Prozent über die Direktvermarktung angeboten.

Wer Heidelbeeren selbst pflücken möchte, kann das bei Thiermann und anderen Höfen in der Region ebenfalls tun. Eine bekannte Adresse ist nicht zuletzt der Hof Nüstedt in Bassum-Döhren an der B 61. Auch dort gibt es, wie bei einigen anderen Anbauern, ein üppiges Obst- und Gemüseangebot im Hofladen.

Beim Heidelbeerpflücken: Diplom-Ingenieurin Gartenbau Anja Reiners (rechts) und ihre Erntehelferin Sylvia aus Polen.

Auf der Plantage in Döhren, unweit des Anwesens, sind derzeit Erntehelferinnen aus Polen an den Sträuchern zu beobachten. Grazuna (47) und Sylvia (47), die den Sommer bei Nüstedt verbringen, und ihre Landsleute pflücken die blauen Beeren mit flinken Fingern.

Anja Reiners, die 38-jährige Tochter von Walter und Annegret Nüstedt und Diplom-Ingenieurin Gartenbau, berichtet, dass der Hof auf fünf Hektar Heidelbeeren erntet, unter anderem die Sorten Peka und Blue cap. Sie und Anbauer landesweit ärgert eines besonders: die Stare, die über die Heidelbeerplantagen herfallen. Bundesvorsitzender Heiner Husmann: „Die Vögel richten enormen Schaden durch ihre Lust auf Heidelbeeren an.“ Die Zahl der Tiere werde immer größer, der Schaden habe sich verfünffacht. Anja Reiners: „Wir haben grüne Netze über die Sträucher gelegt. In diesem Jahr ist es viel schlimmer als in den Jahren zuvor.“

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