Zwei Betroffene berichten

„Nichts mehr so wie vorher“: Hebammen in der Corona-Krise

Claudia Kramer (l.) und Swantje Kornau sind selbstständige Hebammen.

Sie betreuen Frauen während der Schwangerschaft, untersuchen sie und kontrollieren die Herztöne des Kindes. Hebammen sind Vertrauenspersonen. Doch wie hat sich deren Alltag in Zeiten von Corona verändert? Wir haben mit zwei Hebammen gesprochen.

Landkreis Diepholz – Swantje Kornau hat ihre eigene Praxis in Brünhausen. Sie erzählt aus ihrem Arbeitsalltag: „Die Arbeit hat sich total verändert, es ist nichts mehr so wie vorher. Wir dürfen keine normalen Kurse anbieten, nur Live-Kurse. Aber das gestaltet sich schwierig mit so vielen Teilnehmern. Vor allem, wenn die Eltern noch ihre Kinder mit im Bild haben.“ Solche Live-Kurse über das Internet seien aus diesem Grund in ihrem Alltag nicht machbar.

Zurzeit begleitet sie fünf Frauen, die sie alle zwei Tage besucht. „Hausbesuche finden momentan nur in abgespeckter Form statt. Ich fahre nur zu den Frauen hin, wo es sein muss. In der ersten Zeit fahre ich sonst jeden Tag zu ihnen. Einige Frauen habe ich zur Nachsorge noch gar nicht gesehen, nur per Videotelefonie. Die mussten dann ihr Baby selbst wiegen. Das sind blöde Zustände“, berichtet Kornau, die alleinerziehende Mutter von drei Kindern ist.

„Viele Frauen fühlen sich alleingelassen“

„Viele Frauen fühlen sich alleingelassen. In manche Kreißsäle dürfen ja auch keine Männer mehr rein.“ Wenn sie zu den Frauen fährt, dann mache sie an dem Tag ausschließlich die Hausbesuche. „Ich gehe also vorher auch nicht einkaufen.“ Alles, was man am Telefon klären kann, versucht sie, auf diese Weise zu lösen.

Nach Möglichkeit sollen sich die Geschwisterkinder während ihres Besuches auch nicht im selben Raum aufhalten. „Bei manchen Untersuchungen ist das Abstandhalten schwierig“, sagt die 42-Jährige. Alleine schon, wenn sie das Baby tragen muss.

Claudia Kramer hat seit drei Jahren ihre eigene Hebammenpraxis in Marhorst. Auch ihr Alltag hat sich durch Corona verändert. Aus ihrer Sicht könne man bestimmte Nachkontrollen nur persönlich machen. „Ich versuche, jeglichen Kontakt so kurz wie möglich zu halten. Aber natürlich muss ich die Frauen bei einer Nahtkontrolle auch anfassen“, berichtet Kramer. „Die Babys müssen ja auch gewogen werden“, so die 34-Jährige. Vorgespräche führe sie zwar am Telefon,„aber es ist viel schöner, die Personen persönlich kennenzulernen. Videochats mache ich nicht. Für viele Frauen ist das ja auch total befremdlich“. Jeden Tag fährt sie zu den Frauen nach Hause oder ins Krankenhaus.

Hebammen tragen bei Besuchen Handschuhe und Mundschutz

Beide Hebammen tragen bei den Besuchen Handschuhe und Mundschutz. „Ich musste auch einmal vorsichtshalber in Quarantäne bleiben, weil meine Kinder erkältet waren“, so Kornau. Sie selbst gehöre auch zur Risikogruppe, sagt sie. Zu der eh schon schwierigen Situation komme hinzu, dass es im Sulinger Kreis so wenig Hebammen gibt.

Kramer berichtet, dass die Angst bei den Frauen wachse. „Sie fragen sich, ob das Virus Auswirkungen auf das Baby hat. Auch für die Großeltern ist es schade, wenn sie ihr Enkelkind nach vier Wochen immer noch nicht gesehen haben.“ Ein weiteres Problem: finanzielle Einbußen. Vor der Krise hat Kramer vier Kurse pro Woche gegeben, unter anderem Geburtsvorbereitungen und Babymassagen, die jetzt wegfallen.

Einen Vorteil sieht Kramer jedoch darin, dass Mütter ein ruhigeres Wochenbett haben, weil sie weniger Besuche bekommen.

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